Putin erobert Geisterstadt – und zahlt mit Tausenden Menschenleben | ABC-Z

Pokrowsk steht vor dem Fall, das ist nur eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen. Die Bergbaustadt im Osten der Ukraine ist nach der massenhaften Infiltration durch russische Truppen für die ukrainischen Verteidiger trotz aller Durchhalteparolen des Oberkommandos nicht mehr zu halten.
Moskau wird die Einnahme der Ruinenlandschaft propagandistisch ausschlachten. Jedoch ist es ein Sieg, der teuer erkauft wurde. Der russische Präsident Wladimir Putin hat einmal mehr Tausende, wenn nicht Zehntausende russische Soldaten für die Eroberung einer Kleinstadt geopfert. Dass Pokrowsk eineinhalb Jahre gehalten wurde, ist zudem eine bemerkenswerte militärische Leistung der personell grotesk unterlegenen ukrainischen Armee.
Jan Jessen ist Kriegs- und Krisenreporter dieser Redaktion.
© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska
Ukraine-Krieg: Hat Russland die Stadt unter Kontrolle, wird es gefährlich für Kramatorsk
Wenn die Russen Pokrowsk unter Kontrolle gebracht haben, werden ihre Drohnenpiloten von dort aus tief in die noch von der Ukraine gehaltenen Gebiete in Donezk attackieren können. Das Leben der Zivilisten in Städten wie Kramatorsk oder Slowjansk wird noch gefährlicher werden, als es das ohnehin schon ist. Schnelle Vorstöße auf dem Boden in Richtung der letzten beiden unter ukrainischer Kontrolle stehenden größeren Städte in der Region sind aber nicht zu erwarten.
Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen
Es wird viele Monate dauern, bis sich die Russen dorthin vorgekämpft haben – falls sie überhaupt noch den Atem dazu haben. Deswegen drängt Moskau auch auf die kampflose Übergabe der beiden Städte als Voraussetzung für eine Waffenruhe.
Auch Russland hat mittlerweile Mobilisierungsprobleme. Für die Ukrainer muss es jetzt darauf ankommen, die in Pokrowsk verbliebenen Verteidiger sicher aus der Stadt herauszubekommen. Viel Zeit bleibt nicht. Bald ist die Stadt komplett eingekesselt.















