Tariq Ramadan: 18 Jahre Haft wegen Vergewaltigung | ABC-Z

Der Vergewaltigungsprozess gegen Tariq Ramadan fand anders als im Fall Pelicot unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zu sehr fürchtete eines der Opfer, das unter dem Decknamen Christelle im Pariser Schwurgericht auftrat, von Ramadans Anhängern bedroht und angegriffen zu werden. Der Schweizer Islamwissenschaftler war lange eine schillernde Figur der muslimischen Einwanderungsjugend Frankreichs und verbreitete seine „Lehren“ via Konferenzen und im Internet. Am Mittwochabend wurde Ramadan von dem Pariser Schwurgericht wegen Vergewaltigung in drei Fällen schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt – in Abwesenheit.
Der 63 Jahre alte Prediger hatte sich nicht an die Auflage gehalten, im Pariser Großraum zu bleiben und soll sich in einem Genfer Krankenhaus aufhalten. Seine Anwälte reichten zum Prozessauftakt vor drei Wochen ein Attest ein, wonach Ramadan an Multipler Sklerose leide und in einer Genfer Klinik behandelt werde. Zwei vom Gericht bestellte medizinische Sachverständige bescheinigten hingegen, dass der Prediger verhandlungsfähig und sein Gesundheitszustand stabil sei. Die französische Justiz stellte einen internationalen Haftbefehl gegen Ramadan aus.
Eine ehemalige Salafistin, Henda Ayari, hatte gegen den charismatischen Prediger 2017 Strafanzeige wegen Vergewaltigung erstattet. Sie löste damit einen MeToo-Moment unter jungen Musliminnen aus. Die aus Tunesien stammende Französin Ayari war zwangsverheiratet, bewegte sich lange nur mit einem Schleier und war von Ramadans Geboten zunächst fasziniert. Sie traf ihn 2012 bei einer muslimischen Versammlung im Vorort Le Bourget, wo er als Starredner auftrat. Er lud sie im Anschluss in sein Hotel ein und vergewaltigte sie. Nachdem Ayari Ramadan angezeigt hatte, wurde sie mit Morddrohungen überzogen.
Ramadan bezeichnete sich als „Dreyfus“ seiner Zeit
Auch der Fall von Christelle ist ähnlich gelagert. Die damals 36 Jahre alte Frau traf Ramadan im Jahr 2009 in einer Hotelbar nach einer seiner Konferenzen in Lyon. Er lockte sie in sein Zimmer, zwang sie zum Geschlechtsverkehr und urinierte auf sie. In seinem Buch „Pflicht zur Wahrheit“ gab Ramadan 84 Mal den wahren Namen von Christelle preis, obwohl die Justiz ihm das verboten hatte. Er wurde deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt. Über das dritte Opfer ist weniger bekannt.
Ramadan hatte stets alle Vorwürfe zurückgewiesen und sich als Opfer eines Komplotts dargestellt. Der Enkel des Gründers der Muslim-Bruderschaft in Ägypten bezeichnete sich in einem Interview als „Dreyfus“ seiner Zeit und bezichtigte die Franzosen als islamfeindlich. Ramadan saß zehn Monate in französischer Untersuchungshaft. In der Schweiz wurde er im August 2024 in einem anderen Fall wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt.
Die Frauenrechtlerin Caroline Fourest, die sich in einem Buch kritisch mit dem Einfluss Ramadans auf die Einwandererjugend auseinandergesetzt hatte, äußerte sich nach dem Urteil erleichtert. „Endlich Justiz! Großen Respekt für diejenigen, die durch die Hölle gegangen sind, damit dieses Monster keine Untaten mehr begehen kann“, schrieb Fourest. Ramadan galt dem Schriftsteller Michel Houellebecq als Vorbild für die Gestalt des Islamwissenschaftlers in seinem berühmten Buch „Unterwerfung“.
Mit dem Urteil verbindet sich auch das Verbot, nach Verbüßung seiner Haftstrafe das französische Staatsgebiet zu betreten. Da die Schweiz ihre Staatsangehörigen nicht ausliefert, ist jedoch unklar, ob er je in Haft genommen werden kann.





















