Kultur

„Charm Thai Cuisine“ in Wiesbaden: Tom Kha und Yam Nuea im Souterrain | ABC-Z

Das Versprechen der Authentizität wird in der Gastronomie oft gegeben. Vor allem wenn es um die Küchen anderer Länder geht. Wer zum Peruaner, Vietnamesen, Libanesen oder Inder geht, der will im Idealfall so essen wie in Lima, Hanoi, Beirut und Mumbai gespeist wird. Und darum werben so viele Gastronomen, die hierzulande Gerichte aus ihrer Heimat oder der Heimat ihrer Eltern oder Großeltern anbieten, mit der Authentizität ihres Angebotes – und der Gast erwartet echten, unverfälschten und ehrlichen Genuss.

Allein: So einfach ist das nicht. Mexikaner und Koreaner etwa scheitern am authentischen Anspruch spätestens, wenn es um die Schärfe ihrer Speisen geht. Und für Köche aus anderen Weltregionen wie Südamerika, Afrika oder Fernost ist es auch in Zeiten der Globalisierung oft schwer, hierzulande die exotischen Zutaten für ihre Speisen zu bekommen. Ja, und manche regionale Tradition bleibt schon deshalb unter der Wahrnehmungsschwelle, weil die eine oder andere Speise schlicht zu ungewöhnlich oder sogar tabuisiert ist.

Kein Kitsch, keine Schnörkel: der Gastraum des Restaurants „Charm Thai“ in WiesbadenWonge Bergmann

Die Thaiküche hat dieses Problem sicher nicht. Sie gehört zu den beliebtesten Fremdküchen der Deutschen. Das Pro­blem der Authentizität hat aber auch sie. Legendär für ihre enorme Vielfältigkeit entzieht sie sich einfach für die meisten Gäste einer entsprechenden Beurteilung. Wer weiß schon, nach was und wie der Papayasalat im Nordosten Thailands schmecken sollte oder welche Zutaten im äußersten südwestlichen Zipfel des Landes ins traditionelle Garnelencurry kommen?

Der normale Gast hat ja schon Mühe, sich in den unglaublich umfangreichen Karten der meisten Thairestaurants zurechtzufinden und für ein oder zwei Gerichte zu entscheiden. Das ist im „Charm Thai Cuisine“ in Wiesbaden nicht anders als in den vielen anderen Lokalen dieser Art landauf, landab. Mehr als 70 Gerichte stehen in dem vor ein paar Monaten im Souterrain eines Gründerzeithauses an der Ecke von Kaiser-Friedrich-Ring und Gutenbergplatz eröffneten Restaurant auf der Karte. Weil die Gäste aber viele Grundvarianten, etwa bei den Wokgerichten, den Suppen und den Currys, nach Gusto mit den Hauptzutaten Gemüse, Tofu, Hühnchen, Rind, Garnelen und Ente kombinieren können, gibt es tatsächlich eine fast unüberschaubare Zahl an Möglichkeiten, sich in dem angenehm schlicht eingerichteten Gastraum satt zu essen.

Vorspeise Thung Thing: knusprige Teigtaschen, gefüllt mit gewürztem Hähnchenfleisch und Gemüse mit süß-saurer Sauce
Vorspeise Thung Thing: knusprige Teigtaschen, gefüllt mit gewürztem Hähnchenfleisch und Gemüse mit süß-saurer SauceWonge Bergmann

Ob all das, was auf der Karte angeboten und von dem sehr zugewandten, familiären Service an die Tische gebracht wird, wirklich durch und durch authentisch ist, können die Gäste kaum beurteilen. Müssen sie aber auch nicht. Denn dass sie mögen, was ihnen da in kleinen und großen Schalen und auf vielen unterschiedlichen Tellern serviert wird, ist nicht zu übersehen. Schon wenige Wochen, nachdem das „Charm Thai“-Team seine Arbeit in den Räumen eines über viele Jahre sehr populären portugiesischen Restaurants aufgenommen hatte, hatte es sich eine ansehnliche Schar von Stammkunden erkocht.

Die haben alle sicher unterschiedliche Favoriten, auf jeden Fall zu empfehlen sind aber die knusprigen Teigtaschen mit Hühnchenfüllung (Thung Thong, 7,50 Euro), die klassische Kokossuppe mit Garnelen (Tom Kha, 9,90 Euro), der leicht scharfe Rindfleischsalat mit Koriander, Limette, Chili und Fischsoße (Yam Nuea, 15,90 Euro), der knusprige Schweinebauch mit Brokkoli in intensivem Sojasud (Pad Brokkoli Moo Grob, 20,50 Euro) und vor allem die Spezialität des Hauses: das aus Nordthailand stammende Nudelgericht Kaow Soi, das wahlweise mit Tofu, Hühnchen oder Rindfleischstreifen serviert wird (15,90 bis 19,80 Euro).

An der kleinen Theke vor dem Durchgang zur Küche wird dazu auch eine erstaunlich große Anzahl von Cocktails gemixt. Wer statt Bier oder Wein einmal einen Drink mit Saneha-Gin aus Phuket oder mit vollmundigem Phraya-Rum probieren möchte, der dürfte das nicht bereuen. So machen es die Thailänder in der Heimat schließlich auch.

Charm Thai Cuisine Kaiser-Friedrich-Ring 73, Wiesbaden, Telefon 06 11 / 20 55 14 28. Geöffnet dienstags bis donnerstags von 12 bis 15 Uhr und von 18 bis 22 Uhr, freitags bis 23 Uhr, samstags nur von 18 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 21 Uhr.

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