Maisach: Tierquartier wird geräumt – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Das Tierquartier im Maisacher Ortsteil Überacker wird es in wenigen Wochen nicht mehr geben. Die Gemeinde Maisach hat die seit 2007 bestehende Vereinbarung mit der Allianz der Tier- und Naturfreunde, die auf dem Gelände rund um das alte Wasserhaus im Ortsteil Überacker in Not geratene Kleintiere aufnahm, gekündigt. Die verbliebenen Tiere werden ein neues Leben im Tierheim Buch bei Passau beginnen. Ob ein Kreistierheim im Landkreis Fürstenfeldbruck jetzt noch eine Chance auf Verwirklichung hat, ist fraglich.
So sehr Andrea Mittermeir ein Herz für Tiere hat, so sehr ist sie auch ein politischer Mensch. Früh und immer wieder machte sie die Politik im Landkreis Fürstenfeldbruck auf die Belange des Tierschutzes aufmerksam: dass es eben nicht angehe, wenn die meisten Kommunen die Aufnahme von Fundtieren, eine ihrer Pflichtaufgaben, geräuschlos von Tierschutzvereinen erledigen lassen und dann nicht einmal ordentlich dafür bezahlen. Oder dass es mancherorts ein veritables Problem mit Streunerkatzen gibt und es deshalb eine Katzenschutzverordnung bräuchte.
Gehör fand sie eher nicht. Seit 2019 führt Mittermeir die Allianz der Tier- und Naturfreunde, die seit ihrer Gründung als Abspaltung des Tierschutzvereins Fürstenfeldbruck zunächst viele Jahre lang „Tierfreunde Brucker Land“ hieß. Die damalige Vereinsführung wollte nicht mehr weitermachen, auch sie beklagte bereits die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Kommunen. Mittermeir wird seither nicht müde zu betonen, dass auch der Landkreis Fürstenfeldbruck ein zentrales Kreistierheim bräuchte – wie es eines in fast allen anderen Landkreisen gibt.
Doch in der Kommunalpolitik im Landkreis ging viel Zeit ins Land, mit Diskussionen über Zuständigkeiten und Nichtzuständigkeiten. Dann versuchte Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU), in dessen Gemeinde die Allianz der Tier- und Naturfreunde ihr Domizil hat und der Sprecher aller Bürgermeister im Fürstenfeldbrucker Land ist, die Kommunen an einen Tisch zu bekommen. 17 von 23 Städten und Gemeinden bekundeten ihre Bereitschaft, sich finanziell am Bau eines Kreistierheims zu beteiligen. Die Allianz der Tier- und Naturfreunde, der einzige Verein, der sich explizit eine Rolle als Tierheimbetreiber hätte vorstellen können, wurde indes nicht eingebunden. Wie die SZ erfuhr, sollen einige Kommunen Vorbehalte geäußert haben über die von der Allianz ausgeübte Vermittlungspraxis von Tieren.


Mittermeir weist darauf hin, dass nicht einfach jedem Interessenten ein Tier überlassen werden könne, sondern dabei gesetzliche Auflagen mit Mindestanforderungen an die Tierhaltung zu beachten seien: „Zum Beispiel ein einzelnes Meerschweinchen einfach in einen Käfig ins Kinderzimmer zu stellen, so was geht halt nicht.“ Mitte Oktober stellten die beteiligten Bürgermeister dann in einem gemeinsamen Schreiben klar: „Eine weitere Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Betreiberverein der Tierauffangstation Überacker wird aus unterschiedlichen Gründen als kritisch und nicht zukunftsfähig betrachtet.“ Der Verein, der seit Jahren die baulichen Zustände in dem in Besitz der Gemeinde Maisach befindlichen alten Wasserhaus von Überacker beklagt, bekam schließlich die Kündigung zum Jahresende. Er muss das Gelände spätestens bis Anfang Mai 2026 in den Ursprungszustand vor dem Pachtvertrag versetzt haben.

Schon seit einigen Wochen werden die Katzen, Kaninchen und nun auch die Tauben ins Tierheim Buch bei Passau gebracht, gleichzeitig werden sämtliche Gehege in Überacker abgebaut. Den „Katzenwald“ dort gibt es schon nicht mehr. Das Tierheim in Buch hat ein großes Areal, aber keine Leitung mehr, Mittermeir hatte schon länger die Idee einer Zusammenarbeit bis hin zur Fusion im Kopf. Sie wird ebenfalls dorthin umziehen. Unterstützung für die Idee gibt es vom Deutschen Tierschutzbund.
Während der zweiten außerordentlichen Mitgliederversammlung binnen zwei Monaten wurden vor wenigen Tagen von einer vereinsinternen Opposition Vorwürfe gegen die Vorsitzende wiederholt: Demnach habe sie den Umzug nach Passau von langer Hand geplant, den Weg für eine neue Vereinsführung aber nicht frei gemacht.

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Ob es zu einer Fusion mit dem Tierschutzverein in Buch kommen wird, ist noch unklar. Den Tierschutzstandort Überacker aber wird es in Bälde nicht mehr geben; sehr wohl aber die Betreuung von Futterstellen für Streunerkatzen durch einige weiterhin Aktive, betont Mittermeir. Auch ein Kreistierheim ist möglicherweise nicht mehr realistisch. Fast anderthalb Jahre habe man versucht, eine finanzielle Basis für eine solche Einrichtung zu schaffen, sagt Seidl auf Nachfrage der SZ und wirkt fast ein wenig beleidigt: „Das bestürzt mich jetzt persönlich.“ Er räumt ein, dass sich die Kommunen in Sachen Tierheim lange „bedeckt gehalten“ hätten, weil jede Kommune „mit allem Möglichen zugeschüttet wird“. Jetzt bräuchte es Leute, „die Verantwortung übernehmen“ und sich für den Betrieb eines Kreistierheims bewerben. Erst danach könne man mit der Spendensammlung beginnen. Seidl hatte offenbar auf die Opposition in der Allianz der Tier- und Naturfreunde gehofft, doch die sagte ab.
Auch die übrigen Tierschutzvereine im Landkreis Fürstenfeldbruck zeigten bislang kein Interesse. Seidl präsentiert sogar weitergehende Ideen. So sollte das neue Kreistierheim seiner Meinung nach nicht nur für Fundtiere da sein, sondern idealerweise auch eine Pensionshaltung von Tieren oder einen Tierfuttershop beinhalten – „als zusätzliche Wertschöpfung“, wie er es nennt. Andrea Mittermeirs Fazit klingt anders: „Ich habe das Gefühl, man ist froh, wenn wir weg sind.“





















