Kommunalwahl in Fürstenfeldbruck: Podiumsdiskussion zur Innenstadtentwicklung – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Soll im Rothschwaiger Forst Kies abgebaut und nebenan eine Bodenwaschanlage gebaut werden? Was ist der beste Standort für Hallenbad und Eishalle? Und welche Bedeutung haben Parkplätze für eine Belebung der Innenstadt? Darauf haben die Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister-Kandidaten im Stadtsaal des Veranstaltungsforums verschiedene Antworten. Fürs Vertiefen bleibt bei sechs Teilnehmern, die alle zu Wort kommen wollen, in zwei Stunden zwangsläufig wenig Zeit. Dennoch ist die vom Bündnis für Demokratie ausgerichtete und vom Journalisten Peter Wagner professionell moderierte Podiumsdiskussion für die etwa 150 Besucherinnen und Besucher aufschlussreich.
Denn sie können live erleben, wie die Bewerber ums höchste Amt im Fürstenfeldbrucker Rathaus ticken, wie sie auf kritische Fragen aus dem Publikum reagieren und wie sattelfest sie sind, wenn es um wichtige Zukunftsfelder in der Stadt geht. Die sechs Konkurrenten waren bereits zwei Wochen zuvor bei der Debatte des Bundes der Selbständigen aufeinandergetroffen. Wer die Kandidaten sind und wie sie sich geschlagen haben:
Carl-Magnus Bahner, 25: Der Finanzberater tritt für die gemeinsame Liste der Liberalen und der Parteifreien Brucker an, ist selbst aber nicht FDP-Mitglied. Er tritt selbstbewusst auf und legt sich schon mal mit Amtsinhaber Christian Götz an – als es um die Nachhaltigkeit der städtischen Gewerbesteuereinnahmen geht. Da zweifelt er die Einschätzung von Götz und dem städtischen Kämmerer an und beruft sich auf den Finanzreferenten von der FDP. Verbessern will Bahner vor allem die Netzabdeckung in der Stadt, außerdem plädiert er für die Wiedereinführung des Frühlingsfests als Ergänzung des Volksfests. Autos im Zentrum hält er für kein großes Problem, Geschäfte und Artpraxen müssten gut erreichbar sein, Parkplätze möglichst vor der Haustür: „Ich fühle mich in der Innenstadt auch nicht unsicher.“ Den Wohnraummangel hat Bahner als großes Problem erkannt. Er schlägt vor, mehr zu verdichten und vor allem platzsparend in die Höhe zu bauen.

Markus Droth, 59: Der Diplom-Geograf ist im Stadtrat Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, gehört dem Gremium seit 1990 an, bis 2019 für die CSU. Er war 20 Jahre als Geschäftsführer des Gewerbeverbands Bayern tätig, führt gemeinsam mit seiner Frau eine Gaststätte – und arbeitet an einer Mitfahr-App. Er wirbt mit ruhiger, aber kräftiger Stimme in routinierter Art für den Ausbau der erneuerbaren Energien und explizit für die Geothermie. Beim Wohnungsbau gelte es, die längst gefassten Beschlüsse umzusetzen. Mit einer Reduzierung der für Neubauten geltenden Abstandsflächen wäre er einverstanden: „Wir werden zusammenrücken müssen.“ Die von einem Kieswerk geplante Bodenwasch- und Recyclinganlage nebst Maschinenhalle könnte sich Droth unten in der bestehenden Kiesgrube, nicht aber oben auf dem verfüllten Bereich vorstellen. Er plädiert für erneute Gespräche mit den Unternehmern.

Die Durchlässigkeit des Zentrums für Autos hält er mit Blick auf Einsätze der Feuerwehr für geboten – auch aus der Perspektive der Geschäftsleute. Droth will den Standort der Amperoase im Zuge des überfälligen Neubaus nicht vorschnell aufgeben, lieber „runter von den hohen Ansprüchen“. Zumal man das Freibad nicht vergessen dürfe. Prüfen lassen will er das Potenzial für eine Nutzung der Flusswärme. Generell gelte es, die Vereinsarbeit zu würdigen und die Subkultur ebenso wie das Veranstaltungsforum zu stärken.
Christian Götz, 56: Der Oberbürgermeister ist nach drei Jahren im Amt freiwillig zurückgetreten, um OB- und Stadtratswahlen wieder in Einklang zu bringen. Der Biologe war drei Jahre lang zweiter Bürgermeister, arbeitete zeitweise als Lehrer und für ein Unternehmen und trat früher nebenbei als Musiker auf. Die Bühnenerfahrung merkt man ihm bei seinen Antworten auf Publikumsfragen an. Zudem ist er gut vorbereitet. „Uns geht es relativ gut“, sagt Götz, finanziell wie auch mit Blick auf die generelle Stimmung in der Stadt mit ihren fast 40 000 Einwohnern aus 130 Nationen.

