Berlin: Tahnee kommt ins Tempodrom | ABC-Z

Obwohl gerade mal 33 Jahre alt, steht Tahnee schon seit fast anderthalb Jahrzehnten auf der Bühne und mischt die deutsche Comedy-Szene sowohl live als auch im Fernsehen ordentlich auf. Jetzt kommt die Star-Comedienne und Moderatorin mit ihrem dritten Solo-Programm „Blütezeit“ nach Berlin. Darin macht sie unter anderem ihrer Ehefrau Juliette Schoppmann (45), die als Sängerin durch DSDS bekannt wurde, eine Liebeserklärung. Im Gespräch verrät Tahnee, wie ihre Mutter ihrer Karriere als Stand-up-Comedienne auf die Sprünge half und warum ihre Ehe ihr auch künstlerisch gut tut.
Tahnee, vor Kurzem haben Sie in den sozialen Medien gepostet, dass sich ein Typ namens Jürgen aufgeregt hat, weil Sie die Haare kurz tragen. Wie viele Männer beschweren sich über Ihr Aussehen und halten das für völlig normal?
Tahnee: Zu viele. Ich mache Comedy, doch das, was für manche zählt, ist das Äußere. Aber so etwas passiert Frauen ja überall. Da denkt man, wir wären schon einen Schritt weiter, muss aber wieder einmal feststellen, nein, wir hängen definitiv immer noch irgendwo in der Vergangenheit fest.
Sie nutzen ja gern Parodien, um stupides Verhalten dieser Art zu spiegeln und zu veralbern. Wann haben Sie entdeckt, dass das in Ihnen steckt?
Das mache ich schon seit meiner Kindheit. Meine Mutter erzählt immer, wenn ich aus der Schule kam, wurde am Mittagstisch erstmal ein Theaterstück aufgeführt. So habe ich den ganzen Schultag noch mal Revue passieren lassen, samt der Imitation von Klassenkameraden, Lehrerinnen und Lehrern. Ich bin auch an Geburtstagen für die Familie als Angela Merkel oder Hausmeister Krause aufgetreten. Dafür habe ich mir einen Kittel vom Eiermann aus dem Dorf geliehen, das Hütchen aufgesetzt und dann ging es los. Mein Bruder, der Arme, musste auch mitmachen. Er war Fetti, der Sohn von Hausmeister Krause. Das war mein Ventil. Die Bühne ist seit meiner frühen Kindheit ein Thema. Da hatte ich nie Berührungsängste.
Geboren 1992 als Tahnee Schaffarczyk in Heinsberg nahe der niederländischen Grenze, arbeitete die Comedienne und Moderatorin schon von klein auf an ihrer Karriere. Sie absolvierte eine Tanzausbildung in klassischem Ballett, Modern- und Jazztanz, stand schon im alter von fünf Jahren auf der Musicalbühne. Sie etablierte sich mit Auftritten etwa bei „TV Total“, „Nuhr im Ersten“ und der „Kaya Show“ und Moderationen bei „NightWash“ in der deutschen Fernsehlandschaft, entwickelte aber auch Live-Programme, mit denen sie seit 2016 tourt. Sie wurde unter anderem mit dem Bayerischen Kabarettpreis und dem Prix Pantheon ausgezeichnet. Auch privat läuft bei Tahnee alles bestens. Seit 2023 ist sie mit Sängerin Juliette Schoppmann verheiratet, die auch in ihren Bühnenprogrammen immer wieder eine Rolle spielt.
Lebt Ihre nähere Umgebung eigentlich in ständiger Sorge, als Parodie in einem Ihrer Programme zu landen?
Ab und an sagt meine Mutter, wenn wir uns treffen: „Das machst du nicht auf der Bühne, das bleibt hier am Tisch.“ Das kann ich nachvollziehen. Aber wir haben ein so gutes Verhältnis, dass ich weiß, was ich erzählen kann.
Wann wurde Ihnen denn bewusst, dass Sie Comedienne werden möchten?
Ursprünglich wollte ich Musical-Darstellerin oder Schauspielerin werden. Darauf hatte ich mich überall beworben, auch an der Universität der Künste in Berlin, wo ich aber letztlich nicht genommen wurde. Parallel dazu hatte meine Mutter 2011 kurz nach meinem Abi einen Aufruf im Teletext gelesen, dass Cindy aus Marzahn Comedy-Nachwuchs sucht. Sie meinte dann im Scherz: „Bewirb dich da doch mal, du hast ja eh gerade Zeit.“ Das habe ich gemacht und bin zum Casting nach Bremen eingeladen worden. Ein, zwei Monate später stand ich mit 19 Jahren auch schon in einer Livesendung beim ersten „RTL Comedy Grand Prix“ mit einer unglaublichen Quote von über fünf Millionen Zuschauern. So hat alles angefangen.
Haben Sie es jemals bereut, keine Schauspielerin geworden zu sein?
Diese Freiheiten, die ich jetzt auf der Bühne habe, hätte ich natürlich nie im Musical oder als Schauspielerin gehabt. Comedienne ist für mich eher eine Berufung als ein Beruf. Und ich bin dafür sehr dankbar.
Wenn man sich Ihren Werdegang anschaut, scheint es für Sie von der Schule aus direkt ins Showbiz und ins Fernsehen gegangen zu sein. War es wirklich so einfach?
