Tattoos: Wie gefährlich sind sie für die Gesundheit? | ABC-Z

Stand: 04.03.2026 15:56 Uhr
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Tattoos sind beliebt, bergen jedoch gesundheitliche Risiken. So können Tätowierungen Allergien auslösen und das Risiko für Krebs erhöhen, denn die Tattoofarben enthalten teils schädliche Stoffe.
Etwa ein Viertel aller Menschen in Deutschland ist tätowiert, bei den 20- bis 30-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Doch nicht immer bleiben die Hautverschönerungen ohne Folgen: Einer Studie des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen aus dem Jahr 2025 zufolge klagen rund fünf Prozent der Tätowierten über gesundheitliche Probleme mit ihren Tätowierungen.
Zu den Nebenwirkungen, die auftreten können, zählen Infektionen, Allergien und teils schmerzhafte Schwellungen, sogenannte Fremdkörpergranulome. Weitere weniger schwerwiegende Probleme, die häufiger auftreten können, seien ein gestörtes Hitze-, Kälte- und Schmerzempfinden, erklärt die Toxikologin Ines Schreiver, die das Studienzentrum Dermatotoxikologie am Bundesinstitut für Risikobewertung leitet.
Bereits das Stechen der Tattoos birgt Risiken, denn dabei wird die Hautbarriere gestört und Erreger können leichter in die Haut eindringen und Infektionen verursachen. Beim Tätowieren ist daher penible Hygiene wichtig – doch nicht alle Tattoostudios sind in diesem Punkt vorbildlich.
Studie sieht Zusammenhang zu Krebserkrankungen
Beim Tätowieren kommen zudem die Pigmente in direkten Kontakt mit Blut und Lymphflüssigkeit und gelangen so unter anderem in die Lymphknoten. Vorübergehend kann es zu einem Lymphstau und damit zu einer Vergrößerung und manchmal auch Entzündung der Lymphknoten führen.
Einer schwedischen Studie zufolge sollen Tätowierungen sogar mit Krebs in den Lymphzellen zusammenhängen. Demnach haben Tätowierte ein um 21 Prozent erhöhtes Risiko, an Lymphomen zu erkranken, also an einer Krebserkrankung des Lymphsystems.
Tattoofarben bergen Risiken
Besonders häufig beobachten Hautärzte bei Tätowierten eine Unverträglichkeit gegenüber roten Tattoo-Pigmenten. Denn rote, aber auch orangefarbene oder gelbe Tattoofarben enthalten eine bestimmte Gruppe an Pigmenten, die sogenannten Azopigmente. “Diese können sich besonders leicht spalten, entweder durch Sonneneinstrahlung oder auch durch Laserlicht, zum Beispiel bei einer Laserentfernung”, so Toxikologin Schreiver. Dabei können potenziell krebserregende Stoffe freigesetzt werden, sogenannte aromatische Amine. Daher gilt insbesondere das spätere Entfernen von Tattoos mittels Laserbestrahlung als besonders problematisch. Denn dabei kann die Farbe in den Körper gelangen.
Mehr als 4.000 Substanzen in der EU verboten
Welche Substanzen nicht in Tätowiermitteln enthalten sein dürfen, wird in der EU durch die Europäische Chemikalienagentur in der sogenannten REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) festgelegt. Sie trat 2022 in überarbeiteter Form in Kraft. Neben krebserregenden Substanzen sind darin auch erbgutverändernde Stoffe aufgeführt und solche, die die Fortpflanzung beeinträchtigen können. Mehr als 4.000 Substanzen in Tattoo-Farben sind laut der Verordnung verboten – entweder ganz oder in bestimmten Konzentrationen.
Tattoofarben noch zu wenig erforscht
Doch die REACH-Verordnung habe viele Schwachpunkte und auch Widersprüche, sagt Wolfgang Bäumler von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Regensburg. Bisher seien Tattoofarben zu wenig erforscht, um Gesundheitsrisiken ausschließen zu können. Man müsse sich bewusst machen: “Einige Pigmente, wie sie in Tattoofarben zu finden sind, werden für rein technische Zwecke hergestellt – um irgendetwas bunt anzustreichen oder Kunststoff einzufärben.” Sie enthielten mindestens zehn bis 20 Prozent Verunreinigungen. “In der technischen Anwendung mag das egal sein, aber wenn man solche Pigmente in den Körper einbringt, können diese Verunreinigungen natürlich eine Rolle spielen”, so Bäumer. Eine Positivliste mit gesundheitlich unbedenklichen Farben existiert bisher mangels aussagekräftiger wissenschaftlicher Daten nicht.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat umfangreiche Informationen zu Tätowiermitteln und möglichen Gesundheitsgefahren auf einer Webseite zusammengestellt.























