Starnberg: Das neue Quartier „Moosaik“ wird das Stadtbild verändern – Starnberg | ABC-Z

„Eigentlich bräuchten wir jetzt Champagner“, stellte Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG) am Donnerstagabend fest. Hätte eines der Mitglieder im Bauausschuss Champagner, Sekt oder wenigstens Schaumwein mitgebracht, wären vermutlich auch spontan die Korken geflogen. Doch einerseits ist unklar, ob die Satzung für Starnbergs Stadtrat überhaupt Alkohol in Gremiensitzungen erlaubt. Andererseits hatten ohnehin weder Bürgermeister noch einer der Stadträte etwas Trinkbares dabei. So blieb es bei der nüchternen Erkenntnis: „Habemus Plansicherheit“, wie UWG-Stadtrat Marc Fiedler es formulierte.
Grund der Freude: Einhellig segnete das Gremium den Satzungsbeschluss für das Projekt „Moosaik“ ab – für Starnberger Verhältnisse ein Projekt der Superlative, das der Kreisstadt am Ortseingang im Nordosten ein völlig neues Gesicht geben wird. Nach insgesamt fünfjähriger Planungszeit mit Aufstellungs- und Änderungsbeschlüssen, Gutachten, Sachstandsberichten, Stellungnahmen, Überarbeitungen, Richtungsentscheiden, öffentlichen Auslegungen und Abwägungen ist das ambitionierte Vorhaben jetzt planungssicher in der Realisierungsphase angekommen.
Für die Initiatoren des Projekts stellt dieser finale Beschluss einen besonderen Moment mit langer Vorgeschichte dar: Vor rund 15 Jahren hatten die Unternehmerfamilien Houdek und Baasel erste Ideen ausgetauscht, wie man die nicht mehr zeitgemäßen Produktionsstätten ihrer Firmen gemeinsam weiterentwickeln könnte. Der Fleisch- und Wurstwarenhersteller Houdek hatte in den 1960er-Jahren eine der ersten Fabriken auf dem Areal am Leutstettener Moos errichtet und dort eine wirtschaftlich außergewöhnlich erfolgreiche Geschichte geschrieben. In den frühen 1980er-Jahren siedelte sich das Unternehmen „Carl Baasel Lasertechnik“ als Nachbar an und feierte mit innovativer Technik ebenfalls Erfolge. Die begrenzten Produktionsflächen aber konnten bald nicht mehr mit dem dynamischen Wachstum der beiden Betriebe Schritt halten.
Nach Umsiedlung des produzierenden Gewerbes begannen Überlegungen, wie die Flächen künftig genutzt werden könnten. 2018 entstanden in Gesprächen der Familien Houdek und Scherbaum die konkreten Ideen für eine gemeinsame Quartiersentwicklung, für die auch die Familie Baasel gewonnen werden konnte. Zwei Jahre später wurde das Konzept unter dem Namen „Moosaik“ der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Freude der Initiatoren erhielt das Projekt wegen seines gehobenen städtebaulichen Ansatzes als Stadtquartier von Beginn an Rückenwind, zumal auch die weiteren noch benötigten Grundstücke erworben werden konnten. Nach intensiver Vorbereitung und konstruktiver Zusammenarbeit mit der Stadt in den letzten fünf Jahren, in der mehr als 20 Gutachten erstellt wurden, um das Projekt so umwelt- und ressourcenschonend wie möglich realisieren zu können, gibt es mit dem Satzungsbeschluss und dem städtebaulichen Vertrag nun Planungssicherheit.
Auf dem 3,5 Hektar großen Areal in Nähe des Starnberger Sees entstehen rund 330 Wohnungen. Hinzu kommen Büros, Gastronomie, Hotel, eine Kita, Arztpraxen und soziale Einrichtungen. Die insgesamt 16 Gebäude mit 80 000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen in Holzhybrid-Bauweise mit weitgehend autarker Energieversorgung aus regenerativen Quellen, umgeben von naturnahen Grünflächen. Mit dem „Moosaik“ soll ein nachhaltiges und vielfältiges Umfeld für Arbeiten, Wohnen und Freizeit entstehen.
Derzeit läuft bereits der Rückbau der entkernten Bestandsgebäude und maroden Industriebauten im nördlichen Teil zwischen Petersbrunner Straße und Moosstraße. Sobald das Baufeld frei ist, soll im Frühsommer mit Beginn der Tiefbauarbeiten der offizielle Spatenstich gefeiert werden. Läuft alles nach Plan, könnte die Baugrube für den ersten Bauabschnitt Mitte 2027 fertiggestellt sein.

Das Konzept findet nach Angaben der Initiatoren offenbar Anklang: Sie vermelden bereits erste Vermietungserfolge und Vertragsabschlüsse. Auch international tätige Firmen seien von Konzept und Lage begeistert, berichtet Scherbaum. Als Vorteil werde neben der guten Anbindung an die A95, die Autofahrer in einer guten Viertelstunde nach München bringt, vor allem auch der S-Bahn-Anschluss gesehen. Das „Moosaik“ könnte daher für viele Firmen eine spannende Alternative zu hochpreisigen Flächen in München darstellen.
Die Fertigstellung der ersten Gebäude mit Einzug der Mieter ist aktuell für 2030 geplant. Die Bauwerke der ersten Phase – drei gemischt genutzte Gebäude mit Mietwohnungen, Laden- und Büroeinheiten, Kita und Tiefgarage (MOS 01, MOS 02 und MOS 03) – sind so weit durchgeplant, dass mit dem Bau begonnen werden könnte. Für alle weiteren Gebäude werden Bauanträge erarbeitet. Bei der Stadt genießt das „Moosaik“ weiterhin höchste Priorität.





















