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Minustemperaturen in Bad Tölz-Wolfratshausen: Was gegen Kälte hilft – Starnberg | ABC-Z

Zwar soll es laut Wetterbericht in der Region München vorübergehend tauen, fürs Wochenende aber sind bereits wieder die zuletzt gewohnten Minusgrade angekündigt. Auf Temperaturwechsel sind menschliche Körper generell gut eingestellt. „Wir haben ein gutes Sensorium“, sagt der Münsinger Allgemeinmediziner und Hausarzt Jörg Lohse – und spricht von Menschen als sehr adaptiven Lebewesen. Das gilt bei guter Gesundheit selbst bei deutlichen Minustemperaturen im Winter. Trotzdem ist es durchaus angebracht, sich gegen Kälte zu schützen. Wohlig warm fühlt sich ganz subjektiv, wer etwa eine Tasse Glühwein trinkt.

Doch ist das das richtige Rezept, um sich gegen Minusgrade zu wappnen? Auf Kälte reagiert der Körper jedenfalls damit, dass sich die Blutgefäße in den Extremitäten wie Fingern, Armen und Beinen verengen. So hält sich das Blut in den lebenswichtigen Organen im Körperzentrum. „Wenn wir Alkohol trinken, werden die Finger wärmer“, so Mediziner Lohse. „Das liegt daran, dass sich die Adern weiten.“ Doch auf diese Weise verliert der Körper nur schneller Wärme. Empfehlenswert ist Alkohol bei Kälte also nicht.

Tee und Suppe statt Alkohol

Bei Kälte trocknet vor allem Wind den Körper zusätzlich aus. Wer sich länger im Freien bewegt, sollte also ausreichend trinken. „Am besten sind lauwarme oder warme Getränke“, sagt Ernährungsberaterin Maria Lidl, die ihre Praxis in Wolfratshausen hat. Wer etwas Kaltes trinke, brauche dagegen mehr Energie, um das auf Körpertemperatur zu bringen. Alkohol entziehe dem Körper gerade bei Kälte wichtige Nährstoffe. Wer nicht davon lassen könne, solle das in wärmerer Umgebung tun.

Ein warmer Tee ist daher die bessere Alternative. Doch das gilt nur für bestimmte Sorten. Statt kühlender Pfefferminze sind laut Lidl beispielsweise Chai-Tees, Ingwer und Zitrone, Kardamom, Fenchel, Anis, Kümmel, Kamille oder Hagebutte gut. „Das wärmt schön von innen“, so die Ernährungsberaterin. Gut seien auch warme Suppen. „Die enthalten viele Nährstoffe und viel Flüssigkeit.“ Gewürze wie Chili oder Pfeffer fördern die Durchblutung, was ebenfalls gegen Kälte hilft.

Heißer Schluck: Eine Tasse Tee oder eine warme Suppe tun gut, wenn es draußen kalt ist. (Foto: Mohssen Assanimoghaddam)

Generell sollten Menschen darauf achten, stabile Blutzuckerwerte zu halten, um warm zu bleiben. Vor allem langkettige Kohlenhydrate, die etwa in Haferflocken, Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten zu finden sind, verhindern laut Lidl einen raschen Energieabfall im Körper. Etwas Warmes zu frühstücken, hilft aus ihrer Sicht. Das könne ein warmes Porridge genauso sein wie ein Pfannkuchen oder ein Toast mit etwas Tee als Getränk.

Hautpflege gegen Kälte

„Für die Haut gibt es spezielle Kälteschutzsalben verschiedener Hersteller“, so Christopher Hummel, Sprecher des Apothekerverbands im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Vor allem fetthaltige Salben mit Inhaltsstoffen wie Ringelblume oder Bienenwachs helfen, die Haut vor Austrocknung zu schützen. Nach dem Aufenthalt im Freien empfiehlt Hummel feuchtigkeitsspendende Cremes. „Die Haut verliert durch die Kälte Feuchtigkeit“, sagt der Betreiber der Gaißacher Michaeli- sowie der Bad Heilbrunner Kur-Apotheke.

