Tarifverhandlungen: Bahn und Lokführer einigen sich auf fünf Prozent Gehaltsplus – Wirtschaft | ABC-Z

Bei der Deutschen Bahn wird es in den nächsten Monaten nicht zu Streiks kommen. Der bundeseigene Konzern und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich in der Nacht auf Freitag auf eine Erhöhung der Löhne geeinigt. Wie beide Seiten mitteilten, steigen die Entgelte im August 2026 und im August 2027 um jeweils 2,5 Prozent. Die Beschäftigten bekommen im April dieses Jahres zudem eine Einmalzahlung von 700 Euro, für Auszubildende und Dual Studierende sind es 350 Euro.
Mögliche Warnstreiks der GDL sind damit vom Tisch. Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat mit der Bahn noch einen Tarifvertrag bis Ende 2027 und kann daher ebenfalls in den nächsten Monaten nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen. Die für Freitag und Samstag angekündigten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr haben mit der Tarifrunde der Deutschen Bahn nichts zu tun. Regionalzüge und S-Bahnen der DB werden also in den kommenden Tagen wie gewohnt fahren.
Erste Tarifrunde unter neuem GDL-Chef – erste Runde seit acht Jahren ohne Streik
Es ist die erste Tarifrunde zwischen der Deutschen Bahn und der GDL seit dem Jahr 2018, die ohne Arbeitskämpfe endet. Damals führte die Verhandlungen noch der streitbare Ex-Gewerkschaftschef Claus Weselsky. Die nun beendete Tarifrunde war die erste unter dem neuen Bundesvorsitzenden Mario Reiß.
Ende Dezember war der bisherige Tarifvertrag ausgelaufen, Anfang Januar begannen die Verhandlungen über ein neues Vertragswerk. Dafür wurden fünf Verhandlungsrunden mit insgesamt 14 Verhandlungstagen angesetzt, von denen 13 genutzt wurden. Die Besonderheit: Bis einschließlich Februar galt eine Friedenspflicht, während der die GDL nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen konnte.
Die Gewerkschaft hatte acht Prozent mehr Lohn gefordert
Wären die Verhandlungen in dieser Woche gescheitert, hätten im März umfassende Warnstreiks gedroht, die sich erheblich auf den bundesweiten Bahnverkehr ausgewirkt hätten. Dazu kommt es nun nicht.
Die Gewerkschaft hatte vorher unter anderem acht Prozent mehr Geld für die Beschäftigten gefordert, teils über eine Entgelterhöhung, teils über Umstrukturierungen im Tarifsystem. In einem ersten Angebot hatte die Bahn nur fünf Prozent mehr Geld geboten, worauf man sich am Ende auch verständigte. Dafür konnte die Gewerkschaft eine höhere Einmalzahlung und ihre Forderung nach einer neuen Entgeltstufe für Beschäftigte mit besonders langer Berufserfahrung durchsetzen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren und endet Ende 2027 – zeitgleich mit dem Tarifvertrag zwischen der Bahn und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.
Kompromisse beim Tarifeinheitsgesetz
Auch beim langjährigen Streitthema Tarifeinheitsgesetz sind die Bahn und die GDL einen großen Schritt aufeinander zugegangen. Das Gesetz sieht grundsätzlich vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge jener Arbeitnehmervertretung angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. Arbeitgeber und Gewerkschaften können aber auch Ausnahmen davon vereinbaren – das haben Bahn und GDL nun getan.
Von Januar 2027 an kann die von der GDL ausgehandelte Entgelttabelle auch für GDL-Mitglieder in Minderheitsbetrieben angewendet werden, von Januar 2028 an gilt das auch für Zulagen und Regelungen zum Arbeitszeitvolumen. Die Vereinbarung bezieht sich auf die drei Unternehmen DB Regio, DB Cargo und DB Fernverkehr.
Darüber hinaus wurde vereinbart, dass künftig mit einem notariellen Zählverfahren festgestellt wird, welche Gewerkschaft in welchem Betrieb die Mehrheit hat. Vor allem über diese Frage gab es zuletzt immer wieder Streit und auch zahlreiche Gerichtsverfahren. Von den rund 300 Betrieben bei der Bahn werden derzeit weniger als 20 als GDL-Mehrheitsbetriebe gewertet.





















