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Integrierte Leitstelle Erding wird für 23 Millionen Euro erweitert – Erding | ABC-Z

Die integrierte Leitstelle in Erding ist unscheinbar und klein. Ihre Zuständigkeit umfasst jedoch fast eine halbe Million Menschen auf 2221 Quadratkilometer Fläche in den drei Landkreisen Ebersberg, Erding und Freising. Pro Jahr gehen dort 160 000 Notrufe ein, im Schnitt 440 jeden Tag. Bereits seit 2021 stand fest, dass die Leitstelle erweitert werden muss. Dies wird jetzt am Standort an der Wilhelm-Bachmair-Straße in direkter Nachbarschaft zur Erdinger Polizeiinspektion und zum BRK geschehen. Allerdings sind die Kosten von ursprünglich elf auf mittlerweile gut 23 Millionen Euro gestiegen.

Gegründet wurden die 26 bayerischen Leitstellen 2002, als die Alarmierung von Rettungsdienst und Feuerwehren per Gesetz zusammengelegt wurden. Die Feuerwehren wurden bis dahin von der Polizei gerufen. Jede Leitstelle sollte aber so ertüchtigt werden, dass sie im Fall eines Stromausfalls die Arbeit der Nachbarleitstelle mit übernehmen kann. In Erding wäre dies die Leitstelle in Landshut. Die ILS Erding wurde 2009 in Betrieb genommen – mit mittlerweile mehr als 30 Disponenten im Zwei-Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb. Zudem muss die Zahl der Disponentenplätze von sechs auf neun aufgestockt und die ILS selbst besser vor einem technischen Ausfall geschützt werden.

Bei einem Besuch der Leitstelle hatte Innenminister Joachim Herrmann 2021 angeboten, eine Teilfläche eines staatlichen Grundstücks für eine Bebauung zur Verfügung zu stellen. Auf diesem Weg könnte der Ausbau der Integrierten Leitstelle am jetzigen Standort an der Wilhelm-Bachmair-Straße in direkter Nachbarschaft zur Polizei und zum BRK Erding realisiert werden. Seither wurde auf dieser Schiene geplant.

Die Baugenehmigungsunterlagen waren bereits im Februar dieses Jahres bei der Kreisstadt Erding eingereicht worden, die Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung sind ebenfalls fertig. Nur die abschließende Zustimmung des Zweckverbandes fehlte. In der Sitzung Ende Oktober konnten sich die Landräte Helmut Petz (FW) aus Freising und Robert Niedergesäß (CSU) aus Ebersberg nicht mit der Kostenberechnung für den Erweiterungsbau anfreunden. 2021 war man noch von elf Millionen Euro ausgegangen, durch die Baukostensteigerung, die Erweiterung der Bruttogesamtfläche von 1800 auf 2500 Quadratmeter und gestiegene Kosten der Hardware war man im April dieses Jahres noch von 22,9 Millionen Euro ausgegangen. Im Oktober wurden dann 23,25 Millionen Euro genannt.

Angesichts dessen brachten Petz und Niedergesäß erneut Alternativen und Bedenken vor. Der Freisinger Landrat hatte bereits zu Anfang der Planungen vorgeschlagen, das Gelände am Kammermüller-Hof am Flughafen auf Freisinger Flur als Standort für die Leitstelle zu prüfen. Diesen Vorschlag unterbreitete er erneut. Der Erdinger Landrat und Verbandsvorsitzende Martin Bayerstorfer (CSU) war skeptisch: „Meines Wissens nach will die FMG dieses Areal gar nicht verkaufen.“

Aber auch Niedergesäß war zurückhaltend: Er könne der genannten Umbausumme nicht so einfach zustimmen, dazu benötige er das Einverständnis seines Kreistags. Hubert Maier, Chef der Leitstelle, gab zwar zu Bedenken, ein kompletter Neubau wäre nicht nur deutlich teurer, bis zu seiner Fertigstellung würde es samt Planung wohl acht bis zehn Jahre dauern. Dennoch musste der Beschluss im Oktober vertagt werden.

Nun wurde mit einer gewissen Spannung erwartet, ob es diesmal zu einer Einigung kommen werde. Aber nachdem man realisiert hatte, dass ein Scheitern dieser Planung sozusagen auf den letzten Metern den Ruf des Verbandes in der Öffentlichkeit beschädigt hätte, wollte man den Streit nicht erneut aufflammen lassen. Petz räumte ein, das Kammermüller-Grundstück sei nie zum Verkauf gestanden. Und Niedergesäß sagte, der Ebersberger Kreistag habe bei nur drei Gegenstimmen den Plänen und Kosten zugestimmt. „Wir haben uns Baustellen zwischen Fürstenfeldbruck und Landshut angesehen. Auch dort sind die Kosten gestiegen. Die Entwicklung ist für uns nachvollziehbar, die Entscheidung ist richtig“, sagte Niedergesäß.

Allerdings verknüpften Petz und Niedergesäß ihre Zustimmung mit einer „ergebnisoffenen“ Organisationsuntersuchung des Zweckverbandes. Nach so langer Zeit stelle sich die Frage, ob nicht ein rollierender Verbandsvorsitzender gewählt werden solle. Der Hintergrund dessen ist, dass die ILS Erding die einzige ist, deren Träger ein Landkreis ist und nicht ein Zweckverband, das BRK oder eine Berufsfeuerwehr. Der Erdinger Landrat ist somit Vorsitzender. „Das soll keine Kritik rückblickend sein“, schwächte Niedergesäß diesen Angriff auf Bayerstorfers Position ab. Aber zuletzt sei eine Stimmung erzeugt worden, die dem Zweckverband nicht gut tue. Die Organisationsuntersuchung sei „wie in einer Beziehung“, sagte Niedergesäß. „Das ist eigentlich ganz normal.“

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