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Studie: Junge Menschen fühlen sich so einsam wie noch nie – Bayern | ABC-Z

Keine Generation hat mehr Möglichkeiten, nicht einsam zu sein und trotzdem fühlt sich gerade niemand so einsam wie die GenZ. Diese Generation umfasst junge Erwachsene im Alter von 19 bis 29 Jahren. Ihre Einsamkeit ist auf einem historischen Hoch. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Jugendtrendstudie des Instituts für Generationenforschung in Augsburg in Zusammenarbeit mit der Uni Augsburg. Für die repräsentative Untersuchung wurden fast 5000 Menschen befragt.

Eine Abweichung sticht heraus. In Bayern ist die Einsamkeit der Studie zufolge von allen Bundesländern mit Abstand am niedrigsten. Rüdiger Maas, der Leiter der Studie, liefert einen möglichen Erklärungsansatz. In Bayern seien sich die Leute ein bisschen einiger. „In Bayern gibt es eher das Gefühl: Wir sind Bayern“, sagt Maas. Die Menschen gingen dann mit einer Grundsicherheit in soziale Medien und seien weniger anfällig für Spaltungen. In anderen Bundesländern sei die Identifikation mit dem eigenen Bundesland geringer.

Klar ist: Die Nutzung von Social Media beeinflusst das Gefühl von Einsamkeit. Wer sehr lange auf sozialen Netzwerken unterwegs ist, hat dem Generationenforscher zufolge oft das Gefühl, isoliert und einsam zu sein. Social Media schaffe keine neuen sozialen Kontakte, sondern eher das Gegenteil. Wer viel Zeit in der analogen Welt verbringt und Freunde hat, der nutzt laut Maas soziale Medien anders. „Diese Menschen lassen sich weniger stark treiben und haben eher die Möglichkeit, bestimmte Beiträge einzuordnen.“

Jugendliche verbringen teilweise bis zu zehn Stunden am Tag in sozialen Netzwerken. Wer dann noch schläft und in die Schule muss, hat schlichtweg keine Zeit für Freunde übrig. Trotzdem klagt die GenZ der Studie zufolge am häufigsten über eine „leere soziale Batterie“. Social-Media-Plattformen seien bewusst darauf ausgelegt, Nutzer süchtig zu machen. Maas erklärt, dass Tiktok, Instagram oder Youtube mit Designelementen dafür sorgen, dass Nutzer ihr Zeitgefühl verlieren und länger bleiben als ursprünglich geplant.

Maas hält daher ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren für notwendig. „Die Generation Z ist mit Abstand die einsamste Generation und wird das auch bleiben, wenn wir nicht gegensteuern“, sagt er. Die Studie zeige, dass auch junge Menschen die Einschränkung für sinnvoll halten. Wenn soziale Netzwerke für alle anderen Gleichaltrigen tabu wären, hätten Jugendliche nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Für die nächsten Generationen wäre es dann völlig normal, Social Media erst mit 16 Jahren zu nutzen.

Soziale Medien verstärken auch Ängste bei jungen Leuten, sagt Generationenforscher Maas. „Wenn ich zehn Stunden am Tag Negatives auf Tiktok konsumiere, schafft es mein Gehirn gar nicht mehr, das auszugleichen.“ Diese Verhalten nennt sich Doomscrolling. Negative Informationen seien außerdem nicht gleichwertig wie positive. Für eine Stunde negativer Videos bräuchte es die doppelte Menge positiver Inhalte zum Ausgleich. Jugendliche können sich zwar nicht alle Inhalte merken, aber ein unwohles Gefühl bleibe trotzdem zurück.

Je größer die Ängste, desto häufiger wählen junge Menschen Parteien mit extremen Positionen

Dass die Ängste unter jungen Menschen immer größer werden, liegt aber laut Maas auch an Eltern und Erwachsenen. Sie reden die Zukunft der Jungen schlecht: „Du wirst keine Rente mehr haben, das Klima wird so heiß und alles geht den Bach runter. Wir haben nur ganz wenig erwachsene Menschen, die den Jungen Hoffnung machen“, erklärt er.

Ängste beeinflussen zudem das Wahlverhalten junger Erwachsener, so Maas. Je größer die Ängste, desto höher die Chance, dass Frauen die Linke oder Männer die AfD wählen. Bei Männern ist laut dem Generationenforscher die Angst vor einem finanziellen Abstieg schuld. Bei Frauen seien Themen wie Feminismus oder der Kampf gegen den Rechtsruck entscheidend. Grundsätzlich war die Spaltung zwischen jungen Menschen noch nie so hoch wie heute, folgern die Forscher. Trotzdem ordne sich ein Großteil der Jungen in der politischen Mitte ein. Wobei die Studie belegt, dass junge Menschen politisch links und rechts nicht mehr richtig zuordnen können.

Frauen und Männer sind den Untersuchungen zufolge unterschiedlich von Einsamkeit betroffen. Weniger Frauen fühlen sich einsam. Sie empfinden Einsamkeit anders als Männer, sagt Maas. „Männer denken beispielsweise: ich habe nur drei Freunde, ich bräuchte eigentlich zehn.“ Hinzu komme, dass Männern mittlerweile ein vernünftiges Rollenbild fehle. Junge Männer können sich auch eher eine Künstliche Intelligenz (KI) als Freund vorstellen als Frauen, zeigt die Studie.

Generationenforscher Maas fordert, Geld in Freizeitaktivitäten zu stecken anstatt in Digitalisierung. Junge Menschen bräuchten mehr Gelegenheiten sich in der realen Welt zu treffen. So lehne aktuell ein überwiegender Teil der jungen Menschen Ausgehen in Bars oder Clubs ab, heißt es in der Studie. Sie haben Angst vor K.-o.-Tropfen, Missbrauch und Aggressivität. Eine mögliche Lösung für Maas: Clubs, in denen sich Junge wieder sicher fühlen.

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