Bezirke

“Starke Belastung”: Das denken Münchner über die Spritpreis-Explosion seit dem Iran-Krieg | ABC-Z

Die Spritpreise steigen immer weiter: Einen Tag nach Dieselkraftstoff hat auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte.

Noch am Mittwoch war sie mit 1,995 Euro am Morgen knapp darunter geblieben. 

Auch Diesel verteuert sich weiter: Am Morgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt 2,086. Am Mittwoch waren es noch 2,054 Euro. Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber krisenanfälliger, auch in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte er stärker reagiert als Benzin. Einer der Gründe ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.

Diesel lag auch im Tagesschnitt des Mittwochs über 2 Euro

Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter Diesel 2,005 Euro – 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Krieges im Iran. Für E10 waren am Mittwoch im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter zu bezahlen, 15,7 Cent mehr als am Freitag. Der Tagesdurchschnitt ist für längerfristige Vergleiche aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht.

Wie reagieren die Münchner auf die immer höher kletternden Preise? Die AZ hat sich umgehört.

“Das ist überall”

Bernhard Schwenk.
© Daniel von Loeper
Bernhard Schwenk.

von Daniel von Loeper

“}”>

Bernhard Schwenk (65), Kurator: “Dass die Preise steigen fürs Benzin, das betrifft nicht nur diesen Bereich, sondern das ist überall. Wir wissen, wie schnell sich das wieder ändern kann – für mich ist es relativ.”

“Kosten auffangen”

Felix Braun.
Felix Braun.
© Daniel von Loeper
Felix Braun.

von Daniel von Loeper

“}”>

Felix Braun (29), Küchenchef: “Die steigenden Tankkosten sind eine starke Belastung. Die Kosten sind auf jeden Fall aufzufangen von der Bundesregierung in Form von Tankgutscheinen an kleine und mittlere Betriebe.”

“Habe kein Auto”

Pamela Scholz.
Pamela Scholz.
© Daniel von Loeper
Pamela Scholz.

von Daniel von Loeper

“}”>

Pamela Scholz (40), Buchhändlerin: “Ich habe kein Auto, sondern einen E-Bike-Flitzer. Manche sagen, dass mein Buchladen eine geistige Tankstelle sei – hier lässt sich günstiger auftanken.”

Münchner Autoclub fordert Spritpreisbremse

Die steigenden Spritpreise sorgen inzwischen auch für eine Diskussion um eine mögliche Spritpreisbremse. Unter anderem fordert der ADAC, dass die Politik eine “vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen” müsse. “Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden.” Dies würde für rund 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.

Auch der Verkehrsclub Mobil in Deutschland fordert eine Spritpreisbremse, eine von ihm gestartete Online-Petition an die Bundesregierung habe inzwischen mehr als 14.000 Unterschriften, heißt es.

Mobilität sei “kein Luxusgut, sondern Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Stabilität und ein funktionierendes Alltagsleben”, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung des Münchner Vereins.

Ifo-Präsident Clemens Fuest hält wenig von einem möglichen Tankrabatt. (Archivbild)
Ifo-Präsident Clemens Fuest hält wenig von einem möglichen Tankrabatt. (Archivbild)
© Kay Nietfeld/dpa
Ifo-Präsident Clemens Fuest hält wenig von einem möglichen Tankrabatt. (Archivbild)

von Kay Nietfeld/dpa

“}”>

Ohne die im EU-Vergleich höchsten Abgaben auf Kraftstoffe “würde ein Liter Super statt rund zwei Euro lediglich etwa 90 Cent kosten”.

2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals war der Anstieg der Spritpreise zu Kriegsbeginn allerdings deutlich höher als dies bisher der Fall ist.

Wirtschaftswissenschaftler sehen Tankrabatt kritisch

Führende Wirtschaftswissenschaftler sehen einen möglichen Tankrabatt allerdings kritisch. Der Münchner Ifo-Chef Clemens Fuest hält einen solchen Eingriff für volkswirtschaftlich schädlich.

Wenn Öl knapp und teuer sei, sollten die Verbraucher auch das Signal erhalten, davon etwas weniger zu verbrauchen, argumentiert er. Dies sei eine der großen Stärken der Marktwirtschaft. Zudem sei die Belastung durch die Energiepreise noch nicht so groß, dass daraus Notsituationen entstünden.

Fratzscher: “Wäre ein teurer Fehler”

DIW-Chef Marcel Fratzscher ist ebenfalls kritisch: “Ein Tankrabatt, um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler und die falsche Priorität der Bundesregierung”, schreibt er. “Die Bundesregierung kann die höheren Preise nicht verhindern, aber sie kann Bürger zielgenau entlasten.”

DIW-Chef Marcel Fratzscher hielte einen Tankrabatt für einen teuren Fehler. (Archivbild)
DIW-Chef Marcel Fratzscher hielte einen Tankrabatt für einen teuren Fehler. (Archivbild)
© Annette Riedl/dpa
DIW-Chef Marcel Fratzscher hielte einen Tankrabatt für einen teuren Fehler. (Archivbild)

von Annette Riedl/dpa

“}”>

Priorität sollte für Fratzscher die Entlastung von Menschen mit geringen Einkommen haben. “Dies könnte beispielsweise über eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel geschehen.”

Der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, nennt einen Rabatt “sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich” und verweist auf hohe Kosten, die 2022 bei einer Milliarde Euro pro Monat lagen.

 

Back to top button