Syrien schließt berüchtigtes Lager für IS-Familien al-Hol | ABC-Z

Im Nordosten Syriens liegt das berüchtigte Lager al-Hol, in dem vor allem die Familien von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat interniert waren. Zehntausende Frauen und Kinder lebten dort an der Grenze zum Irak auf engstem Raum: ein perfekter Nährboden für Extremismus. Nun gab die syrische Regierung bekannt, das Lager endgültig schließen zu wollen. Alle verbliebenen Insassen waren bereits zuvor verlegt worden.
„Die syrischen und nicht-syrischen Familien wurden umgesiedelt“, teilte ein von der syrischen Regierung mit der Verwaltung des Lagers im Nordosten Syriens beauftragter Beamter, Fadi al-Kassem, der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag mit. Die Sicherheitskräfte führten derzeit letzte Kontrollen der Zelte im Lager durch, erklärte al-Kassem.
Die Lagerbewohner, die „Hilfe für ihre Wiedereingliederung“ in die Gesellschaft benötigten, seien in ein Lager in Achtarin im Norden der Provinz Aleppo und an andere Orte gebracht worden. Aus Kreisen einer Menschenrechtsorganisation verlautete, es seien „alle im Lager arbeitenden Teams evakuiert und die Ausrüstung abgebaut“ worden.
Syrien: Mehr als 6000 Ausländer lebten im Lager für Familien von IS-Kämpfern
Das Lager Al-Hol in der syrischen Provinz Hasakeh war bislang das größte Lager für Familien von IS-Kämpfern in der Region. Zuletzt lebten dort etwa 24.000 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Zu den Insassen zählten etwa 15.000 Syrer, mehrere Tausend Iraker und mehr als 6000 Ausländer aus rund 40 anderen Ländern.

Eine Luftaufnahme des Lagers al-Hol.
© Moawia Atrash/dpa | Moawia Atrash
Das Lager war von kurdischen Militärkräften eingerichtet worden, die den Kampf gegen den IS in Syrien angeführt hatten und dabei von einer internationalen Militärkoalition unter Führung der USA unterstützt worden waren. Nach dem militärischen Sieg über den IS im Jahr 2019 wurden Angehörige von IS-Kämpfern aus Sicherheitsgründen in den Lagern wie al-Hol isoliert. Auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit waren dort untergebracht.
Al-Hol gilt seit Jahren als hochriskant. Das Lager galt durch seine Isolation als ein Nährboden für die Ideologie des Islamischen Staats. Bewohner lebten nach eigenen Aussagen in einer Art rechtsfreiem Raum. Der IS soll weiterhin starken Einfluss auf die Bewohner ausgeübt haben.
Syrische Regierung übernahm von Kurdenmiliz Kontrolle über Lager
Wegen einer Offensive syrischer Regierungstruppen im bisherigen kurdischen Autonomiegebiet im Nordosten Syriens zogen sich aber die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) im Januar aus Al-Hol zurück. Die syrische Regierung übernahm daraufhin die Kontrolle über das Lager. Das Lager ist offiziell kein Gefängnis, wird von Bewohnern aber oft als ein solches beschrieben. Freiwillige Ausreisen waren nicht möglich.
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Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte konnten im Zuge der Übernahme des Lagers durch Kräfte der Übergangsregierung Tausende Menschen fliehen. Einige seien auf eigene Faust entkommen, anderen seien von mit der Regierung verbündeten Milizen bei der Flucht unterstützt worden, sagte Direktor Rami Abdel-Rahman der Deutschen Presse-Agentur. In den vergangenen Wochen sollen zudem Angehörige der Bewohner und Schmuggler den Menschen bei der Flucht geholfen haben. Auch die Beobachtungsstelle bestätigte, dass das Lager geschlossen werden soll.
Nach dem Einrücken der syrischen Regierungstruppen in das bisherige kurdische Autonomiegebiet begann das US-Militär seinerseits mit der Verlegung von IS-Gefangenen in den Irak. Damit soll das Risiko vermieden werden, dass die IS-Kämpfer flüchten können.
os/afp/dpa





















