Tausende demonstrieren in Frankfurt gegen Gewalt an Frauen | ABC-Z

Tausende Menschen haben in Frankfurt ihre Stimme gegen sexualisierte Gewalt an Frauen erhoben. Anlass ist der Fall Collien Fernandes. Die Initiatoren stellten eine klare Forderung an die Politik.
Das Interesse war riesig: Als das Kollektiv “Vulver” seine Demo unter dem Motto “Es reicht!” anmeldete, gingen die Organisatoren von etwa 50 bis 300 Teilnehmenden aus. Letztlich kamen mehrere tausend Menschen am Montagabend trotz durchwachsenen Wetters auf den Frankfurter Römerberg, um ihre Stimme gegen Gewalt an Frauen zu erheben.
Die Zahlen unterschieden sich je nach Lesart deutlich: Bestätigte die Polizei dem hr rund 2.200 Menschen, sprachen die Organisatoren von bis zu 7.000 Teilnehmenden. Sie alle einte die Forderung, dass Opfer sexualisierter Gewalt im Internet endlich besser geschützt werden müssten.
Breites Bündnis gegen sexualisierte Gewalt
“Nach der Empörungswelle und nach dem Bekanntwerden des Falls Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben wir gedacht: Es muss etwas geschehen in Frankfurt”, sagte Mitorganisatorin Malina Kunze vom Kollektiv “Vulver” in der hessenschau.
Das dachten sich auch andere: Dem breiten Bündnis, das zur Teilnahme aufgerufen hatte, gehören Kunze zufolge auch der CSD Frankfurt, der Paritätische und die “Omas gegen Rechts” an.
Kollektiv “Vulver”
Das Kollektiv Vulver bezeichnet sich als feministische Organisation, die Kunst im öffentlichen Raum macht. Schon in der Vergangenheit habe man bei Veranstaltungen auf das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht, sagte Malina Kunze in der hessenschau. Der Demo haben sich den Angaben zufolge mehr als 16 zivilgesellschaftliche Initiativen angeschlossen.
“Wir fordern mehr Schutz für Opfer”
“Wir fordern grundlegende juristische Maßnahmen gegen Täter im Internet. Und wir fordern auf jeden Fall mehr Schutz für Opfer”, sagte Kunze. Die Politik müsse das Thema endlich ernster nehmen. “Es gibt bisher keine Rechtsgrundlage, um Frauen zu schützen”, sagte sie.
Hintergrund der aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der Spiegel berichtet hatte.
“Das Problem sind Männer”, “Das Patriarchat schützt Täter!” und “No consent no content” steht auf Schildern auf einer Demonstration gegen strukturelle Gewalt an Frauen in Frankfurt.
Sie wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die “initiale Berichterstattung” des Spiegels gerichtliche Schritte einzuleiten.
“…weil es sehr einfach ist, wegzuschauen”
Auf der Bühne hieß es in Frankfurt: “Wir sind laut, wir sind viele, es ist Zeit, sich zu verbünden.” Demonstrierende nannten Wut, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein als Gründe für ihr Kommen. “Weil ich wütend bin und mich solidarisieren und connecten möchte”, sagte etwa Anna Finkeldey, Teilnehmerin der Demonstration.
Auch viele Männer nahmen teil. Jacob Caroli, einer der Teilnehmer, betonte: “Ich glaube, für mich als Mann – man muss halt dann auch was ändern und zeigen, dass man aktiv ist, weil es sehr einfach ist, wegzuschauen.”
Eine Teilnehmerin trägt ein Schild mit der Aufschrift “Nicht alle Männer? Dann zeigt es!”
Verweis auf den Fall Pélicot
Nach der Kundgebung wollten die Demo-Teilnehmer vom Römerberg über den Willy-Brandt-Platz zum Opernplatz ziehen. Zuletzt hatte es in mehreren Städten Demonstrationen gegen digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen gegeben, unter anderem in Hamburg, wo Fernandes selbst auftrat.
Im Demo-Aufruf für Frankfurt hieß es auch: “Die Scham muss die Seite wechseln.” Es ist ein Zitat der Französin Gisèle Pélicot, die über Jahre von ihrem heutigen Ex-Mann und anderen Männern betäubt und vergewaltigt worden war. Pélicot hatte den Satz im Rahmen des Gerichtsprozesses gegen die Beschuldigten geprägt. Sie bestand darauf, dass der Prozess in der Öffentlichkeit stattfand.
Der prägende Ausspruch “Die Scham muss die Seite wechseln” ist im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen weltweit zu einem Leitsatz geworden. Sein Kern: Nicht die Opfer sollten stigmatisiert, sondern die Täter ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.





