Gerade, wenn Wind dazukommt, sind die Belastungen besonders groß. Laut Hummel sollte jeder zusätzlich zu einer Mütze für Kopf und Ohren auch daran denken, die Augen durch eine Brille zu schützen. Denn auch die trockneten schnell aus, selbst wenn es bedeckt sei.

Kleidung nach Zwiebelprinzip, außen winddicht

Wer sich länger im Freien aufhält, sollte auf das Zwiebelprinzip setzen. Das heißt, verschiedene Lagen an Kleidung übereinander tragen. In Outdoorgeschäften gibt es dafür eine riesige Auswahl und die nötige Beratung. „Ein Windschutz sollte immer dabei sein“, sagt der Bereitschaftsleiter der Wolfratshauser Bergwacht, Andreas Westermeier. So verhindert etwa eine Hardshelljacke, dass Wind durch die Kleidung durchzieht und den Körper auskühlt. Wer sich etwa bei sportlichen Aktivitäten in den Schnee setze, sollte statt einer Jeans unbedingt eine Skihose tragen, so Westermeier.

„Frieren muss heute keiner mehr“, so der Bereitschaftsleiter der Wolfratshauser Bergwacht. „Die Ausrüstung ist viel besser und vielfältiger geworden.“ Gefährlich werde es aber, wenn sich Leute bei Unternehmungen in den Bergen überforderten. Wer etwa bei wenig Schnee im Tal loswandere und die größeren Mengen und damit erschwertes Vorankommen weiter oben unterschätze, könne schnell erschöpfen. Wer keine Energie habe, kühle dann umso schneller aus, so Westermeier. Gleiches gilt etwa für alle, die betrunken mit Skiern abfahren und etwa abseits der Piste stürzen und liegen bleiben.

Eine Mütze ist Pflicht

Medizinisch sind laut Hausarzt Lohse bei Kälte vor allem zwei Großgruppen gefährdet: kleine Kinder und Senioren mit Demenzerkrankungen. Beim Nachwuchs müssten Eltern die Kinder mit guter Kleidung warm halten und regelmäßig kontrollieren, dass Zehen und Hände nicht zu stark auskühlten. Wichtig seien auch Mützen. Über den Kopf verlieren wir 30 Prozent Wärme, erklärt Lohse.

Für gesunde Menschen sei Bewegung im Freien auch bei Minusgraden ungefährlich, sagt der Münsinger Allgemeinarzt Jörg Lohse.
Für gesunde Menschen sei Bewegung im Freien auch bei Minusgraden ungefährlich, sagt der Münsinger Allgemeinarzt Jörg Lohse. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Kaltes Wetter ist laut dem Allgemeinmediziner zudem für Demenzpatienten sehr gefährlich. Etwa, wenn jemand ohne ausreichend Kleidung oder gar barfuß im Winter durch den Garten irre.

Ebenso sind Minustemperaturen für Menschen mit Durchblutungsstörungen oder Diabetiker problematisch. „Menschen mit Polyneuropathie merken etwa nicht so gut, wenn es an den Füßen kalt wird“, so Lohse. Ebenso ist es für Asthmatiker eher schlecht, Sport zu treiben, weil die kalte Luft die Lungen belastet. Zudem steigt bei Minustemperaturen das Herzinfarktrisiko bei unbehandelten Koronarerkrankungen. „Das Herz wird besonders gestresst.“

Generell ist es aber für gesunde Menschen laut Lohse unproblematisch, sich selbst bei Temperaturen von Minus 15, 16 Grad im Freien zu bewegen. Immer wieder erlebt er aber auch gerade junge Mädchen, die sich etwa bei Fasching aus ästhetischen Gründen in knallenge Schuhe zwängen. „Dadurch sterben die Füße ab. Es kann zu Erfrierungen kommen.“

Training aktiviert das braune Fett

Wer öfter bei Minustemperaturen rausgeht, kann das körpereigene sogenannte braune Fett aktivieren, das Wärme produziert. Die Temperaturtoleranz lässt sich also durchaus erhöhen. Nur extreme Kälteschocks sollten vermieden werden.

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