Strafvollzug Berlin: Polizei setzt auf Nasenarbeit | ABC-Z

Die belgische Schäferhündin „Limited“ zieht an ihrer Leine. Sie wirkt etwas zappelig, möchte offenbar an einem Mikrofon schnuppern. Dann beißt sie in die Leine und zerrt leicht daran. Ihr Hundeführer beugt sich zu ihr und krault sie. „Du bist eine Spielemaus, ja ja“, sagt er beiläufig.
Wie eine ganz normale Hündin sieht „Limited“ aus, dabei arbeitet sie für die Justizvollzugsanstalt Tegel. Dort werden an diesem Donnerstag zwei neue hauseigene Spürhunde vorgestellt: „Limited“ und „Elli“ können Datenträger wie Mobiltelefone oder USB-Sticks erschnüffeln.
So unglaublich das klingt, es funktioniert. Das sagt zumindest Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU). Sie erklärt, die Hunde seien in der Lage, bestimmte Materialien zu erschnuppern, die in die in Speichermedien oder Smartphones verbaut sind.
„Die Diensthundestaffel des Berliner Justizvollzugs wächst aus gutem Grund“, meint Badenberg. Handys und andere Datenträger seien in der Anstalt verboten, trotzdem wurden in Berliner JVAs allein 2025 über tausend Stück gefunden. Die Hunde erkennen die verbotenen Gegenstände am Geruch und könnten sie auch aufspüren, wenn diese geschickt versteckt werden, so Badenberg.
Enge Bindung zwischen Herrchen und Hund
Vor zwei Jahren wurden die ersten beiden justizeigenen Spürhunde vorgestellt. „Ria“ und „Tara“ sind auf Betäubungsmittel spezialisiert. Die Ausbildung von zwei weiteren Spürhunden sei geplant, heißt es. Eigentlich sollte auch „Nino“ präsentiert werden, aber für diesen fehle derzeit ein geeigneter Hundeführer, meint Justizsprecherin Eva Jobs. Ähnlich, wie bei menschlichen Beziehungen, muss es eben funken.
Besonders sei, dass die Hunde nach Dienstschluss bei ihren Hundeführern leben, erklärt Badenberg. So gehen sie eine sehr enge Bindung ein.
Gemeinsam mit ihren Hundeführern wurden die Tiere im Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen mehr als drei Monate ausgebildet, sagt Susanne Gerlach, Leiterin der Abteilung für Strafvollzug. Die Hunderasse von „Limited und „Elli“ besäße eine Neigung zu Spaß und Neugier. „Das sind Aspekte, die sie veranlassen, diese Tätigkeit auszuüben“.
Anders als Betäubungsmittel ist es laut Gerlach schwieriger, Datenträger zu riechen. Dadurch erweise sich die Arbeit als fordernder. „Die Nasenarbeit strengt die Hunde stärker an“, sagt sie.
Arbeitsleine und Freizeitleine
Nur kurz können die Hunde vorgeführt werden, an größere Menschenmengen sind sie nicht gewöhnt. Die Tiere wirken etwas aufgedreht, als sie mit ihren Hundeführern den Raum betreten. Kein Wunder, denn sie werden begrüßt von einer Front aus Kameras, Smartphones und Mikrofonen. Ganz schön anstrengend für die Spürnasen.
Aber wie genau arbeiten die Tiere? Einer der Hundeführer erzählt, dass es wissenschaftlich nicht ganz geklärt ist, was die Hunde riechen. Sie erkennen wohl Stoffgruppen, die in Datenträgern verbaut werden. Wie das Erschnuppern funktioniert, ist nicht bekannt. Fest steht: Wenn da etwas versteckt ist, dann zeigen die Hunde das an.
Pro Durchgang schafften die Tiere zwei Räume, bevor sie eine Pause brauchen, erklärt der Hundeführer. „Man darf nicht zu viel spielen, wegen des Energieverlusts. Aber belohnt werden sie.“ Die Hunde wüssten außerdem, wann sie arbeiten müssen. Das signalisiere ihnen eine „Arbeitsleine“. Im Gegensatz dazu tragen sie jetzt eine „Freizeitleine“.
Der Erfolg der Hunde ist tagesformabhängig. „Die Leistungskurve geht wie bei uns Menschen zum Ende der Woche leicht runter“, meint der Hundeführer. „Jeder hat mal einen schlechten Tag“, sagt er schmunzelnd.
Insgesamt bleiben die Tiere während ihres Auftritts gefasst. „Elli“ richtet ihren Blick immer wieder erwartungsvoll auf ihr Herrchen, „Limited“ streckt sich nach einer Weile auf dem Boden aus.
Dann werden die Spürhunde weggebracht, das reicht erstmal. So eine Pressekonferenz ist nicht ohne, aber auch das gehört für die Hunde wohl zum Arbeitsalltag. Jetzt ist Feierabend.





