Im Gegenteil. Ich habe neulich noch mit meinem sehr guten Freund und Kollegen Ingmar Stadelmann bei seinem Live-Talk in den Wühlmäusen genau darüber gesprochen, dass es von außen immer so leicht aussieht, aber der Weg an sich oft sehr steinig ist. Ich hatte mit vielen vertraglichen und finanziellen Sorgen zu tun. Das hätte mich fast gebrochen. Ich kenne aber kaum einen Kollegen, der nicht auch solche schweren Zeiten erlebt hat.
Kommen wir mal zu Ihrem neuen Programm. Das soll ja sehr persönlich sein. Worum geht es denn dabei?
Ich bleibe natürlich meinen Parodien treu. Das Schöne beim Stand-up ist ja, dass man darin von Jahr zu Jahr persönlicher und besser wird, weil man sich traut, sich mehr zu öffnen. Seit ich meine Frau kenne, bin ich da noch viel entspannter geworden. Ich habe jetzt eine ganz andere Sicherheit. Früher habe ich mich gerne mal hinter den ganzen Dialekten und Parodien versteckt, weil das in dem Moment am einfachsten war. Ich versuche jetzt, das im neuen Programm etwas anders zu machen.
Nach Ihren ersten Soloprogrammen „#geschicktzerfickt“ und „Vulvarine“ hat man jetzt bei „Blütezeit“ allein schon vom Titel her das Gefühl, Sie haben zu sich gefunden und sind glücklich.
Absolut. Man darf ja auch nicht vergessen, wenn man so jung ist und mit der Comedy anfängt, ist man noch in der rebellischen Phase. Nachdem ich da reingeworfen wurde, wollte ich einfach polarisieren und krass sein. Das alles hat ja auch seine Berechtigung. Das war die Phase, in der ich mich befunden habe. Jetzt ist eine neue Zeit, in der ich anders zurückschaue. Comedy funktioniert ja besser mit mehr Lebenserfahrung, weil man Themen dadurch anders filetieren und bespielen kann.
Ein anderer Ausdruck Ihres Glücklichseins sind die witzigen Beiträge mit Ihrer Frau Juliette Schoppmann auf Instagram. Schaffen Sie es eigentlich, Ihren gemeinsamen Podcast „Fühl Vergnügen“ aufzunehmen, ohne komplett in Gelächter zu versinken?
Wir behandeln auch ernste Gesprächsthemen. Aber wir suchen selbstverständlich die besonders lustigen Snippets raus, die wir dann posten. Für mich ist es einfach schön, dass ich mit meiner Frau auch die perfekte Gesprächspartnerin gefunden habe. Wir könnten den Podcast eigentlich 24/7 betreiben, weil wir nonstop quatschen und uns über alles Mögliche unterhalten.
In einer Bühnen-Nummer erzählen Sie, die Love-Language von Ihnen und Ihrer Frau sei, dass Sie sich unentwegt Reels schicken, obwohl Ihre Handy-Zeit eigentlich ohnehin schon viel zu lang ist. Entspricht das der Wahrheit?
Dass ich das Handy so viel benutze, ist eine Sache, die mich wirklich nervt. Wenn ich diesen Beruf nicht machen würde, würde ich mir ein altes Nokia kaufen und hätte wohl auch kein Instagram. Das ist natürlich Fluch und Segen zugleich. Man ist in einer Art Teufelskreis drin. Die Leute konsumieren sehr viel über Social Media, darüber werden sie auch auf mich aufmerksam und kommen dann vielleicht ins Comedy-Programm. Von meinem Wesen her wäre ich tatsächlich eher geneigt, das alles nicht mitzunehmen und stattdessen zu sagen: „Komm Engel, wir ziehen auf den Bauernhof, halten Hühner und haben unsere Ruhe.“
Also ganz im analogen Hier und Jetzt in Haltern am See, wie Sie mal auf der Bühne erzählt haben?
Haltern am See ist herrlich. Aber das ist letztlich egal. Irgendwo hier um Berlin gibt es doch auch wunderschöne Ecken mit viel Natur, oder?
Überlegen Sie, hierher zu ziehen?
Nein, wir lassen euch in Ruhe. Keine Sorge. Wir bleiben in Köln. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man sozialisiert wurde und aufgewachsen ist. Also je nachdem, wo man sich sein soziales Umfeld aufbaut hat. Ich merke, je älter ich werde, desto weniger kann ich mir vorstellen, woanders zu wohnen. Ich mag es hier in Köln mit der rheinischen Art. Wir sind auch schnell in Holland. Was toll ist, weil wir total weihnachtsverrückt sind. Da gibt es unglaubliche Deko-Läden, die jedes Jahr gefühlt sechs Monate Weihnachtsausstellungen haben. Eine Halle in einer Farbe. Und du denkst, oh Gott, wie ein Wahnsinns-LSD-Trip. Du kommst da abgekämpft fünf Stunden später raus, schiebst dir noch eine schöne Pommes rein und bist glücklich.
Haben Sie denn schon alles weihnachtlich geschmückt?
Dieses Jahr haben wir es noch nicht geschafft. Meine Frau hat gesundheitlich einiges hinter sich. Aber nächstes Jahr haben wir das wieder fest im Griff. Dann sind wir im Deko-Wahn und stellen traditionell am 31. Oktober den Weihnachtsbaum auf, der fast bis in den Februar stehen bleibt. Das muss sich ja lohnen. Dazu läuft viel Weihnachtsmusik, was einfach nur schön ist.
Tempodrom, Möckernstr. 10, Kreuzberg, Tickethotline 01806 57 00 70, 12.12. um 20 Uhr


















