News

Marktbericht: DAX erneut unter Druck | ABC-Z


marktbericht

Stand: 14.11.2025 16:08 Uhr

Der ersten Euphorie angesichts des beendeten US-Shutdowns folgt nun Ernüchterung. Denn der weitere Zinskurs der amerikanischen Notenbank ist unsicherer denn je – und Unsicherheit mögen Investoren gar nicht.

Wer nach den Verlusten des Vortages auf eine schnelle technische Gegenreaktion an der Börse gesetzt hat, muss heute ernüchtert sein. Denn der DAX verbucht den zweiten Verlusttag in Folge und hat seit dem gestrigen Tageshoch bei etwas über 24.400 Zählern in der Spitze schon über 700 Punkte verloren. Von Schnäppchenjägern jedenfalls (noch) keine Spur.

Der deutsche Leitindex lässt am Nachmittag allerdings sein Tagestief bei 23.609 Punkten hinter sich und verliert “nur noch” rund 1,1 Prozent bei knapp 23.800 Punkten. Der Index bleibt aber weiter unter der runden Marke von 24.000 Punkten. Auch der MDAX der mittelgroßen Wert gerät unter Druck und verliert am Nachmittag rund 1,5 Prozent.

Der Grund für den abrupten Stimmungswechsel liegt (mal wieder) in den USA. Zwar ist die längste Haushaltssperre in der US-Geschichte am Mittwoch zu Ende gegangen, wie es aber weiter geht, bereitet den Anlegern zunehmend Sorgen. Denn mit einem normalen wirtschaftlichen Datenkranz dürfte sobald nicht so rechnen sein, womit der Notenbank Federal Reserve derzeit die Basis für ihre weitere Zinspolitik fehlt.

Warnungen aus der Fed in dieser Richtung treffen dabei ins Herz der Börse, eine weitere Zinssenkung schon im Dezember erwarten immer weniger Marktteilnehmer. Was vor allem den hoch bewerteten Technologieaktien zu schaffen macht, werden doch deren extreme Börsenwerte aktuell sowieso immer kritischer hinterfragt.

“Die Euphorie über das Ende des Shutdowns in den USA ist vollständig verflogen, jetzt schwinden auch noch die Hoffnungen auf eine weitere Zinssenkung”, resümierte Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets.

All dem kann sich auch der DAX nicht entziehen, zumal es aus dem Unternehmenssektor zuletzt gemischte Signale gegeben hatte. Wie nervös die Anleger sind, zeigte gestern das Beispiel der Siemens-Aktie, die trotz Rekordzahlen einen tiefen Absturz erlebte und den ganzen DAX nach unten zog.

Ähnlich zuletzt die T-Aktie, die zuletzt über zehn Prozent eingebüßt hat. Der Bonner Konzern steht ganz im Zeichen der Entwicklung seiner US-Tochter T Mobile US, das heimische Geschäft wird kaum zur Kenntnis genommen. Auch eine rekordhohe Dividendenerhöhung auf 1,00 Euro hilft nur bedingt.

Aber es gibt beim Blick auf die Einzelwerte im DAX auch gute Nachrichten heute. Sowohl Siemens Energy als auch die Allianz profitieren gegen den schwachen Markttrend von ihren jüngsten Quartalsausblicken.

Siemens Energy schraubt nach einem Umsatz- und Gewinnsprung seine mittelfristigen Ziele erneut nach oben. Zudem zahlt der Energietechnikkonzern erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende in Höhe von 0,70 Euro. Die Papiere führen bei volatilem Handel mit einem Plus von rund 3,3 Prozent die Gewinnerliste im DAX an. Zwischenzeitlich legte der Kurs heute sogar über zehn Prozent zu.

Für Allianz-Aktien geht es um rund 1,4 Prozent nach oben. Der Versicherungskonzern wird nach einer deutlichen Gewinnsteigerung in den ersten neun Monaten für 2025 optimistischer. Das operative Ergebnis werde mit “hoher Wahrscheinlichkeit” bei 17 bis 17,5 Milliarden Euro liegen.

Wie andere Versicherer profitierte die Allianz im Sommer von ungewöhnlich geringen Katastrophenschäden. Analysten lobten den Zwischenbericht der Münchener. Thorsten Wenzel von der DZ Bank sagte, die Allianz habe “ein ausgezeichnetes Ergebnis berichtet”. Die Ergebnisse seien stark, schrieb auch Kamran Hossain von JPMorgan. Seit Jahresbeginn haben die Allianz-Papiere ein Viertel dazugewonnen.

Auch an der Wall Street geht es zum Wochenschluss weiter bergab. Alle großen Indizes geben nach und verlieren dabei in den ersten Handelsminuten rund ein Prozent.

“Die Euphorie über das Ende des Shutdowns in den USA ist vollständig verflogen, jetzt schwinden auch noch die Hoffnungen auf eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank”, kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Besonders zinssensible Technologiewerte dürften vor diesem Hintergrund wenig gefragt bleiben. Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater beobachtete eine Rotation vom Tech-Sektor in defensive Sektoren.

Google muss dem deutschen Preisvergleichsportal Idealo wegen Kartellverstößen rund 465 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Das hat das Landgericht Berlin entschieden. Die mehrheitlich zum Medienkonzern Axel Springer gehörende Preisvergleichsmaschine hatte Google vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschine über Jahre hinweg missbraucht zu haben.

Back to top button