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Handspiel bei Abstoß: Hansi Flicks richtige Schiedsrichter-Kritik | ABC-Z

Am Ende eines für ihn unerfreulichen Abends schickte Hansi Flick eine freundlich klingende Botschaft an einen Landsmann. „Er ist ein Deutscher. Danke an Deutschland“, sagte der Fußballtrainer des FC Barcelona. Doch der Gruß war vergiftet. Er galt Christian Dingert, dem Videoassistenten von Schiedsrichter Istvan Kovacs beim Viertelfinal-Hinspiel der Champions League, das Flicks Team 0:2 gegen Atlético Madrid verlor. Was Flick mit der Erwähnung von Dingerts Nationalität sagen wollte, blieb unklar.

Was Flick noch sagte, nicht: „Es ist für mich eine klare Gelb-Rote Karte und ein Elfmeter.“ In der 54. Minute spielte Atlético-Torwart Juan Musso einen Abstoß über wenige Meter zu Abwehrspieler Marc Pubill. Der stoppte den Ball mit der Hand auf der Linie des Torraums und spielte ihn mit dem Fuß zurück zu Musso. Einige Barcelona-Spieler protestierten, zahlreiche Fans pfiffen – Schiedsrichter Kovacs allerdings nicht.

Dabei sagt Regel 16 zum Abstoß: „Der Ball muss ruhig am Boden liegen und wird von einem beliebigen Punkt im Torraum von einem Spieler des verteidigenden Teams mit dem Fuß gespielt“, heißt es: „Der Ball ist im Spiel, wenn er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt hat.“ Dazu kommt Regel 12 zum Handspiel: „Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt.“ All das lag vor. Die Folge im Strafraum: Strafstoß. Eigentlich.

Es gibt einen Präzedenzfall vom April 2024: Im Champions-League-Viertelfinale des FC Bayern nahm Gabriel Magalhães den von Arsenal-Torwart David Raya gespielten Ball in die Hand. Schiedsrichter Glenn Nyberg pfiff nicht und sprach von einem „kid’s mistake“, einem Kinderfehler, den er auf dem Niveau nicht bestrafen wollte. Mildernd kam hinzu, dass Nyberg vor Rayas Spielen des Balles gepfiffen hatte, was Gabriel womöglich irritierte.

Dass eine Entscheidung für einen Strafstoß wie am Dienstag in Barcelona ausblieb, ist dennoch falsch. Das Argument, ein simples Missverständnis würde mit einem Elfmeter überhart und nicht im Sinne des Fußballs bestraft, darf nicht gelten. Schiedsrichter sind nicht dazu da, Fehler der Spieler durch Nachsicht auszubügeln.

Zumal die das Risiko gut kennen: Seit 2019 die heute gültige Abstoßregel eingeführt wurde, haben sich viele angepasst, um der Handspielfalle zu entgehen. Sie rollen oder werfen sich den Ball zunächst zu, damit deutlich ist: Der Abstoß, der nur mit dem Fuß erfolgen kann, ist noch nicht ausgeführt.

Dennoch passieren Handspiele bei Abstößen, auch auf höchstem Niveau – und wurden korrekt bestraft. In der Champions League nahm Aston Villas Tyrone Mings den Ball in Brügge in die Hand. Das Elfmetertor führte zur Niederlage. Schiedsrichter: Tobias Stieler – aus Deutschland.

Mit seiner zweiten Forderung aber liegt Flick falsch. Eine Gelbe Karte – und damit seine zweite im Spiel, die zu Gelb-Rot geführt hätte – müsste Pubill nicht sehen. Auch Mings wurde, abgesehen vom Strafstoß und der Schelte seines Trainers („Der größte Fehler, den ich in meiner Karriere erlebt habe“), nicht zusätzlich bestraft. Rot gibt es für die Vereitelung einer klaren Torchance, Gelb für die einer aussichtsreichen Chance. Beides lag nicht vor.

DSGVO Platzhalter

Schlechte Vorbilder gibt es, der Lerneffekt ist aber noch nicht bei allen eingetreten. Auch deswegen müssen Schiedsrichter konsequent sanktionieren. Denn die „kids“ sind Jahre nach der Regeländerung mittlerweile in einem Alter, in dem sie wissen müssen: Ihre Hände dürfen sie in einem Fußballspiel in der Regel nicht benutzen. Ihren Kopf schon.

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