:Der Sieger ist die Demokratie
Bei einer unterhaltsamen Podiumsdiskussion stellen sich der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin und seine Herausforderer, fünf Männer und eine Frau, im vollen Saal den Fragen der Bürger. Der AfD-Kandidat wirkt jedoch inhaltlich und rhetorisch nicht auf Augenhöhe.
Das Thema Bodenwaschanlage ist seiner Überzeugung zufolge „vom Tisch“. Denn die zuständige Behörde habe das Projekt nicht genehmigt und damit die Widersprüche von Forstamt, Denkmalschutz und Stadt gewürdigt. Der Antrag auf Ausweisung als Sondernutzungsgebiet Baustoffrecycling sei von der Regierung von Oberbayern unter Hinweis auf den Außenbereich ebenfalls abgelehnt worden. Aus dem gleichen Grund hält Götz auch die noch aktive Kiesgrube am Rande des Pucher Meers als künftigen Standort der Amperoase für nicht genehmigungsfähig. Nach den Wahlen soll sich ein Arbeitskreis auf die Suche machen nach einem geeigneten Grundstück und Finanzierungsmöglichkeiten für Hallenbad und Eishalle.
Götz warnt vor starker Nachverdichtung und will mit Blick auf den Klimawandel Freiflächen erhalten. Die Innenstadt möchte der OB im Fall seiner Wiederwahl attraktiver machen und dafür auf Parkraumbewirtschaftung und mindestens die Gleichberechtigung von Fußgängern und Radfahrern setzen. Dem Onlinehandel könnten Städte nicht mit mehr Parkplätzen Paroli bieten, sondern nur mit einer einladenden Innenstadt und einem Einkaufserlebnis.
Jan Halbauer, 41: Der Grünen-Fraktionsvorsitzende ist als Kommunikationsberater tätig und hat nach dem Politikstudium viele Jahre als Stadtrat, Kreis- und Bezirksrat Praxiserfahrung gesammelt. Er ist klar in seiner Meinung, wirkt gut vorbereitet und ziemlich entspannt. Beim Wohnungsmarkt dringt er auf die Umsetzung längst gefasster Beschlüsse, will mehr Geld und Arbeitsstunden in diesen Bereich investieren. Den sozialen Wohnungsbau will er auch durch den Ankauf von Grundstücken durch die Stadt beflügeln – und das jüngst beschlossene Einheimischenmodell implementieren. Zumal durch die Erholung in der Bankenbranche wieder mehr Steuergeld in die Kasse der Stadt gespült werde. Dennoch komme die Stadt beim Neubau der Amperoase an ihre Belastungsgrenzen. Halbauer schlägt einen Umzug vor. Frei werdende Flächen könnten bebaut werden, der Erlös wiederum ins Projekt Amperoase fließen.
Eine „Industrialisierung im Rothschwaiger Forst“ jenseits der Bundesstraße 471 lehnt er kategorisch ab. Für eine Bodenwaschanlage gebe es geeignetere Standorte. Die Innenstadt will Halbauer verkehrsberuhigen und damit aufwerten, um im Sommer die Leute zum draußen Sitzen in den Cafés zu animieren.
Tim Niklas, 27: Der gelernte Notarfachangestellte arbeitet als Büromanager in einem Brucker Marketingunternehmen sowie in der Gastronomie. In seiner Freizeit macht er gerne Musik, einige Jahre gehörte er dem Subkultur-Vorstand an. Er zeigt, dass er nicht nur flotte Sprüche draufhat („Ich bin Wirtschaftsexperte, weil ich in einer Wirtschaft arbeite“), sondern ebenso wandlungsfähig ist wie sein Outfit: Saß er beim Bund der Selbständigen noch im Ulk-T-Shirt („I’m sponsored by everything“) auf der Bühne, sind es diesmal Hemd, Jackett und die für Die Partei typische rote Krawatte. Niklas hat unkonventionelle Lösungsansätze parat: etwa einen kleinen Trailerpark für Menschen, die sich die horrenden Mieten nicht leisten können, aber in der Stadt bleiben wollen – zurzeit der Trend unter jungen Leuten.
Grundsätzlich will er nicht in Schwarzmalerei verfallen. Wie sich die Innenstadt aufwerten ließe? „Je weniger Autos, desto attraktiver!“ Und das Schwimmbad gelte es zu erhalten, vielleicht mit Unterstützung von Sponsoren. Nur so lasse sich sicherstellen, dass Kinder schwimmen lernen.
Martin Urban, 58: Der Selbständige, Mediator und Berater klein- und mittelständischer Unternehmen ist es gewohnt, frei vor Publikum zu sprechen, der CSU-Kandidat argumentiert unaufgeregt. Dass dem Quereinsteiger jenseits der ehrenamtlichen Tätigkeit im Wirtschaftsbeirat der Stadt die politische Erfahrung fehlt, deutet er selbst eher als Vorteil, weil er so die Probleme unbefangen angehen könne. Aus der Ruhe lässt er sich auch nicht durch Gegenwind bringen: Dass sein Wunschstandort für die Amperoase am Pucher Meer gar nicht genehmigungsfähig sei, würde er gerne noch einmal überprüfen. So schnell will er die Vision vom überregional bedeutenden Naherholungszentrum am Pucher Meer nicht aufgeben.
Der stellvertretende Vorsitzende des Umweltbeirats bringt ihn ebenfalls in Zugzwang: Malte Geschwinder zitiert aus den Antragsunterlagen der Bodenwaschanlage, die in der ehemaligen Stockinger-Kiesgrube geplant war – bis der Stadtrat mehrheitlich dagegen votierte. Urban befürwortet das Projekt weiterhin. Er will nach mehreren gescheiterten Gesprächsrunden erneut auf das Kiesunternehmen zugehen und nach konstruktiven Lösungen suchen, von denen beide Seiten profitieren könnten. Geschwinder aber konfrontiert ihn mit täglich 40 zusätzlichen Lastwagenfahrten und Lärm von morgens bis abends. Urban zweifelt solche Zahlen an und hebt die Vorzüge des Recyclings und damit der Wiederverwertung von Baumaterialien hervor.
Martin Urban will den Wohnungsbau ankurbeln und befürwortet das Konzept von Starterwohnungen, in denen Betriebe fürs Erste neue Mitarbeiter unterbringen können.





















