Dem Schauspieler Richy Müller zum Siebzigsten | ABC-Z

Jemand, der Richy heißt, altert nicht so schnell. Jemand, der Richy nicht deswegen heißt, weil es die Koseform von Richard wäre, altert noch langsamer. Denn er trägt seinen Vornamen, seit er einmal einen Richy spielte. Der bleibt ewig jung.
Richy Müller ist ein Mannheimer aus der Neckarstadt, man hört es ihm heute noch an. Er war gelernter Werkzeugmacher, ging danach verwegenerweise an die Schauspielschule in Bochum. Dort wurde er nach zwei Jahren rausgeworfen, weil er sich vor eine attackierte Mitschülerin stellte. Für „Die große Flatter“, den 1979 gedrehten Fernseh-Dreiteiler des WDR über ein jugendliches Halbstarken- und Kleinganovenpaar in Berlin, nahmen sie ihn, und er hatte die Hauptrolle, Richy eben. Er spielte mit Hanna Schygulla, Günter Lamprecht, Hermann Lause, Gottfried John und Ernst Jacobi. Höher hinauf konnte ein Debütant gar nicht steigen. Fast dreißig Millionen sahen den Film.
Die Rollenangebote galten Richy
Der Rollenname blieb hängen, die nächsten Rollenangebote galten Richy. Für die Behauptung allerdings, er habe aus Überdruss daran, immer den Richy geben zu sollen, fünfzehn Jahre lang fast nur Theater – an der Freien Volksbühne Berlin und im Schauspiel Frankfurt – gespielt, liefert seine Filmographie nur zögerlich Belege. Neun Kinofilme und zahlreiche Fernsehauftritte, oft in Krimis, stehen in dieser Zeit dort zu Buche.
Richy Müllers Rollen waren junge harte Burschen, gern an der Seite von Jürgen Vogel, dessen raubeiniger Konkurrent um „Die Apothekerin“ (maliziös gespielt von der schönen Katja Riemann) er 1997 war. Zusammen mit Vogel trat er 1999 als ekelhafter Geiselnehmer in „Das große Ding“ auf. Bei seinem Kurzausflug nach Hollywood spielte er 2002 in einem Film mit dem denkbar absurden Titel „xXx – Triple X“ einen tschechischen Polizisten. Das blieb eine Episode, der bodenständige Müller ließ sich nicht verpflanzen. Dass er später die Bäckerin in einem Nachbarort am Chiemsee geheiratet hat und mit ihr glücklich ist, sagt alles über sein Verhältnis zum Mondänen.
Seinen ersten „Tatort“ als Kommissar Thorsten Lannert aus Stuttgart drehte er 2008. Im Habitus maximal unschwäbisch, fährt er, der selbst Tourenwagen steuerte, dort genau den braun lackierten Porsche – „Sie fahren ihn als wär’s ihr eigener“ –, den Jürgen Vogel in „Die Apothekerin“ mit Heidelberger Kennzeichen fuhr. Seit wir einmal Spaghetti in Berlin für ihn gekocht haben, schauen wir jede Folge. Hinreißend war sein Auftritt als unter Drogen stehender Fahnder in „Die Nacht der Kommissare“. Die Nummer mit den harten Sichdurchsetzern und Verlierern hat er längst abgelegt. Geblieben ist der Schauspieler des common sense. Heute wird Richy Müller siebzig Jahre alt, aber das glaubt uns niemand.




















