Kultur

Der Mann mit dem Hitler-Sound will offenbar reden – gegen Geld – Kultur | ABC-Z

Er hat es zu einiger Berühmtheit gebracht. Alexander Eichwald, ein junger Mann aus dem nordrhein-westfälischen Herford, trat beim Gründungstreffen der neuen Jugendorganisation der AfD auf, mit bösem Blick, rollendem R und wedelndem Zeigefinger. Für seine Bewerbungsrede an die „Parrrrteigenossen“, in der dazu aufrief, „die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen“ und in der er Menschen unterschiedlicher Herkunft mit Kühen und Schweinen verglich, bekam er immerhin 12,28 Prozent der Stimmen.

Eine ziemlich perfide Satireaktion – wenn es denn eine war. Die Zweifel daran wachsen. Denn inzwischen verschickt Eichwald offenbar E-Mails, auch an die SZ.

Offenbar versucht Eichwald, seine Geschichte zu Geld zu machen. Am Wochenende erschien ein Artikel in der Zeit, der ausführlich beschrieb, wie ein Reporter der Zeitung den „Mann im Sturm der Schlagzeilen“ zu finden versuchte. Der blieb nämlich verschwunden, während sich viele Menschen im Land fragten, ob das, was er da zur Vorstellung gebracht hatte, Parodie war – was peinlich für die AfD wäre. Oder die unfreiwillige Selbstparodie eines Mannes, der offenbar Grund zur Annahme hatte, mit dem guten, alten Hitler-Sound in den Vorstand der AfD-Jugend gewählt zu werden – was noch viel peinlicher für die AfD wäre. Er selbst hatte bei der Veranstaltung gesagt, der Auftritt sei ernst gemeint gewesen.

Würden Redaktionen für Interviews bezahlen, wären sie schnell pleite und es entstünden Abhängigkeiten

Das wenige aber, was es über diesen Alexander Eichwald zu erfahren gab, war schnell in den alten und neuen Medien herumgereicht: der Künstlername Alex Oak, unter dem er zeitweise Musik veröffentlicht hatte, das Praktikum bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Enger vor sechs Jahren, eine Anstellung bei einem Personaldienstleister in Bielefeld. Was bedeutet das alles nun?

Die Zeit wollte es genauer wissen. Sie wollte Eichwald finden. Der Reporter beschrieb also ausführlich, was er alles versuchte, wie er etwa Telefonbücher und den gesamten Abiturjahrgang des Mannes durchtelefonierte, „109 Namen auf der Liste, 109 Kontaktversuche“, alle vergeblich. Am Ende der Suche stand eine E-Mail-Adresse. Und eine Antwort von Eichwald: Er wolle sich äußern, „in erster Linie jedoch über ein TV-Interview, bevor ich mich dem klassischen Medium der Zeitung widme“, allerdings „vorausgesetzt ein anderer Verlag unterbreitet mir kein besseres finanzielles Angebot“. Darauf ging die Zeit, wenig verwunderlich, nicht ein. Würden Redaktionen für Interviews bezahlen, wären sie erstens schnell pleite und zweitens entstünden dadurch Abhängigkeiten – Journalisten wären käuflich. Davon schien Alexander Eichwald auszugehen. Würde auf diese Weise jemand agieren und argumentieren, der als Satiriker die AfD unterwandert hat?

Aber Eichwald scheint es weiter zu probieren. Noch am Samstag, wenige Stunden nach Erscheinen des Zeit-Artikels, kam plötzlich eine Antwort auf eine Anfrage der SZ, die an eine mit hoher Wahrscheinlichkeit Eichwald gehörende E-Mail-Adresse gegangen war. Wie es mit der Bezahlung aussehe, wollte der Absender wissen, und ob er sagen solle, was man hören wolle. Dazu ein Zwinkersmiley.

Auf die Frage, was die SZ seiner Ansicht nach hören wolle, antwortete er: Negatives über die AfD – dazu sei er bereit. Die Partei hatte sich nach dem Auftritt bemüht, sich so deutlich wie nur irgend möglich von ihm zu distanzieren, ein Rauswurf wurde unverzüglich angekündigt. Intern, berichtete der Spiegel, nenne man Eichwald den „Hitler-Clown“. Womöglich Grund genug, sich an der Partei zu rächen. Oder ist das alles immer noch Teil eines Satireprojekts? Nur: Was sollte das für ein Satireprojekt sein?

Die AfD in Herford sprach, wie die SZ erfuhr, nach dem Auftritt mit Eichwald. Man habe ihn dringend gebeten, sich nicht öffentlich zu äußern. Was nun nicht so klingt, als gehe man dort davon aus, es mit jemandem zu tun zu haben, der die Partei unterwandert hat und der bestenfalls lachen würde, wenn man ihm so etwas nahelegt. Nur hält er sich nicht daran. Das Land redet über ihn. Jetzt, so scheint es, will er die Kontrolle darüber übernehmen, wie seine Geschichte weitergeht.

Aber eben nur gegen Geld. Als die SZ auf die Forderung nicht einging, blieben weitere E-Mails unbeantwortet.

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