Larissa Mühlhaus im DFB-Team: Erstes Länderspiel, erstes Tor – Sport | ABC-Z

Gewisse Bedenken hatte Christian Wück vor diesem ersten Länderspiel des Jahres durchaus gehabt. Auch, weil sich Klara Bühl wenige Tage zuvor verletzt hatte, ausgerechnet jene Fußballerin also, die beim deutschen Nationalteam verlässlich mit am gefährlichsten in der Offensive unterwegs war. Noch dazu hatte sich Selina Cerci angeschlagen abmelden müssen und fehlte ebenfalls auf dem Flügel. Aber vor allem befürchtete der Bundestrainer bei seinen Spielerinnen einen Abfall an Körperspannung bei diesem Auftakt in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027. Slowenien, das war erstmals seit Längerem wieder ein deutlich schwächerer Gegner. Und dass man sich als Favorit ganz schön blamieren kann, hatten die DFB-Männer von Julian Nagelsmann beim Start in ihre WM-Qualifikation gegen die Slowakei gezeigt.
Erst sah es auch danach aus, als müsste sich Wück diese Sorgen gar nicht machen. Aber nach zwei frühen Treffern schlich sich eine gewisse Schludrigkeit auf den Platz im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion und mischte sich erst bei den Abschlüssen ein, dann auch beim Verteidigen. Genau jene Unkonzentriertheiten, die sie doch hatten vermeiden wollten. Am Ende fiel der Sieg vor 19 169 Zuschauern mit 5:0 (2:0) dennoch so deutlich aus, wie er hatte ausfallen müssen. „Mir war wichtig, dass wir uns an unsere Identität halten“, sagte der Bundestrainer in der ARD. „Das haben wir hinbekommen. Aber wir haben auch noch eine Menge zu erledigen.“
:„Wir bringen die gleiche Qualität mit wie die Spanierinnen, nur auf andere Weise“
Christian Wück analysiert die Entwicklung des Nationalteams und wie es ihn verändert hat, Bundestrainer zu sein. Er spricht über die Kritik an seinem Kader, fehlende Effizienz und erklärt, wie der deutsche Frauenfußball stärker werden kann.
Vor dem Auftakt hatte der Bundestrainer im SZ-Interview gesagt, er werde „auf der einen oder anderen Position je nach Spielstand sicher etwas ausprobieren. Aber ich kann nicht groß experimentieren“. An seinem System änderte der 52-Jährige dann nichts, zu Umstellungen war er am Dienstagabend aber schon wegen der Ausfälle gezwungen. Im Vergleich zum verlorenen Finale der Nations League gegen Weltmeister Spanien im Dezember veränderte Wück seine Startelf auf vier Positionen. Statt Cerci und Bühl auf den Flügeln sowie Janina Minge in der Viererkette und Nicole Anyomi im Angriff begannen Verteidigerin Camilla Küver, Vivien Endemann auf außen, Shekiera Martinez im Sturm und Linda Dallmann. Letztere spielte auf der Zehn, Jule Brand rückte von dort auf den rechten Flügel.
Die Umstellung funktionierte, die Offensive zeigte sich flexibel, die Abstimmung im Mittelfeld war da – und auch wenn die Sloweninnen hoch pressten, geriet die deutsche Defensive nicht in Verlegenheit. In der sechsten Minute eroberte Sjoeke Nüsken im Zweikampf den Ball, passte schnell zu Dallmann, die auf Endemann weitergab. Und die 24-Jährige vom VfL Wolfsburg konnte all ihre Geschwindigkeit ausspielen bis zum 1:0 aus fünf Metern durch die Beine von Sloweniens Torhüterin Zala Mersnik. Fünf Minuten später täuschte Endemann links im Strafraum erst eine Flanke an, um doch auf Elisa Senß zu passen, schon war der Ball wieder drin.
Zur Pause stand Wück mit kritischem Blick hinter der Bande
Dieses Zusammenspiel hätte schon in der ersten Hälfte zu ein, zwei, drei weiteren Treffern führen müssen. Aber Endemann und Martinez fehlte es an Präzision. Den Funken Hoffnung bei den Sloweninnen, dass vielleicht doch was gehen könnte gegen die Favoritinnen, entzündeten die Deutschen höchstselbst durch den ein oder anderen Fehlpass und Nachlässigkeiten in der Defensive. In der 41. Minute kam Torhüterin Ann-Katrin Berger mit dem Fuß gerade noch an den Schuss von Zara Kramzar heran. Wück stand längst mit kritischem Blick hinter der Bande.
Ein 2:0 zur Pause reichte dem Bundestrainer offensichtlich dennoch, um weitere Spielerinnen auszuprobieren. Jule Brand sowie die beiden Außenverteidigerinnen Franziska Kett und Kapitänin Giulia Gwinn nahm er vom Platz. Dafür kamen Sarai Linder, Carlotta Wamser und Larissa Mühlhaus. Letzterer, hatte Wück vor der Partie gesagt, traue er zu, sein Abschlussproblem zu lösen – und die Stürmerin von Werder Bremen zeigte gleich zum Debüt, dass er damit richtig liegen könnte.
In der 48. Minute war es erst Dallmann, die abgeklärt zum 3:0 einschob, wieder durch die Beine von Mersnik. Fast hätte Dallmann direkt danach erneut getroffen. Doch dann gelang das Mühlhaus. Und zur Premiere durfte es schon etwas Besonderes sein: Im Fallen mit rechts erwischte sie einen abgeblockten Ball und donnerte ihn aus kurzer Distanz unter die Latte. Die Unkonzentriertheiten waren längst verflogen, und es passte zu diesem Abend, dass dann auch der eingewechselten Lea Schüller noch ein Treffer gelang; zuletzt hatte sie in einem Leistungstief festgehangen. Schüller, Endemann, Nüsken oder Mühlhaus standen bei weiteren Chancen entweder im Abseits, schossen knapp daneben oder auf die Keeperin. Das erinnerte an das altbekannte Problem mit der Effizienz. Wirklich schiefgegangen aber war an diesem Abend nichts.





















