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Kurioses von den Kommunalwahlen 2026: Rekorde, Rätsel und raffinierte Strategien – Bayern | ABC-Z

Einziger Kandidat und doch eine Stichwahl

Am Chiemsee zeigt sich die Kommunalwahl unerwartet spannend: Obwohl es für Amtsinhaber Armin Kämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) nach guten Chancen aussah, geht es nun in die Stichwahl. Der gelernte Elektriker war zwar der einzige offizielle Bewerber für das Amt, doch nach dem Zwischenergebnis der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee erreichte er nach Auszählung aller Stimmen nur 47,7 Prozent. 52,3 Prozent der 144 Wahlberechtigten schrieben stattdessen andere Namen auf den Wahlzettel. Bis zum Wahlabend war unklar, welche Personen für eine Stichwahl überhaupt infrage kommen könnten – nun steuert Bayerns kleinste Gemeinde auf eine unerwartet spannende Entscheidung zu.

Blau statt Grün: Mit „Söder-Strategie“ zum Wahlerfolg

In Neuburg an der Donau ist die Strategie des Grünen Gerhard Schoder, bloß nicht als Grüner aufzutreten, aufgegangen. In der ersten Runde der Oberbürgermeister-Wahl landete Schoder mit 38,4 Prozent auf Platz eins. In der Stichwahl trifft er auf den ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten Matthias Enghuber, der 32,7 Prozent bekam. Schoder verteilte im Wahlkampf Döner wie Markus Söder, witzelte über seine CSU-Vergangenheit und ließ blaue Wahlplakate drucken – ohne Hinweise auf die Grünen oder die SPD, die ihn unterstützte. „Es liegt mehr an der Person als an der Partei“, sagte er der SZ über seine Strategie. Ein Erfolg in der Stichwahl wäre historisch für Neuburg: Die 30 000-Einwohner-Stadt wurde bislang stets von CSU und Freien Wählern regiert.

Ohne Kandidat: Bürgermeister-Wahl per Handschrift

Die kleine Gemeinde Philippsreut im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau zählte vor der Wahl zu den wenigen Kommunen in Bayern, in denen sich überhaupt niemand zu einer Kandidatur um das Amt des Bürgermeisters bereiterklärt hatte. Die Philippsreuter lösten das Problem auf ihre Weise: 216 von ihnen schrieben am Sonntag den Namen von Amtsinhaber Helmut Knaus auf ihre leeren Stimmzettel, das ergibt eine absolute Mehrheit von 57,1 Prozent.

Wahl in Bayern: Zahlen, Daten, Fakten

Die Auszählungen laufen, der Aufwand ist enorm: Bei der diesjährigen Kommunalwahl werden bayernweit rund 39 300 Mandate vergeben. Die Anzahl der Sitze in den jeweiligen Kommunalparlamenten richtet sich dabei nach der Einwohnerzahl der Gemeinden und Städte. Insgesamt waren rund zehn Millionen Menschen im Freistaat aufgerufen, ihre Stimme per Briefwahl oder direkt im Wahllokal abzugeben. Erste Auswertungen in den größeren Städten deuten bereits auf eine höhere Wahlbeteiligung hin als bei der vergangenen Wahl im Jahr 2020. So lag beispielsweise der Wert in Augsburg bei 51,8 Prozent, in Nürnberg unterdessen bei knapp unter 55 Prozent.

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