Alle Toten nach Brand in Crans-Montana identifiziert | ABC-Z

Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana haben die Behörden inzwischen alle 40 Toten identifizieren können. Das teilte die Kantonspolizei Wallis am Sonntagabend mit. Unter den Toten befinden sich 21 Schweizerinnen und Schweizer, neun Franzosen, sechs Italiener, eine Belgierin, eine Portugiesin, ein Rumäne und ein Türke. Die Opfer wurden zwischen 14 und 39 Jahre alt, 20 von ihnen waren minderjährig. Über deutsche Opfer ist weiterhin nichts bekannt.
Das Feuer war in der Bar „Le Constellation“ ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Silvesternacht ins neue Jahr feierten. Neben den 40 Toten sind 119 weitere Menschen verletzt worden.
Am Samstag hatte die Schweizer Justiz Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar aufgenommen. Erste Untersuchungen hätten „zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit. Gegen die Barbetreiber werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Nach ersten Erkenntnissen war Schaumstoff an der Decke durch funkensprühende Partyfontänen an Champagnerflaschen in Brand geraten. Das Feuer hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet.
Viele Familien bangen um ihre vermissten Kinder
Derweil teilte die Gemeinde Crans-Montana laut Medienberichten mit, der Gemeinderat habe am Samstag einstimmig beschlossen, sich als Nebenklägerin an dem von den Strafverfolgungsbehörden eingeleiteten Verfahren zu beteiligen. Eine Zivilklage sei eingereicht worden. Zudem werde sie der Staatsanwaltschaft alle verfügbaren Unterlagen zum Brand in der Bar übergeben, hieß es.
Mehrere Patienten sind inzwischen in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken in Deutschland verlegt worden. Die Schweiz hat nicht genügend Kapazitäten, um alle Verletzte langfristig zu behandeln und Plätze für 50 Patientinnen und Patienten überwiegend in Nachbarländern angefragt. Unter anderem werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim behandelt. Weitere Kliniken haben Aufnahmeplätze zugesagt.
Der Opfer soll am 9. Januar mit einer Gedenkfeier und einem nationalen Trauertag gedacht werden. Die offizielle Gedenkfeier in dem Nobelskiort im Kanton Wallis kündigte die Gemeinde auf ihrer Homepage an. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sagte dem „Tagesanzeiger“, er werde dabei sein. Parmelin teilte mit, für den Freitag sei zudem ein nationaler Trauertag geplant.
„Persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken“
Um 14.00 Uhr – zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana – sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte. „In diesem Moment der Stille können alle Menschen in der Schweiz – und weltweit – persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken.“
Im Zentrum des Skiorts Crans-Montana hatten sich am Samstag immer wieder Menschen nahe dem Unglücksort versammelt und Blumen, Briefe, Kerzen und Plüschtiere als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien niedergelegt. Der Schock über die „unermessliche Tragödie“ sitze tief, sagte der Schweizer Justizminister Beat Jans bei einem Besuch am Unglücksort. Die Justiz werde alles tun, um die Verantwortung für die Katastrophe zu klären.
Für die Opfer sind in den kommenden Tagen mehrere Gedenkfeiern geplant. Am späten Samstagabend war die Kirche von Crans-Montana während eines Gedenkgottesdienstes mit Menschen aller Altersgruppen gefüllt. Am Sonntag wurde ein Schweigemarsch zur Bar „Le Constellation“ nach dem Gottesdienst abgehalten. Im Internet boten unterdessen zahlreiche Menschen den Familien der Opfer sowie Mitgliedern der Rettungskräfte Unterkünfte oder andere Unterstützung an.





















