Gesundheit

Seltene Krankheit: „Auto-Brewery-Syndrome“ – selbst der Bergdoktor kümmert sich darum |ABC-Z

Berauscht sein, ohne zu trinken? Sogar in der ZDF-Serie „Bergdoktor“ war das schon ein Thema. Aber wie soll das gehen? US-Wissenschaftler sind der seltenen Erkrankung mit dem Kürzel ABS auf der Spur – zum Glück.

Schon das Kürzel macht stutzig. ABS – das steht doch für Antiblockiersystem. Aber „Auto-Brewery-Syndrome“ (ABS)? Eigenbrauer Syndrom? Da haben sich die Drehbuchautoren der ZDF-Serie „Bergdoktor“ ja wieder etwas einfallen lassen. In der 4. Folge der 19. Staffel baut eine junge Frau mit ihrem Roller einen Unfall. Sie hat Alkohol im Blut, versichert aber felsenfest, nichts getrunken zu haben. Rege Fantasie? Oder steckt vielleicht doch etwas Medizinisches dahinter?

Tatsächlich ist ABS eine seltene Erkrankung, bei der die Patienten Rauschzustände erleben, ohne einen Tropfen Alkohol angerührt zu haben. Ihre Darmbakterien wandeln Kohlenhydrate in Ethanol, also Alkohol um. Das geschieht eigentlich bei allen Menschen in geringen Mengen, bei ABS-Patienten allerdings in so großen Mengen, dass es sogar zu einer Alkoholvergiftung kommen kann.

US-Forscher vom Massachusetts General Brigham Department of Medicine in Boston sowie der University of California San Diego haben nun spezifische Darmbakterien und mikrobielle Stoffwechselprozesse identifiziert, die die Alkoholproduktion bei ABS-Patienten steuern, berichten sie im Fachmagazin „Nature Microbiology“. Demnach spielen dabei unter anderem Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae eine Schlüsselrolle.

Während akuter ASB-Schübe, so fanden die Forscher außerdem heraus, steigt die Konzentration von Enzymen, die an Fermentationsprozessen beteiligt sind. Die Forscher hoffen, mit ihren Studienergebnissen die ABS-Diagnose zu vereinfachen und die Behandlung zu verbessern. So kann etwa eine Stuhltransplantation die Symptome zumindest für eine gewisse Zeit lindern. Ein anderer Therapieansatz ist die Umstellung auf eine kohlenhydratarme Ernährung.

„Viele Patienten erleben jahrelang Fehldiagnosen und soziale, medizinische und rechtliche Konsequenzen, bevor sie eine Diagnose erhalten“, schreiben die Forscher. Und tatsächlich wird die Protagonistin in der Serien-Folge lange als Lügnerin betrachtet, die ihren Alkoholismus nicht eingestehen will – bis die rettende Erkenntnis kommt, dass es sich um ABS handelt.

Insofern leistet der „Bergdoktor“ durchaus wertvolle Aufklärung und schärft das Bewusstsein für seltene Krankheiten. Es sollte jetzt nur niemand auf die Idee kommen zu versuchen, dieses ernste Leiden als originelle Ausrede zu verwenden, wenn er oder sie einmal mit Alkohol am Steuer erwischt wird.

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