Berlin

Projekt für Wohnungslose in Berlin: Verein Barka ergänzt Hilfsnetz | ABC-Z

Am Samstag stellte der Verein Barka in Berlin das Projekt „One-Stop-Shop“ einem interessierten Publikum vor. Zu dem Kick-Off-Event in den Räumen des Projekts Refugio in Neukölln kamen rund 70 Teilnehmende, darunter zahlreiche Mitarbeitende von sozialen Trägern und Initiativen, etwa von Fixpunkt und von der Union für Obdachlosenrechte. Angelaufen ist das Projekt im November vergangenen Jahres. Mit ihm geht es Barka darum, das Leben für Obdach- und Wohnungslose insbesondere aus EU-Staaten zu verbessern.

Obwohl es in Berlin bereits einige Anlaufstellen für Wohnungs- und Obdachlose Menschen gibt, fehlte es bislang an einem spezifischen Angebot für EU-Bürger:innen, primär aus osteuropäischen Ländern wie Polen. Diese Lücke wolle Barka mit dem Projekt schließen und das Hilfesystem für Wohnungslose damit ergänzen, sagt Mia Raben vom Vorstand des Vereins. „Die Hilfsangebote reichen hinten und vorne nicht“, so Raben.

In Berlin sind mehr als 50.000 Menschen ohne Wohnung. Rund 6.000 Menschen sind laut Sozialverwaltung davon derzeit obdachlos. Andere Erhebungen kommen auf bis zu 8.000 Obdachlose in der Hauptstadt. Deutschlandweit sind mehr als eine Million Menschen wohnungs- oder obdachlos. Rund 60 Prozent davon sind Staats­bür­ge­r:in­nen von EU-Mitgliedsländern, zum Beispiel Rumänien oder Bulgarien. Laut dem Wohnungslosenbericht der Bundesregierung von 2024 sind polnische Staats­bür­ge­r:in­nen mit rund 20 Prozent darunter am stärksten vertreten. Hinzu kommen Menschen aus der Ukraine

Zentrale Anlaufstelle mit Beratungsangeboten

Die Gründung des Barka e.V. geht auf die Stiftung Barka für gegenseitige Hilfe zurück, die von der Psychologin Barbara Sadowska und ihrem Mann Tomasz Sadowksi im Jahr 1989 in Polen gegründet wurde. Inzwischen gibt es Projekte von Barka in neun europäischen Ländern, etwa in England, Irland, in den Niederlanden und Frankreich. Ziel der Stiftung ist es, Obdachlose und Hilfsbedürftige zu unterstützen. Mit dem Projekt „One-Stop-Shop“ will Barka nun auch in Berlin eine zentrale Anlaufstelle mit Beratungen in deutscher, polnischer, englischer und auch russischer Sprache anbieten.

Den Betroffenen offeriere man beispielsweise, zu prüfen, ob Leistungsansprüche durchgesetzt werden können, erklärt Julie Markussen von Barka im Gespräch mit der taz. Um mit ihnen in Kontakt zu kommen, gehen zwei So­zi­al­ar­bei­te­r:in­nen von Barka zudem gezielt in Tagesstätten für Wohnungslose. Vorgenommen habe man sich pro Jahr rund 500 Erstkontakte mit Wohnungs- und Obdachlosen, berichtet Markussen.

Menschen aus EU-Mitgliedsländern seien „besonders prekär lebend“. „Geflüchtete können im Asylleistungsgesetz untergebracht werden“, sagt Markussen, für EU-Bürger:innen gelte jedoch: Sie sind „nur dann geschützt, wenn sie arbeitssuchend oder arbeitsfähig sind“. Zudem werde der „Anspruch auf Unterbringung nicht immer durchgesetzt“, so Markussen.

Mit Blick auf Leistungsansprüche berichten Sabrina Wilde und Chantal Chisley vom Interessenverband des polnischen Sozialrats am Samstag zudem, diese würden „restriktiv geprüft“. Lange Bearbeitungszeiten und „unklare Verantwortlichkeiten“ in den Ämtern würden den Prozess für die Betroffenen zusätzlich erschweren. So entstehe ein Kreislauf: Ohne Wohnraum sei es schwierig einen Job zu erhalten, ohne Job bekomme man nur schwer eine Wohnung, erklärt Wilde. Dabei sei Wohnen „ein Grundrecht“, fügt ihre Kollegin Chisley hinzu. „Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem“, betont sie.

Die Soziologin und Sozialarbeiterin Aneta Midzio-Opala vom Verein Barka kann davon direkt aus der Praxis berichten. Im Gespräch mit der taz beklagt sie, ihre Klienten seien auf dem Arbeitsmarkt häufig von Ausbeutung betroffen. Die Unterstützung von Barka werde bisher „gut angenommen“, so Midzio-Opala. Ihr sei wichtig zu betonen, dass jeder Mensch ein „Recht auf ein gutes Leben“ habe. Dieses dürfe auch durch Faktoren wie Sprachbarrieren, Alter, Herkunft oder Geschlecht nicht begrenzt werden. „Wenn jemand in Not ist, hat er das Recht auf Unterstützung“, betont sie.

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