Körperscanner sollen Schmuggel unterbinden – werden für Frauen zum Problem | ABC-Z

In New Yorks Staatsgefängnissen sorgt eine neue Scanner-Politik für wachsende Kritik. Seit März 2025 verlangt das Department of Corrections and Community Supervision (DOCCS) von Besucherinnen und Besuchern, vor einem Vollkontaktbesuch einen Körperscanner zu passieren. Ein solcher Besuch bedeutet, dass Angehörige mit der inhaftierten Person an einem Tisch sitzen und kurze Berührungen erlaubt sind. DOCCS begründet die Maßnahme damit, Schmuggel von Drogen und Waffen zu verhindern und zugleich körperliche Durchsuchungen seltener zu machen.
Doch die Praxis hat eine Debatte ausgelöst, die weit über Sicherheitsfragen hinausgeht. Wie „New York Focus“ berichtet, schildern Besucherinnen, sie seien wegen Hygiene- oder Medizinprodukten abgewiesen worden.
Körperscanner in New Yorks Gefängnissen: Besucherin verliert ihr Besuchsrecht nach Scanner-Alarm
Vanessa Kelder stand laut „New York Focus“ wenige Wochen vor ihrer Hochzeit, als sie Anfang August ihren Verlobten in der Auburn Correctional Facility im Zentrum des Bundesstaats New York besuchen wollte. Sie habe sich dabei nicht anders verhalten als bei früheren Terminen und sogar die gleichen Leggings getragen, sagt sie. Nach dem Scanner jedoch sei sie von Beamten gestoppt worden. Man habe sie aufgefordert, erneut durch das Gerät zu gehen, sich umzudrehen und nach vorne zu beugen. Wenig später, so schildert sie es gegenüber dem investigativen Nachrichtenportal, hätten zwei männliche Beamte die Aufnahmen geprüft und ihr kurz darauf mitgeteilt, dass sie an diesem Tag nicht in die Anstalt dürfe.
In späteren Schreiben der Gefängnisbehörde habe es geheißen, der Scan zeige ein „unbekanntes Objekt“ in ihrem „Vaginalbereich“. Kelder sagt, sie wisse sicher, dass sie nichts Verbotenes mitgebracht habe, und vermutet, dass ein Piercing den Alarm ausgelöst habe. Die Folgen seien drastisch gewesen: ein sechsmonatiges Besuchsverbot. Für das Paar heißt das, dass die geplante Hochzeit vorerst aufgeschoben ist.
Tampon und Besuchsrecht: Wenn Menstruation zum Problem wird
Auch Caroline Hansen berichtet gegenüber „New York Focus“ von einer Situation, die sie als „entwürdigend“ erlebt habe. Gemeinsam mit ihrer Tochter wollte sie ihren Mann in der Eastern Correctional Facility besuchen. Körperscanner habe sie dort bereits früher passiert, erzählt sie – doch dieses Mal habe sie einen Tampon benutzt.
Als sie zum Scanner kam, hätten die Wärter die Maschine mehrfach laufen lassen, was ihr ungewöhnlich vorkam. Schließlich sei sie von einem Beamten in einen Hinterraum gebeten worden. Dort habe man sie befragt und verlangt, sowohl sie als auch ihr Auto zu durchsuchen. Auch ein Hund sei mehrfach an ihr eingesetzt worden. Die Erfahrung sei „entmenschlichend“ gewesen, sagt sie.
Um die Situation zu klären, habe sie angeboten, den Tampon zu entfernen und anschließend erneut durch den Scanner zu gehen. Laut ihrer Schilderung kontrollierten die Beamten die Toilette vor und nach ihrer Benutzung, erlaubten ihr dann aber, den Tampon zu entfernen und den Scan zu wiederholen. Der reguläre Besuch sei ihr danach dennoch verwehrt worden. Stattdessen sei der Termin zu einem kontaktlosen Besuch herabgestuft worden; sie habe mit ihrem Ehemann nur durch eine Glasscheibe sprechen dürfen.
13 Millionen Dollar Körperscanner: Technik mit Fehlalarmen?
„New York Focus“ zufolge führte DOCCS die Scanner-Politik kurz nach dem dreiwöchigen Streik der Vollzugsbeamten im März ein. Die Geräte gehörten demnach zu den Forderungen der Streikenden: Sie sollten Leibesvisitationen reduzieren und den Schmuggel von Drogen und anderen verbotenen Gegenständen eindämmen. Fast 13 Millionen Dollar kostete die Technik. Sie soll „Anomalien“ im Körper erkennen – also Auffälligkeiten, die auf versteckte Gegenstände hindeuten könnten. Laut dem Nachrichtenportal fallen darunter jedoch auch Menstruationsprodukte oder medizinische Geräte.
Die New York Civil Liberties Union (NYCLU) sieht darin ein strukturelles Problem. In einem Brief an die Behörde argumentiert sie, die Scan- und Besuchsprotokolle berücksichtigten zu wenig, dass Frauen menstruieren und entsprechende Produkte benötigen. Das könne einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gleichkommen.
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Auch politisch wächst der Druck. Senatorin Julia Salazar, Vorsitzende des Justizausschusses, sagt laut „New York Focus“, ihr Büro habe in den vergangenen Monaten rund 50 Beschwerden erhalten, weil DOCCS-Mitarbeiter Besuche „angeblich aufgrund von Körperscans“ verweigert hätten. Im Juni legte sie einen Gesetzentwurf vor, der Abweisungen oder die Einschränkung von Kontaktbesuchen wegen Periode oder Verhütungsmitteln untersagen würde. Sicherheitskompetenz dürfe, so Salazar, „nicht als Vorwand dienen, um Besuche willkürlich zu verweigern“.
Zugleich deutet der Blick über New York hinaus darauf hin, dass das Problem nicht nur in der lokalen Praxis liegt, sondern auch in den Grenzen der Technik selbst. Die unabhängige Nachrichtenorganisation verweist auf Berichte aus anderen Bundesstaaten, wonach sich auf Scans nicht zuverlässig unterscheiden lasse, ob eine Auffälligkeit von einem Tampon oder von Drogen stammt. DOCCS ging demnach in einer Stellungnahme nicht auf Anfragen nach Daten ein. Die Behörde verwaltet im Bundesstaat New York 44 staatliche Gefängnisse.














