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Bad Tölz-Wolfratshausen: Verfahrenslotsin für Kinder mit Beeinträchtigungen – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Kinder, die sich im Unterricht schlecht konzentrieren können, die an ADHS oder Rechenschwäche leiden, die körperliche oder geistige Behinderungen haben, stehen mit ihren Familien im Alltag vor besonderen Herausforderungen. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben sie nun eine Stelle, um Orientierung zu finden. Für das weite Feld der „Abweichungen vom Lebensalter-typischen Gesundheitszustand, die länger als sechs Monate bestehen oder mit großer Wahrscheinlichkeit eintreten“, gibt es neuerdings eine Ansprechpartnerin beim Amt für Jugend und Familie im Landratsamt: Seit Februar leitet Natascha Schmook als „Verfahrenslotsin“ Betroffene und deren Familien durch den Dschungel an Hilfeleistungen, Zuständigkeiten, Rechts- und Leistungsansprüchen.

Das neue Beratungsangebot richtet sich an junge Menschen bis zu einem Alter von 26 Jahren, ist kostenlos, unabhängig, vertraulich und auf Wunsch auch anonym. Das Ziel sei, Betroffene mit manifesten oder drohenden Beeinträchtigungen psychischer, körperlicher oder geistiger Art so zu unterstützen, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Denn Hilfen zu bekommen, oder überhaupt zu erfahren, was möglich wäre, ist oft eine Herausforderung.

Welches Amt ist zuständig? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Welche finanziellen Hilfen? Hat mein Kind Anspruch auf einen Fahrdienst zur Förderstätte? Gibt es Fachleute im Landkreis, die auf psychische Probleme von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind? Diese und andere Fragen können Betroffene nun mit Natascha Schmook klären. Die 28-jährige Soziologin arbeitete zuvor im Quartiersmanagement und in der offenen Jugendarbeit in Geretsried, seit Februar ist sie „Verfahrenslotsin“ beim Jugendamt.

Schmook hält das neue Angebot für dringend nötig. Denn es gebe zwar bereits wertvolle Beratungsstellen wie die „Ergänzende, unabhängige Teilhabeberatung“ in Bad Tölz oder den sozialen Dienst im Amt für Jugend und Familie. Aber wegen der Vielfältigkeit von möglichen Leistungen und Zuständigkeiten seien Familien oft sehr gefordert, müssten sich „durchtelefonieren“ und recherchieren, um passende Ansprechpartner zu finden. Mit der neu geschaffenen Stelle sei das einfacher. Betroffene könnten sie anrufen oder einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren. Das Angebot sei freiwillig, „Familien kommen auf mich zu.“ Anträge ausfüllen oder Diagnosestellung gehöre nicht zu ihren Aufgaben, macht Schmook klar. Sie verweise lediglich an die richtigen Stellen.

„Verfahrenslotsen“ wurden im Rahmen des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes eingeführt, das 2021 in Kraft getreten ist. Die Stellen sind bis 31. Dezember 2027 befristet, weil es Bestrebungen der Ampel-Koalition gab, den Dschungel zu lichten und die Zuständigkeiten bis 2028 bei den Jugendämtern zu bündeln. Nach dem Regierungswechsel habe sich dieser Prozess nun stark verzögert, „das muss jetzt wieder neu aufgestellt werden“, sagt Schmook. Bis Ende kommenden Jahres läuft ihr Vertrag aber auf jeden Fall. „Für junge Menschen und ihre Familien ist das eine gute Sache“, sagt sie.

Die Verfahrenslotsin Natascha Schmook ist zu den Sprechzeiten telefonisch unter 08041/50 56 92 erreichbar oder per E-Mail an verfahrenslotsen@lra-toelz.de.

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