Münsing: Mittagsbetreuung im alten Sitzungssaal – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Ein stärkerer Geburtenjahrgang und die Frage, wie viele Kinder aus der Geflüchtetenunterkunft am Schlichtfeld eingeschult werden könnten, haben in Münsing Handlungsbedarf erzeugt. Die durchgängig zweizügig geführte Grundschule stand kurz davor, erstmals drei erste Klassen zu eröffnen. Das hätte mehr Platzbedarf für die Mittagsbetreuung nach sich gezogen. Die Kommunalverwaltung ließ daher im ehemaligen, leer stehenden Rathaus provisorische Unterbringungsmöglichkeiten einrichten.
Soweit ist es zwar nicht gekommen. „Wir haben weiterhin zwei erste Klassen mit je 25 Kindern“, sagt Rektorin Angret Pauli. Trotzdem besuchen mittlerweile 101 von insgesamt 170 Kindern der Münsinger Grundschule die Mittagsbetreuung, die der Wolfratshauser Kinder- und Jugendförderverein im Auftrag der Kommune seit 2016 betreibt. Die neuen Räume im einstigen Rathaus kann das Team der Einrichtung daher gut gebrauchen. Zudem lässt sich der Praxisfall einüben, bevor das ehemalige Verwaltungszentrum voraussichtlich 2027 umgebaut werden soll, um mehr Platz für Schüler und Personal zu schaffen.
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Wo früher die Gemeinderatsmitglieder zu Sitzungen tagten, essen nun die Kinder im Zweischichtsystem zu Mittag und machen später ihre Hausaufgaben. Im Zimmer des Bürgermeisters ist der Gruppenraum für die betreuten Viertklässler eingerichtet. Im orange gestrichenen früheren Zimmer des Kämmerers stehen in den Schränken Bastelsachen und Spiele bereit. Auch der einstige Raum für Kasse und Gewerbeamt ist zum Spielen eingerichtet, etwa mit Lego.
Zudem ließ die Kommune die Wendeltreppe, die aus dem früheren Raum des Bauamtsleiters Stephan Lanzinger in das einstige Archiv im Keller führt, sicherheitstechnisch ertüchtigen. Auf dieser können Kinder, Lehrer und Betreuer nun über den zur Turnhalle führenden Gang ins Schulgebäude gelangen. „Niemand muss den Hof überqueren“, sagt Fritz Meixner, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins. „Im Betrieb läuft alles im Gebäude ab.“
Noch nutzt die Mittagsbetreuung weiterhin Fachräume für Werken oder Musik im Keller des Grundschulgebäudes. Doch das Provisorium im früheren Rathaus gibt den Kindern jetzt die Möglichkeit, zentralisiert in einem eigenen Raum zu essen statt wie bisher in den jeweiligen Gruppenräumen.

Für eine Landgemeinde habe Münsing eine beachtliche Quote an Schülern in der Mittagsbetreuung, erklärt Meixner. Ähnlich sei die Situation in Icking, wo der Kinder- und Jugendförderverein Wolfratshausen ebenfalls die Mittagsbetreuung übernimmt. In Egling dagegen werde das Angebot weniger angenommen, so Meixner.
Die Kommune investierte laut Bauamtsleiter Lanzinger 2500 Euro, um die Räume im einstigen Rathaus provisorisch für die Mittagsbetreuung herzurichten. Hausmeister und Mitarbeiter des Wasserwerks hätten 35 Stunden an Arbeitsleistungen erbracht. Maler tilgten den Schriftzug, der auf die Verwaltung an der Außenfassade des Gebäudes hinwies. Strom und Wasser wurden im Gebäude wieder in Betrieb genommen sowie neue Möbel angeschafft.
Laut Meixner investierte der Kinder- und Jugendförderverein zusätzlich 6000 Euro, mit denen er etwa Möbel anschaffte. Teils spendeten Bürger auch gebrauchte Möbel, zum Beispiel eine große Couch in einem Aufenthaltsraum mit Kickertisch.
Unterdessen arbeitet die Gemeinde parallel an den Planungen für einen Umbau des Rathauses, um ausreichend Platz für den Schulunterricht sowie die Mittagsbetreuung zu schaffen. „Das Vergabeverfahren soll Ende des Jahres 2025 abgeschlossen sein“, sagt Bauamtsleiter Lanzinger. Im kommenden Jahr ließen sich dann die Entwurfsplanung und die Fördermittelfrage klären. Baubeginn wäre für Ende 2026 angedacht.
Wohin die Kinder während der Umbauarbeiten ausweichen, bleibt offen
Laut Lanzinger könnte dann zum Jahreswechsel auf 2028 die Kinderkrippe im Gemeindesaal eröffnen, zum darauf folgenden Schuljahresbeginn könnte schließlich die offene Ganztagsschule starten. In dem Konzept können die Schüler nach dem Vormittagsunterricht nachmittags freiwillig Förder- und Betreuungsangebote nutzen. Hintergrund ist der Anspruch auf Ganztagsbetreuung, der ab 2026 für alle Grundschulen schrittweise eingeführt wird.
Wohin die Kinder während der voraussichtlichen Umbauarbeiten im Jahr 2027 ausweichen könnten, blieb beim Rundgang durch das einstige Rathaus noch offen. Zudem könnte es laut Meixner noch herausfordernd werden, die acht Wochen Ferienbetreuung sicherzustellen, die künftig für die Nachmittagsbetreuung bis maximal 16 Uhr gelten soll.





















