Kommunalwahl in Wolfratshausen: Der Freie Demokratische Partei-Kandidat stört die Einigkeit – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Zur Kommunalwahl 2026 treten in Wolfratshausen inklusive des amtierenden Rathauschefs Klaus Heilinglechner (BVW) sechs Bürgermeisterkandidaten an, so viele wie in keiner der umgebenden Kommunen des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Doch was die Kontrahenten bei einer von der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen organisierten Podiumsdiskussion in der Loisachhalle sagten, unterschied sich meist nur in Nuancen.
Am deutlichsten grenzte sich der 48-jährige Mathematiker Patrick Lechner (FDP) von seinen Mitbewerbern ab, der sich als einziger gegen eine S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried aussprach. Zudem fiel Renato Wittstadt – der 68-jährige Beamte im Ruhestand tritt für die SPD als Kandidat an – damit auf, dass er die AfD zwar als eine sehr problematische Partei bezeichnete. Sollten Vertreter zur Kommunalwahl in den Stadtrat einziehen, ist es aus seiner Sicht jedoch angebracht, mit jedem erst persönlich zu reden und sich erst danach zu entscheiden, wie mit ihm umzugehen sei. Denn nicht jeder aus der AfD sei ein Rechtsextremist, sagte Wittstadt.
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Einig waren sich alle sechs Kandidaten darin, dass die Kreisklinik in Wolfratshausen erhalten bleiben muss. Angesichts aktuell klammer Kassen und sinkender Steuereinnahmen der Kommunen betonte das Sextett allerdings, mit künftigen Investitionen vorsichtig umgehen und Prioritäten setzen zu müssen. Bürgermeister Heilinglechner bekannte sich zu seinen „Herzensprojekten“, die Innenstadt aufzuwerten und das Westufer der Loisach neu zu gestalten, über die allerdings schon seit vielen Jahren debattiert wird.
Seine „Roadmap“ für die kommenden zehn bis 20 Jahre skizzierte der zweite Bürgermeister Günther Eibl (CSU), der bereits zur Kommunalwahl 2020 angetreten war und gegen Heilinglechner in der Stichwahl verloren hatte. Er zählte unter anderem die Parkdecks in Farchet und am Hatzplatz auf, eine zweite Ausfahrt auf die Bundesstraße 11 vom Stadtteil Farchet, sowie den Aufbau des Fernwärmenetzes und den Ausbau des Katastrophenschutzes.
„Große Projekte, die angekündigt werden, entpuppen sich oft als Sprechblasen“, sagte dagegen Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste). Die wichtigste Aufgabe sei es, so der 71-jährige Forstwissenschaftler und Immobilienberater, in Wolfratshausen die Standards zu halten. Fleischer warb etwa dafür, vorwiegend die jungen Leute mehr einzubeziehen und ein Jugendparlament nach dem Vorbild von Geretsried einzuführen. Außerdem wolle er Personalkosten in der Verwaltung einsparen. Generell sprachen sich alle Kandidaten für mehr Bürgerbeteiligung aus.
Dem Ziel von FDP-Kandidat Lechner, tausend Arbeitsplätze in sechs Jahren zu schaffen, widersprach Eibl. Wolfratshausen sei flächenmäßig so begrenzt, dass das gar nicht möglich sei. Zudem brauche es dafür die entsprechende Infrastruktur. Das bedeute auch einen Anstieg der Verkehrsbelastung, so der zweite Bürgermeister. Eibl plädierte dafür, Unternehmen aus der Start-up-Szene in IT und EDV zu fördern, weil diese mit weniger Platzbedarf wachsen könnten. In puncto Wohnraum rief Fleischer insbesondere die Betriebe auf, selbst für ihre Mitarbeiter tätig zu werden.
„Die S-Bahn-Verlängerung ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll“, sagt Lechner
Für die Infrastruktur bedeutend ist auch die geplante S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried. Lechner aber sprach sich klar dagegen aus und plädierte stattdessen dafür, schneller umsetzbare und kosteneffizientere Expressbusse zwischen Wolfratshausen und der Nachbarkommune einzusetzen. „Die S-Bahn-Verlängerung ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll“, so der FDP-Kandidat.
Grünen-Kandidat René Beysel hielt dagegen, dass der Bahnverkehr immer noch eines der ökologischsten Fortbewegungsmittel sei. Für das Mittelzentrum aus Wolfratshausen und Geretsried könne die S-Bahn-Verlängerung ein „Riesen-Booster“ sein, sie biete Spielraum zur Flächenentwicklung. Auch Heilinglechner mahnte, dass niemand ein solches Zukunftsprojekt infrage stellen dürfe. „Die Verlängerung ist aufs Gleis gesetzt“, erklärte der Bürgermeister. Lechner sei mit seiner Kritik 15 Jahre zu spät dran.
Als Voraussetzung für die Aufwertung der Innenstadt bekannten sich alle Kandidaten zur Errichtung eines Parkhauses am Hatzplatz innerhalb der nächsten Amtsperiode – außer Wittstadt. „Ich muss nicht am ersten Tag eine Musterlösung haben“, sagte der SPD-Bewerber. Um das Parken in der Stadt besser zu bewirtschaften, brachte er die Einführung einer App ins Spiel, die freie Stellplätze anzeige.
In Sachen Infrastruktur hoben die Kandidaten die Bedeutung einer sicheren Radwegeverbindung an der Königsdorfer Straße hervor und forderten mehr Zebrastreifen oder längere Ampelphasen. Während Beysel zusätzlich zur Tiefengeothermie noch die Gewässerwärme als regenerative Energiequelle für Wolfratshausen ins Gespräch brachte, betonte Wittstadt unter anderem die Notwendigkeit, Heizenergie einzusparen, etwa durch bessere Dämmungen.
Mit Blick auf die Nachbarstadt bekannten sich alle Bewerber zur Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit. Eibl forderte gemeinsame Referate im Wolfratshauser und Geretsrieder Rathaus. Heilinglechner wünschte sich eine Vernetzung der Mobilitätskonzepte und einen gemeinsamen Flächennutzungsplan. „Gemeinsame Vernetzung ist das, was wir unbedingt brauchen“, so der Bürgermeister. Schließlich hätten die Kommunen das Ziel, zusammen zum Oberzentrum zu werden.





















