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Studentenstadt: Bewohner fordern Sanierung gegen katastrophale Wohnbedingungen | ABC-Z

Toni Hörterer zieht mit einem Ruck schwarzes Panzertape um eine weiße Archivbox. Ein Kommilitone hält den Karton fest. Er ist schwer: Darin liegen rund 2000 ausgedruckte Fotos. Über 900 Schäden haben Bewohner der Studentenstadt dokumentiert – und wollen sie an diesem Mittwochmittag dem Studierendenwerk (Stuwerk) übergeben.

Katastrophale Zustände in der Studentenstadt

Schimmel in Duschen und Kühlschränken, bröckelnder Putz, herabhängende Kabel: Viele Gemeinschaftsflächen wirken heruntergekommen – auch in Häusern, die erst vor wenigen Jahren saniert wurden. “In meinem Bad habe ich trotz Kernsanierung einen Wasserschaden. In Haus 6 tropft es wieder durch die Decke”, sagt Hörterer. Die Zustände seien teils unzumutbar. Der 21-jährige Informatikstudent lebt im “Blauen Haus”, das im Mai 2023 mit 246 neuen Wohnplätzen eröffnet wurde (AZ berichtete).

Ein Wasserschaden im Badezimmer.
© Toni Hörterer
Ein Wasserschaden im Badezimmer.

von Toni Hörterer

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Die Studentenstadt ist Deutschlands größte Studentensiedlung. In 14 Häusern wäre Platz für rund 2400 Studierende. Wegen laufender und geplanter Sanierungen stehen derzeit jedoch nur etwa 1000 Zimmer zur Verfügung.“Keiner kümmert sich nachhaltig um die Häuser”, sagt Hörterer. “Eigentlich sollten wir darum kämpfen, dass neue Wohnplätze geschaffen werden, aber das Studierendenwerk bekommt es nicht mal hin, die bestehenden Wohnplätze zu halten.”

Hier möchte man ungern duschen.
Hier möchte man ungern duschen.
© Toni Hörterer
Hier möchte man ungern duschen.

von Toni Hörterer

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Auch Simon Schaub (24) wohnt in der Studentenstadt. Er studiert Informatik und Philosophie. “Es ist eklig, so zu leben. Wenn man Leute einlädt, ist es sehr skurril”, erzählt er.

Übergabe und Forderungen

Am Mittwoch übergeben die Bewohner die Fotos und einen offenen Brief. Sie fordern schnelle Reparaturen und kündigen eine Mietminderung an, falls sich bis 18. Februar nichts ändert. Außerdem verlangen sie Maßnahmen für mehr Gemeinschaftsleben und ein neues Wohnheimkonzept – weg vom reinen “Schlafstadt-Modell”. Dazu gehört auch eine Änderung der Trägerschaft: Die Studentenstadt möchte sich langfristig vom Studierendenwerk lösen.

Toni Hörterer (l.) und Simon Schaub wohnen beide in der Studentenstadt. Die Zustände dort seien zum Teil unzumutbar.
Toni Hörterer (l.) und Simon Schaub wohnen beide in der Studentenstadt. Die Zustände dort seien zum Teil unzumutbar.
© Daniel Loeper
Toni Hörterer (l.) und Simon Schaub wohnen beide in der Studentenstadt. Die Zustände dort seien zum Teil unzumutbar.

von Daniel Loeper

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Schaub verweist auf Vorbilder wie die Cité Internationale in Paris oder das College-System in Oxford und Cambridge. Dort tragen einzelne Träger direkte Verantwortung für ihre Häuser. “Das Konzept des Studentenwerks ist eher: Man soll nur studieren, nicht in irgendeiner Weise tätig werden. Das entspricht nicht unserem Konzept einer innovativen Gesellschaft”, sagt er.

Das Ziel sei ein nachhaltiges Modell, sagt Hörterer: “Im besten Fall werden die Schäden behoben und wir können ins Gespräch gehen mit der Staatsregierung und dem Studierendenwerk, damit es in 15 Jahren nicht wieder so aussieht.”

Der Putz blättert von der Decke eines Balkons ab.
Der Putz blättert von der Decke eines Balkons ab.
© Toni Hörterer
Der Putz blättert von der Decke eines Balkons ab.

von Toni Hörterer

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Das sagt das Studierendenwerk

Mit schwarzem Edding schreibt Simon Schaub die Adresse der Geschäftsführung auf den Karton. Drinnen nimmt eine blonde Mitarbeiterin mit kurzen Haaren und Brille die Box entgegen. Zu sprechen sei niemand, sagt sie.

Auf AZ-Anfrage teilt das Stuwerk mit, die Unterlagen müssten zunächst geprüft werden. Eine inhaltliche Bewertung sei noch nicht möglich. Zudem gehe man davon aus, dass die Forderungen nur “die Meinung einzelner Bewohnerinnen und Bewohner” widerspiegelten.

Gemeldete Mängel würden grundsätzlich behoben, der Erhalt der Räume liege jedoch nicht nur beim Stuwerk. Vielmehr sei “es Pflicht der Mieter durch ordentliches Putzen, angemessenes Lüftungs- und Heizverhalten sowie Melden von Schäden zum Erhalt der Wohnplätze beizutragen”.

Von 1.411 Wohnplätzen stünden aktuell 375 sanierungsbedingt leer. Seit 2015 seien sieben Gebäude saniert oder in Sanierung, zwei weitere Häuser mit über 1000 Wohnplätzen seien 2024 an die BayernHeim übergegangen, eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft.

“Das war viel Arbeit”, sagt Schaub nach der Übergabe. “Aber der größte Teil ist geschafft.” Jetzt kehren die Studierenden wieder an ihre Schreibtische zurück – die Klausurenphase läuft bereits.

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