„Ich habe meinen Job gemacht“ | ABC-Z

Berlin – Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (52, CDU) sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt. Er habe mehrmals gelogen, heißt es, als es um die Aufarbeitung des Tages ging, an dem ein Brandanschlag von Linksextremisten auf das Berliner Stromnetz zehntausenden Bürgern Kälte und Dunkelheit brachte.
Wegner erwähnte zunächst nicht, dass er für eine Stunde zum Tennisspiel das Homeoffice verließ. Es gab Vorwürfe, er habe sich nicht rechtzeitig und ausreichend gekümmert.
Im Gespräch mit der B.Z. sagt er jetzt: „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht und möchte mich dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen. Es tut mir aufrichtig leid.“ Aber: Er habe nicht bewusst getäuscht, das will Wegner klarstellen. Und: „Ich habe meinen Job gemacht!“
Am 3. Januar 2026, um 8.07 Uhr, bekam er die erste Nachricht von Innensenatorin Iris Spranger. Da war von 19.000 betroffenen Haushalten die Rede, die keinen Strom mehr bekämen, und dass am Abend gegen 18.30 Uhr der Schaden behoben sein werde.
Vor diesem Hintergrund kommunizierte Wegner im weiteren Verlauf des Vormittags über Textnachrichten mit seinem Stab. Um 12.07 Uhr folgte der erste Lagebericht der Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Nun hatte sich die Zahl der betroffenen Haushalte auf 45.000 erhöht und es war unklar, wann der Strom wieder fließen würde.
Wegner telefonierte hierauf mit der zuständigen Senatorin Giffey und auch mit seiner Senatskanzlei. Dann ging er von 13 bis 14 Uhr auf den Tennisplatz – „um den Kopf freizubekommen“, wie er in einem Interview mit WELT später sagte.
Möglicherweise erstmalige Großschadenslage
Um 14.30 Uhr wurde der Ernst der Lage deutlicher. Stromnetz Berlin gab bekannt, dass der Schaden doch größer sei und nicht vor dem folgenden Donnerstag behoben sein könnte. Damit war offensichtlich, dass hier eine Dimension erreicht war, die sehr viele Menschen in ihrem Alltag beeinträchtigen würde: „Mir wurde dann im Laufe des weiteren Tages klar, dass wir möglicherweise erstmalig für Berlin die Großschadenslage ausrufen müssen.“
Mit diesem Verwaltungsakt konnte die Koordination der Einsätze vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf in die Hand des Senats gelegt werden. Nur so konnten außerdem die ehrenamtlichen Helfer von DRK, THW usw. in den kommenden Tagen im Einsatz gehalten und die Bundeswehr um Hilfe gebeten werden. Über die Präsidentin des Abgeordnetenhauses ließ Kai Wegner Kontakt zu Brigadegeneral Horst Busch aufnehmen, um ihn für den Krisenstab zu gewinnen. Busch ist Kommandeur des Landeskommandos Berlin der Bundeswehr.
„Eine emotional angespannte Situation“
Zusätzlich beriet sich Wegner mit der Polizeiführung und dem Innensenat. Dabei ging es auch um die Großschadenslage, die ein Regierender Bürgermeister allerdings nicht anordnen kann, sie muss durch die Innensenatorin ausgerufen werden. Am frühen Abend nahm Wegner dann Kontakt mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenministerium auf und nahm an der Sitzung des Berliner Krisenstabes teil.
Gegen Vorwürfe, zu wenig getan zu haben, wehrt er sich: „Es war eine emotional angespannte Situation. Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere. Tatsächlich habe ich mich mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt.“
Auf die Frage, weshalb er denn nicht schon am Tage des Brandanschlags, sondern erst am nächsten Tag vor Ort bei den Helfern und Opfern erschien, sagt der Regierende ganz entschieden: „Da hätte ich niemandem geholfen, im Gegenteil, ich hätte die Arbeiten behindert, ich hätte nur gestört und Hilfsarbeiten unterbrochen.“





















