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Münchens zweite Ami-Siedlung nahe der Panzerwiese ganz im Norden der Stadt bekommt 650 Neubauwohnungen. Was das für die bestehende Wohnanlage bedeutet und wer hier einmal einziehen darf… | ABC-Z

Beim Stichwort Ami-Siedlung denkt man in München an die Siedlung am Perlacher Forst, die in den 1950er-Jahren gebaut und bis in die 1990er-Jahre von den Mitgliedern der US Army bewohnt war.
Doch es gibt eine weitere Siedlung, die für die Unterbringung von US-Militärangehörigen und deren Familien erbaut wurde: die Wohnanlage München-Nord im Stadtteil Am Hart. Sie wurde ebenfalls in den 50ern in direkter Nachbarschaft zur damaligen Warner-Kaserne (heute Ernst-von-Bergmann-Kaserne) erbaut.

Schon Ende der 60er ging die Siedlung wieder an die Stadt

Anders als am Perlacher Forst zogen hier die Amerikaner schon 1968 ab, die Wohnanlage ging zurück an die Bundesrepublik und wird, wie auch Teile der Siedlung am Perlacher Forst, seit 2005 von der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verwaltet.
Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Wie am Perlacher Forst soll auch hier nachverdichtet werden.

Schon seit den 1990er-Jahren wird in der Siedlung umfassend saniert, bereits 1992 wurde der Beschluss zur Nachverdichtung gefasst. Im Bereich der Mortonstraße, nah an der Panzerwiese, verkaufte die Bima in den 2010er-Jahren einige Flurstücke an Investoren, einige der dortigen Doppelhäuser wurden abgerissen, andere standen lange leer.
2018, nach dem Berliner Wohnungsgipfel, entschied die Bima, ihren Münchner Wohnungsbestand zu behalten und selbst Wohnblocks zu bauen.

650 neue Wohnungen – bevorzugt für Bundesbedienstete

Nun plant die Bima, in der Siedlung an der Neuherberg- und Rockefellerstraße rund 650 neue Wohnungen zu schaffen. Diese werden dann vorrangig an Bundesbedienstete vergeben, wie etwa Bundespolizisten oder Soldatinnen, die so mit ihren Familien eine bezahlbare Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsortes erhalten, so die Bima. Damit trage man auch zur Entlastung angespannter Wohnungsmärkte bei. Eine Sprecherin erklärt außerdem auf AZ-Nachfrage: “Sollte es bei einer Wohnung keinen Bedarf im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes geben, bietet sie diese zu den gleichen Konditionen am freien Markt an.”

Architektenwettbewerb zur Gestaltung des neuen Quartiers

Für das Projekt gab es einen Realisierungswettbewerb, der jetzt entschieden ist. Der Siegerentwurf kommt vom Münchner Büro Bogevischs Buero Architektur und Stadtplanung GmbH mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus Freising, teilt die Bima mit.
Ihr Entwurf sehe ein “zukunftsweisendes Quartier“ vor, das sich an der vorhandenen Bebauung orientiere und durch eine klare und durchdachte städtebauliche Struktur überzeuge, so die Bima. Das Preisgericht habe in der Bewertung ein besonderes Augenmerk auf Wohnqualität und Umwelt- und Klimaschutz in der künftigen Siedlung gelegt.

“Ein wunderbares grünes Quartier”

Bogevischs Büro erklärt auf seiner Webseite, das bestehende Quartier sei “fast einmalig“. Trotz des autogerechten Städtebaus und der einfachen, sich wiederholenden Häuser sei das Quartier über die Jahre “zu einem wunderbaren grünen Quartier gewachsen“.
“Die Häuser und Ihre Anordnung sind absolut sekundär. Bäume und gemeinsam zu nutzende Freiflächen dominieren die Wahrnehmung. Hier nachzuverdichten und den Genius Loci dieses Ortes zu erhalten, kann nur mit feiner Klinge passieren.“ Der Ort solle daher in der vorhandenen Struktur bewahrt und weitergebaut werden, heißt es.

So verbindet in dem Entwurf ein zentraler, durchgehender Grünzug das Quartier und schafft attraktive Aufenthaltsflächen. Lebendiger Mittelpunkt der Siedlung soll ein eigener Stadtplatz werden.
Durch einen Mix verschiedener Wohnungstypen sollen die Bedürfnisse von Singles wie auch Familien berücksichtigt werden. “Der Siegerentwurf sieht eine gelungene räumliche Ordnung vor, die dem gesamten Quartier eine einladende und übersichtliche Atmosphäre verleiht“, heißt es von der Jury.

Nächster Schritt sind Baurecht und Genehmigungsphase

Damit die Siedlung möglichst schnell gebaut werden kann, setzt die Bima gezielt auf modulares und serielles Bauen, wie sie es auch in der Siedlung am Perlacher Forst bereits umsetzt (AZ berichtete).

Doris Schönberger-Rau, Referentin für Wohnraumentwicklung bei der Bima, hebt hervor: “Mit dem Siegerentwurf von Bogevischs Buero und Grabner Huber Lipp entsteht ein nachhaltiges Quartier, das den Bestand respektvoll integriert und neuen, bezahlbaren und modernen Wohnraum für München schafft. Wir freuen uns darauf, die Quartiersentwicklung nun Schritt für Schritt umzusetzen und so den Wohnungsmarkt aktiv zu entlasten.“
Für die Bima geht es in den nächsten Schritten nun an die Baurechtsschaffung, womit die intensive und detaillierte Planungs- und anschließend die Genehmigungsphase beginnt.

Wettbewerbskonzepte werden den Bürgern präsentiert

Die eingereichten Konzepte des Wettbewerbs sind auch öffentlich zu sehen: Die Ausstellung ist von Donnerstag, 22. Januar, bis Mittwoch, 28. Januar, im Kulturhaus Milbertshofen (Curt-Mezger-Platz 1), täglich zwischen 9 Uhr und 22 Uhr geöffnet.
Am Donnerstag, 29. Januar 2026, erläutern die Projektverantwortlichen gemeinsam mit den Planern die zentralen Aspekte des Siegerentwurfs: Die Veranstaltung findet ebenfalls im Kulturhaus Milbertshofen von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr statt.

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