Museum Erding erhält Schreibtisch und Porträts des Stifter-Ehepaars Fischer – Erding | ABC-Z

Der Blick der jungen Frau ist ernst, doch den Mund umspielt ein feines Lächeln. Auf dem Gemälde aus dem Jahr 1856 ist Katharina Fischer 22 Jahre alt und schwanger mit ihrem ersten Kind. Noch weiß sie nicht, welche Schicksalsschläge das Leben für sie bereithalten wird. Das Bild gehört zu den ersten drei Objekten aus dem Privatbesitz der ehemaligen Brauereifamilie Fischer, die an das Museum Erding gehen. Darunter auch ein Sekretär aus dem 18. Jahrhundert, den eine junge Erdinger Stiftung für das Museum erworben hat.
Durch einen Anruf habe er zufällig erfahren, dass der Sekretär aus dem persönlichen Nachlass von Katharina Fischer auf einer Kunstauktion zu erstehen sei, erzählt Museumsleiter Harald Krause bei der Präsentation der Neuerwerbungen. „Ein Schatz“, ein „Meilenstein der Sammlungsgeschichte“ gehe nun an das Haus: Exponate aus dem Privatbesitz der Fischers fehlen hier nämlich bislang.
Dabei kennt Friedrich Fischer (1827 bis 1890) und Katharina Fischer (1831 bis 1894) in Erding buchstäblich jedes Kind: Das wohlhabende Brauerei- und Posthalterehepaar wirkt noch heute durch die „Fischers Wohltätigkeitsstiftung“. Eine Straße, ein Platz, ein Seniorenheim und „Fischers fröhlicher Tag“ für die Erdinger Schüler sind in der Großen Kreisstadt nach den Eheleuten benannt.
Dass das Möbelstück aus dem Barock am Ende in Erding gelandet ist, ist allerdings einer anderen Stiftung zu verdanken: der „Stiftung Dr. Lechner für Heimat, Natur und Kultur“, die im April 2024 durch die Unternehmerfamilie Egon, Rita und Alexander Lechner gegründet worden ist. Die erste Ausschüttung erfolgte bereits ein gutes Jahr später. Mithilfe der 20 000 Euro aus der „Stiftung Dr. Lechner“ konnte der Sekretär aus dem Kunsthandel erworben werden.
Der Schreibtisch beeindruckt nicht nur mit seinem geschwungenen Tabernakelaufsatz, den Schüben, Faden- und Brandeinlagen und Metallbeschlägen, er ist zugleich „ein Exponat von großer historischer Bedeutung für die Stadt“, betont Harald Krause.
Die genaue Herkunft des Möbelstücks liegt derzeit im Dunkeln. Eine Vermutung: Der Sekretär war Teil der Aussteuer von Katharina Fischer. Die künftige Fischerbräuin stammte aus der gut situierten Brauereifamilie Wochinger aus Rottalmünster und fuhr am Hochzeitstag am 15. Juli 1856 auf einem geschmückten Brautwagen in Erding ein, gefolgt von weiteren vier Kammerwagen „mit Möbeln, Geschirr, Kleider, Wäsche und Leinen“, informiert das Museum.
Es wäre auch möglich, sagt Harald Krause, dass der Sekretär aus dem Familienbesitz von Ehemann Friedrich Fischer stammt und bereits Teil der Wohnungseinrichtung im Erdinger Lexbräuanwesen war. Fest steht, dass das Möbelstück reparaturbedürftig ist. Das gilt auch für die beiden Gemälde, die jetzt durch eine Schenkung aus dem Privatbesitz der Nachkommen von Familie Wochinger ans Museum Erding gehen.

Das eine Bild zeigt Katharina Fischer als junge Frau im zweiten Monat schwanger, also zu einer Zeit, in der sie hoffnungsfroh in die Zukunft blicken konnte. Auf dem anderen Bild ist Ehemann Friedrich Fischer porträtiert. Es ist knapp 30 Jahre später, 1884, angefertigt worden. Zu sehen ist ein älterer Mann, der stolz, aber auch sehr ernst schaut – und der erlebt hat, wie jedes der drei gemeinsamen Kinder im Säuglings- oder Kindesalter gestorben ist. Diese beiden Bilder hier vereint zu sehen, die Hoffnung und die Trauer, das sei doch sehr berührend, sagt Harald Krause.

Nachdem die Ehe der Fischers kinderlos geblieben war, legten die beiden per Testament fest, dass der Nachlass mit Brauerei, Gaststätten und Ländereien in eine wohltätige Stiftung übergehen sollte. 1891, ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemanns, errichtete Katharina Fischer die „Fischers Wohltätigkeitsstiftung in Erding“. Drei Jahre später starb auch sie. Ihr persönliches Erbe, darunter die drei künftigen Museumsexponate, ging an die Nachkommen ihres Bruders.
In ihrem Wohnhaus, dem Lexbräugebäude, hatte viele Jahre die Stiftungsverwaltung ihren Sitz. Beim verheerenden Luftangriff auf Erding am 18. April 1945 wurde das Haus zerstört. Aus diesem Grund hätten sich, erklärt Harald Krause, kaum Gegenstände wie Urkunden, Gemälde oder Fotografien der Fischers erhalten.

Bereits im Frühjahr 2026 sollen die Gemälde samt Rahmen von Expertenhand „umfänglich restauriert“ werden, kündigt das Museum an. Auch dies ermöglicht die Finanzspritze der „Stiftung Dr. Lechner“. Wenn alles glattläuft, will das Museum Erding die drei Exponate im Rahmen der Sonderausstellung „Ohne Worte – Schönes, Skurriles, Rätselhaftes“ von Mitte Mai 2026 an präsentieren.
Neben dem Museum werden sechs Vereine und Einrichtungen finanziell unterstützt
Während der Präsentation der drei Neuzugänge hatten noch mehr Menschen Grund zum Strahlen. Die „Stiftung Dr. Lechner“ kann nämlich gut ein Jahr nach der Gründung bereits insgesamt 50 000 Euro ausschütten. Die in der Satzung begründeten Stiftungszwecke nennen die „Förderung des Wohlfahrtswesens, der Jugend- und Altenhilfe und des Sports, des Naturschutzes und der Landschaftspflege, von Kunst und Kultur, des Heimatgedankens und des Rettungswesens“.
So erhielten neben dem Museum sechs Vereine und Einrichtungen eine finanzielle Unterstützung: der BRK-Kreisverband Erding und die Malteser Erding (je 9000 Euro), der Trachtenverein Edelweiß-Stamm-Erding (5000 Euro), die Nachbarschaftshilfe Fraunberg und die Hubertusschützen Fraunberg (je 2500 Euro) sowie die DAV-Sektion Alpenkranzl Erding (2000 Euro).

Die große Mehrheit der Begünstigten will das Geld für die Jugendarbeit verwenden. Das würde Friedrich und Katharina Fischer sicher gefallen. In ihrem Testament haben sie damals ausdrücklich festgehalten, dass alle Erdinger Kinder einmal im Jahr bei einem Fest zwei Bratwürste und einen Liter Bier bekommen sollen. Noch immer wird in Erding an einem Freitagvormittag im Sommer „Fischers fröhlicher Tag“ gefeiert. Dann haben die Grundschüler schulfrei und bekommen eine Brotzeit. Allerdings ohne Bier.





















