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Affen können im Takt trommeln – Wissen | ABC-Z

Der Regen war durchdringend, der Schlamm war überall und der Ticketpreis für das Wacken-Festival im vergangenen Sommer war mit 333 Euro auch nicht gerade günstig. Gestört hat das niemanden. Die Stimmung auf einem der größten Musikevents in Deutschland, für das 85 000 Tickets verkauft wurden, soll gigantisch gewesen sein.

Warum Menschen für Musik derart viel in Kauf nehmen, warum sie so gerne im Takt stampfen, klatschen oder headbangen ist eines der großen ungelösten Rätsel der Biologie. Seit mehr als hundert Jahren beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Thema. Ist die seltsame Fähigkeit, einen Rhythmus zu erkennen und sich dazu zu bewegen, eine Errungenschaft des Menschen? Oder reichen ihre Wurzeln weiter in die Evolutionsgeschichte des Lebens zurück?

Eine Studie, die gerade im Wissenschaftsjournal Science erschienen ist, deutet darauf hin, dass Rhythmusgefühl nicht nur Menschen und Tierarten vorbehalten ist, die Stimmen lernen können. Ein Team um den Neurobiologen Vani Rajendran zeigt darin, dass Makaken zum Rhythmus von Musik trommeln können.

Zunächst brachten die Wissenschaftler den Affen bei, mit ihrer rechten Hand zum Ticken eines Metronoms zu klopfen, das einen Takt vorgab. Dann spielten sie den Tieren unterschiedliche Musikstücke vor, darunter „Everybody“ von den Backstreet Boys, „You’re My First, My Last, My Everything“ von Barry White und „A New England“ von Billy Bragg. „Bemerkenswerterweise konnten die Tiere bei allen Songs den Rhythmus halten“, heißt es in einer Presseerklärung zur Studie. Und zwar auch dann, als die Forschenden das Tempo der Musikstücke erhöhten oder verlangsamten.

Lange war die Ansicht: Wer im Tierreich singen kann, hat auch Rhythmusgefühl

Nach Ansicht der Autoren zeigt die Perkussion der Makaken, dass Rhythmusgefühl im Tierreich weiter verbreitet ist, als bisher vermutet. Das wiederum werfe die Frage auf, wann Tanz und rhythmische Bewegung in der Evolution des Menschen aufkamen.

Unklar ist weiterhin, welche neurobiologischen Fähigkeiten erforderlich sind, damit ein Lebewesen zu Musik grooven kann. Eine gängige Theorie, die „Hypothese des vokalen Lernens“, geht davon aus, dass dafür spezielle Gehirnstrukturen notwendig sind, die es nur bei Lebewesen gibt, die komplexe Tonfolgen erlernen können.

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Das würde zwar erklären, warum neben Menschen (die sprechen lernen), auch manche Vögel (die singen lernen), ein Gefühl für Rhythmus haben. So wie der berühmte Gelbhauben-Kakadu Snowball, der vom Headbangen über verschiedene Drehungen bis hin zur Körperwelle 14  Tanzbewegungen beherrscht.

Die trommelnden Makaken passen nicht in dieses Schema, schreiben zwei amerikanische Neurowissenschaftler in einem Begleitkommentar in Science. Anders als Menschen und viele Vögel seien diese Tiere nicht imstande, neue Tonfolgen zu lernen.

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Genauso wenig wie die Seelöwin Ronan, die bekannt wurde, weil sie sich wie die Makaken rhythmisch zu „Everybody“ bewegen kann, allerdings auf andere Art und Weise als die Affen. Sie wippt mit dem Kopf zu dem Song, genauso wie zu „Boogie Wonderland“ von Earth, Wind & Fire.

Die Frage, wie die Musik in die Welt kam und warum Menschen und offensichtlich auch andere Tiere im Takt grooven, bleibt also bis auf Weiteres ungeklärt. Klar ist nur eines: Das nächste Wacken-Festival im Sommer 2026 wird wieder ausverkauft sein.

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