Streit um Münchner Eisbachwelle: Surfer senden Botschaft an neuen OB Dominik Krause und setzen sich über Surfverbot hinweg – München | ABC-Z

Die Surfszene bemüht sich, den Druck auf die Münchner Politik und die Verwaltungsbehörden der Stadt aufrechtzuerhalten. Am Donnerstagmorgen wurde ein Wahlplakat des designierten Oberbürgermeisters Dominik Krause (Grüne) neben einem Surfbrett auf der Brücke am Eisbach platziert. Der Aufkleber auf dem Plakat, mit dem Krause sich bei seinen Unterstützern bedankt, wurde mit der Aufschrift „Gern …“ versehen, auf dem daneben platzierten Surfboard steht „… jetzt Sie“. Beide Gegenstände wurden mit einem Schloss am Brückengeländer festgekettet.
Am Osterwochenende setzten sich mehrere Surfer über das bestehende Verbot hinweg. Offenbar war erneut ein nicht genehmigter Einbau in den Kanal eingebracht worden, der eine Welle entstehen ließ. Am Ostersonntagmorgen war das Surfen auf einem Teil der Welle allerdings auch ohne diesen möglich.
Am Surfspot am Eisbach formt sich seit einer Flusssäuberung Ende Oktober 2025 keine dauerhafte Welle mehr. Bisher waren alle Versuche erfolglos, die Welle wiederherzustellen. Krause führt die OB-Geschäfte wegen einer Erkrankung von Dieter Reiter (SPD) aktuell interimistisch, am 1. Mai wird er formal in sein neues Amt eingeführt.
In einem Radiointerview hatte Krause Anfang der Woche erklärt, er stehe in einem „guten Austausch“ mit der Surf-Community, und die Verwaltung arbeite „intensiv“ daran, die Welle bis spätestens zu den Sommerferien im August wieder freigeben zu können. Dieser Darstellung widersprach der Surf Club München am Mittwoch. „Verfahren werden verzögert, Versuche verhindert und Anforderungen kontinuierlich verschärft“, so der Club in einer insgesamt fünfseitigen Mitteilung.
Der Vorwurf: Bei dem, was sich derzeit am Eisbach abspiele, handele es sich „um eine Abfolge zunehmend unverhältnismäßiger und intransparenter Maßnahmen, begleitet von Überwachung, Verzögerung und politischer Verantwortungslosigkeit“. Der Surf Club München ist neben der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) der zweite Verein, über den die Stadt den Dialog in die Szene unterhält.
Auf das Bekanntwerden der detaillierten Protokolle des Sicherheitsdienstes, der von Juli bis November 2025 das Geschehen am Eisbach beobachtete, reagierte der Surf Club ebenfalls. Die SZ hatte die Existenz der mehr als 450 Seiten am Dienstag publik gemacht. Der Surf Club wertet die Beobachtung durch die von der Stadt beauftragten Aufseher als einen „erheblichen Eingriff in die Privatsphäre“ und betrachtet diesen als „politisch wie rechtlich hoch problematisch“.
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:Die Akte Eisbach
Nach dem tödlichen Unfall einer 33-Jährigen ließ die Stadt die Surfer monatelang beobachten. Der SZ liegen 450 Seiten Protokolle vor. Sie zeigen, wie akribisch die Kontrolleure vorgingen – und dass es häufiger als bislang bekannt zu schweren Verletzungen kommt.
Zugleich zweifelt er die Belastbarkeit der in den Protokollen aufgeführten Zahl an Verletzungen an. In den Berichten sind sechs Sportunfälle aufgeführt, bei denen der Rettungsdienst gerufen wurde. Hierbei, so die Surfer-Vertretung, sei „nicht eindeutig belegt, dass es sich bei den gemeldeten Verletzungen tatsächlich um Surfer handelt“: „Nachweislich wurden auch verletzte Schwimmer und sogar Besucher des Englischen Gartens durch den Sicherheitsdienst erfasst.“
Der Bayerische Wellenreiterverband reagierte ebenfalls auf die Veröffentlichung der Protokolle. Auf Instagram verwies er darauf, dass es auch wissenschaftliche Studien zu der Verletzungsgefahr beim Surfen auf Flüssen gebe. Die Veröffentlichung, auf die dabei Bezug genommen wird, stammt aus dem Jahr 2022. An einer Online-Umfrage hatten hierfür 143 Sportlerinnen und Sportler teilgenommen, die an 27 Flusswellen weltweit aktiv sind.
103 von ihnen hatten bei der Ausübung des Sports bereits Verletzungen erlitten. Als häufigster Verletzungsauslöser (89,3 Prozent) waren dabei Umwelteinflüsse wie die Uferböschungen oder der Grund des Flusses genannt worden. Am häufigsten kamen Platzwunden am Kopf vor oder Verletzungen der unteren Extremitäten.
Knapp 29 Prozent der insgesamt von Verletzungen Betroffenen hatten einen Arzt oder eine Ärztin konsultiert. In mehr als 60 Prozent der Fälle waren die Blessuren so leicht, dass die Verletzten nicht länger als eine Woche mit dem Sport pausieren mussten.
Als Fazit der Untersuchung wird formuliert: „Diese explorative Studie zeigt, dass Flusssurfen eine verletzungsanfällige Sportart ist.“ Auch die Gefahren, die von Sicherungsleinen ausgehen können, wird in der Studie thematisiert.
Am 16. April 2025 war eine Sportlerin am Eisbach beim nächtlichen Surfen tödlich verunglückt. Ihre Sicherungsleine hatte sich an einem Gegenstand im Fluss verhakt, woraufhin sie sich aus der starken Strömung nicht befreien konnte. Der genaue Unglücksgrund konnte nicht ermittelt werden.





















