Neubiberg: Musikverein Harmonie will Jugendkapelle etablieren – Landkreis München | ABC-Z

Der Musikverein Harmonie Neubiberg ist eine Blaskapelle wie aus dem Bilderbuch. Rund 50 Aktive spielen dort Klarinette über Tuba bis hin zum Schlagwerk. Highlight sind regelmäßige Auftritte auf der Oidn Wiesn wie dieses Jahr in der Boandlkramerei oder beim Trachtenumzug. Bei rund 50 Anlässen wie diversen Volksfesten, Sankt-Martins-Umzügen und Christkindlmärkten sind die Musiker jedes Jahr zu hören. Doch etwas fehlt dem 95 Jahre alten Verein – der Nachwuchs. Das soll sich nun ändern. „Wir wollen eine Jugendkapelle etablieren“, sagt Nicole Ngo, eine der vier Jugendbeauftragten des Vereins. In seinem Konzept spricht das Team vom nicht weniger als dem „freshsten“ Jugendmusikprojekt in und um München.
Aktuell sind die aktiven Mitglieder im Alter zwischen 17 und über 80 Jahren. Ein paar Junge sind also schon dabei. Das sind vor allem Studierende von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. „Es ist schön, dass sie da sind, aber meist nur für die Zeit ihres Studiums“, sagt die andere Jugendbeauftragte Kerstin Stiefermann. Auch wurde immer mal wieder vereinzelt Interesse an einer Jugendkapelle an sie herangetragen, das wollen sie nun bündeln.
Sie möchten daher junge Leute im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren aus Neubiberg und Umgebung für eine Jugendkapelle gewinnen. Der Fokus soll auf traditioneller bayerisch-böhmischer Blasmusik liegen. Aber auch moderne Stücke sollen wie bei der Erwachsenenkapelle zum Repertoire gehören. Die jungen Leute sollen schon ein bis zwei Jahre auf ihrem Instrument spielen. Denn Idee ist, dass sie möglichst bald auch leichtere Stücke bei Auftritten der Erwachsenen-Kapelle mitspielen dürfen. Das können dann beispielsweise Weihnachtslieder oder Märsche sein. „Wir wollen die Jugendkapelle glänzen lassen“, sagt Stiefermann. Die Palette an möglichen Instrumenten ist groß – sie reicht von Klarinette über Flöte und Trompete bis hin zum Schlagwerk.
Leistungsabzeichen als Anreiz
Warum eine Teilnahme noch attraktiv sein könnte: Die Jugendbeauftragten wollen besonders ehrgeizige Jungmusiker auch fördern. Sie wollen sie zu einem Kurs für das Musikerleistungsabzeichen des Bayerischen Blasmusikverbands schicken. Überhaupt sind sie überzeugt, „dass wir die einzigen in der Umgebung sind, die das Kulturgut aufrecht erhalten wollen“, sagt Ngo. Wie die Musik in der „Jungen Harmonie“ – so soll die junge Kapelle heißen – sein soll, da haben sie klare Vorstellungen: „Frisch, jung, up to date und mit der Möglichkeit, sich selbst musikalisch weiter auszuprobieren!“, heißt es auf der Homepage des Vereins.
Um genügend junge Menschen für ihr Vorhaben zu gewinnen, wollen sich die Jugendbeauftragten der Neubiberger Blaskapelle auch an Musikschulen und Bläserklassen wenden. Dabei wollen sie nicht diese jungen Musiker abwerben, sondern „eine Plattform bieten, das Gelernte umzusetzen und gemeinsam weiter auszubauen“, schreiben sie auf der Homepage des Vereins.
Am 12. Januar soll die erste Probe stattfinden. Geprobt werden soll einmal in der Woche mit Markus Olbrich, dem langjährigen, erfahrenen Dirigenten des Vereins. Ein erster Auftritt ist beim Frühjahrskonzert im März kommenden Jahres avisiert. Nur, werden sich wohl genügend junge Leute finden oder sind sie nicht schon in der Jugend umliegender Kapellen im Einsatz? Das Problem sieht Ngo nicht. „Wir setzen auf ein anderes Genre, das es so noch nicht gibt, wir sehen uns nicht als Konkurrenz für andere“, sagt sie.
Ambitioniertes Projekt
Das Projekt ist ambitioniert, aber nicht vermessen. „Wir wissen, dass wir viel Geduld mitbringen müssen“, sagt Stiefermann. So würden sie auch nicht aufgeben, wenn erst einmal nur wenige junge Menschen mitmachen wollen. Die beiden Jugendbeauftragten gehen davon aus, dass Mundpropaganda beim Wachsen der Gruppe helfen wird. Ihr Ziel ist, dass sich die Jugendkapelle bis zum hundertjährigen Jubiläum des Vereins 2030 gefunden hat. Aus Sicht von Ngo und Stiefermann, die in der Hauptkapelle Querflöte beziehungsweise Klarinette spielen, lohnt sich Mitmachen allemal. Beide schwärmen von einem Gemeinschaftsgefühl, das sie nicht missen möchten. „In der Zeit hat der Kopf nur Platz für Musik, es ist kein Platz für Schulaufgaben“, sagt Stiefermann. Ihnen gefällt auch, dass sie alle immer in Tracht gekleidet sind – so soll das auch für die Jungmusiker sein.
Mit ihrem Vorhaben zur Nachwuchsarbeit sind die Neubiberger offenbar in guter Gesellschaft. Zwar ist die Zahl der unter 18-jährigen Mitglieder in den Blaskapellen in Bayern in den vergangenen Jahren immer wieder gesunken, wie Andreas Horber, Geschäftsführer des Bayerischen Blasmusikverbands sagt. Doch „seit einigen Jahren gibt es zahlreiche neue Bläserformationen, die ‘hip‘ sind und Werbung für das Erlernen eines Blasinstruments machen“, sagt er.
Wer Interesse hat, bei der neuen Jugendkapelle mitzuspielen, kann sich per Mail an info@harmonie-neubiberg.de wenden.





















