Blackout im Berliner Südwesten: Ein Ende mit Pannen | ABC-Z

Die vorzeitige Rückkehr der Stromversorgung in den Berliner Südwesten ist mit suboptimaler und intransparenter Kommunikation einhergegangen. „Es war in diesem Kreis bekannt, dass es früher gehen könnte“, räumte Regierungschef Kai Wegner (CDU) am Mittwochmittag vor Journalisten zum Ende des Blackouts gut anderthalb Tage vor dem eigentlich angekündigten Zeitpunkt ein.
Noch während der um 13 Uhr begonnenen Pressekonferenz mit Vertretern von Senat, Stromnetz, Polizei, Feuerwehr und Bezirk vermeldete die für die Energieversorgung zuständige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), dass um 14.10 Uhr alle zuvor betroffenen Haushalte wieder Strom hätten. Fast genau 24 Stunden vorher hatte eine fast identisch besetzte Pressekonferenz die Botschaft vermittelt, dass vor Donnerstagnachmittag keine weiteren der damals verbliebenen 25.500 Haushalte angeschlossen werden könnten. Zudem irritierte eine kurz vor Start der Wiederversorgung verbreitete Notfallmeldung über das staatliche Warnsystem Cell Broadcast.
„Wir haben mit Absicht die lange Zeiterwartung (gemeint ist Donnerstagnachmittag; die Red.) kommuniziert, um keine Erwartungen zu enttäuschen“, ist von Giffey auf die Frage zu hören, warum weder der Senat noch die seit 2021 landeseigene Netzbetreiber Stromnetz Berlin GmbH darüber informierten, dass man parallel an einer schnelleren Alternative arbeitete. Ähnlich äußerte sich Wegner.
Das verwunderte umso mehr, weil die Information über eine Wiederversorgung für den Senat merklich große Bedeutung hatte: Die berlinweit via WarnApp verbreitete Meldung forderte am Mittwochmorgen dazu auf, Notstromgeräte vorher vom Netz zu nehmen. „Unbedingt“ sollte dieses Abschalten passieren, um Schäden nicht nur an den Geräten, sondern auch in den betroffenen Haushalten zu verhindern, ist in der Pressekonferenz dazu von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zu hören.
Warnmitteilung erst um 9.30 Uhr
Die Warnung erscheint berlinweit aber erst um 9.30 Uhr auf den Handys, nur eineinhalb Stunden vor dem Start der Wiederversorgung. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Teil der Betroffenen schon bei der Arbeit und unter Umständen nicht mehr in der Lage gewesen sein könnte, sie zu beherzigen. Den Wiederbetrieb auf der Pressekonferenz tags zuvor in Aussicht zu stellen, hätte immerhin ermöglicht, sich auf ein Abschalten des Notstroms einzustellen, Nachbarn oder Familienangehörige darum zu bitten.
Zudem ist die Warnung selbst missverständlich formuliert: Die Nachricht beginnt mit den Worten „Extreme Gefahr […] Warnung Stromausfall für Berlin“ und wirkte damit auf den ersten Blick wie ein verspäteter Hinweis auf den seit Samstagfrüh währenden Blackout im Südwesten der Stadt. Der hatte nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltowkanal beim Kraftwerk Lichterfelde anfangs rund 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung dastehen lassen.
Senat und Bundesinnenministerium machen für den Anschlag auf diese Kabelbrücke linksterroristische Gruppen verantwortlich. Allerdings gibt es inzwischen drei sich teils widersprechende Bekennerschreiben. Die Ermittlungen hat inzwischen die für Terrorismusfälle zuständige Bundesanwaltschaft übernommen. Die Berliner Polizei ist laut Spranger zwar weiter eingebunden, konnte aber auf der Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen nichts sagen.
Weiteren Anschlägen will der Senat mit besserem Schutz neuralgischer Punkte des Stromnetzes vorbeugen, das zu 99 Prozent unterirdisch verläuft. Das soll durch Videoüberwachung auch auf öffentlichem Gelände erfolgen, was in der Vergangenheit nicht erlaubt war. Giffey hatte bereits am Dienstag gesagt, man werde „eine Priorisierung gegenüber dem Datenschutz vornehmen“. Nach Aussage der Innensenatorin macht die kurz vor Weihnachten im Abgeordnetenhaus beschlossene neue Fassung des Polizeigesetzes das möglich. „Videoüberwachung kann an allen vulnerablen (verletzlichen, angreifbaren; die Red.) Stellen gemacht werden“, sagte Spranger.
Zwei parallele Reparaturen
Technisch war der frühere Wiederanschluss laut den Aussagen bei der Pressekonferenz aus folgendem Grund möglich: Er geschah nicht unterirdisch über eine in der Argentinischen Allee ausgeschachtete Baugrube mit einem komplizierten Kabelanschluss, sondern oberirdisch an der ursprünglichen Kabeltrasse auf technisch weniger anspruchsvolle Weise.
Noch am Dienstag hatte sich Giffey daran abgearbeitet, das aufwendige Verfahren eines Kabelanschlusses mit rund einem halben Dutzend Komponenten ausführlich darzustellen und dazu ein Stück Kabel als Anschauungsobjekt herumreichen lassen.
Dass parallel dazu offenbar erfolgversprechende Arbeiten an der zweiten Variante liefen, blieb auf der Pressekonferenz am Dienstagmittag unerwähnt. Laut Giffey begannen Dienstagabend Tests, die über die Nacht erfolgreich verliefen und eine komplette Stromversorgung schon am Mittwoch ermöglichten.
Die Arbeiten an der zweiten Baustelle in der Argentinischen Allee sollen spätestens Montag abgeschlossen sein und für noch mehr Netzstabibilität sorgen. Laut Stromnetz-Chef Bernhard Büllmann ist die erfolgreiche Konstruktion an der Kabelbrücke aber auch allein verlässlich: Er sei „sehr zuversichtlich, dass wir mit der Leitung keine Probleme bekommen“.














