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Spanien: Kein Tiktok und Instagram für unter 16-Jährige – Wissen | ABC-Z

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Tiktok und Instagram verbieten. Auf dem internationalen Treffen von Regierungs- und Konzernchefs am Dienstag in Dubai kündigte er einen Maßnahmenkatalog mit fünf Punkten an, der zudem vorsieht, Netzwerke nach ihrem Gehalt an Hass und Falschinformationen zu bewerten.

„Soziale Medien sind zu einem gescheiterten Staat geworden, in dem Gesetze ignoriert und Verbrechen toleriert werden“, sagte Sánchez in Dubai. Man werde die Kinder und Jugendlichen künftig vor dem „digitalen Wilden Westen“ schützen. Zuvor hatten Australien und Frankreich ähnliche Zugangssperren für Jugendliche angekündigt. In Frankreich soll die Altersfreigabe künftig bei 15 Jahren liegen. Auch Portugal plant Einschränkungen in Form einer gestaffelten Freigabe, bei der der Zugang unter 13 Jahren gesperrt werden soll und Eltern von 13- bis 15-Jährigen entscheiden sollen.

Die Social-Media-Unternehmen seien reicher und mächtiger als viele Länder, „darunter auch mein eigenes“, sagte Sánchez. Doch sollte man sich seiner Ansicht nach von deren Macht und ihrem Einfluss nicht einschüchtern lassen. Sich hinter Code zu verstecken und zu behaupten, Technologie sei neutral, „ist nicht länger hinnehmbar“, sagte Pedro Sánchez in Dubai.

Bei sozialen Netzwerken ist die Alterskontrolle anspruchsvoll

Im vergangenen November hatte eine breit angelegte Studie unter rund 100 000 Jugendlichen in Spanien ergeben, dass mehr als drei Viertel der Heranwachsenden in drei oder mehr sozialen Netzwerken aktiv sind. Jeder zehnte Jugendliche gab an, von digitalem Mobbing betroffen gewesen zu sein.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Spaniens Premier und seine links-sozialistische Regierungskoalition eine Internetsperre angekündigt: Nutzer sollen ihr Alter nicht mehr nur durch einen Klick bestätigen, sondern technisch nachweisen müssen.

Beim Zugang zu Pornografie wie auch zu sozialen Netzwerken geht es darum, Minderjährige wirksamer vor ungeeigneten Inhalten zu schützen. Technisch würden beide Zugangssperren voraussichtlich auf einer digitalen Infrastruktur aufbauen, wie sie derzeit auf staatlicher und europäischer Ebene entwickelt wird: digitale Identitätsnachweise wie das European Digital Identity Wallet EUDI. Diese Systeme sollen ermöglichen, das Alter eines Nutzers zu überprüfen und dann gegenüber Inhalte-Anbietern zu bestätigen, ohne dabei mehr persönliche Daten preiszugeben als nötig.

Der Unterschied liegt jedoch in der Komplexität. Beim Zugang zu Pornoseiten würde eine einmalige Altersprüfung genügen: Das System bestätigt, dass eine Person volljährig ist, wahrt jedoch gegenüber dem Anbieter der Inhalte die Anonymität des Nutzers. Bei sozialen Netzwerken wäre die Alterskontrolle anspruchsvoller. Hier müsste das Alter bei der Kontoerstellung überprüft und dauerhaft hinterlegt werden. Zudem müssten Mechanismen entwickelt werden, um Umgehungen – etwa durch Zweitaccounts oder falsche Angaben – zu erschweren.

Die von Spanien und weiteren Ländern angekündigten Zugangsbeschränkungen dürften auch die Debatte über die Schädlichkeit sozialer Medien für Jugendliche wiederbeleben. Der Psychologieprofessor José César Perales von der Universität Granada sagte anlässlich der spanischen Initiative gegenüber dem britischen Science Media Centre, die aktuelle Forschung über mögliche Schäden durch soziale Netzwerke „rechtfertigt keine Altersschwelle“ – und schon gar nicht eine so konservative wie 16 Jahre. Die Beweislage über den Einfluss sozialer Netzwerke auf die seelische Gesundheit sei „sehr gering“.

Nach Ansicht von Josep Maria Suelves, einem Experten der Gesellschaft für öffentliche Gesundheit in Katalonien, sei durchaus bekannt, dass soziale Netzwerke „zur Verbreitung von ungesunden Verhaltensweisen beitragen“. Die Extremfälle reichten von Anstiftung zum Suizid bis zu Essstörungen sowie schließlich auch sozialer Vereinsamung.

Den Zugang zu digitalen Inhalten zu verbieten, könne sich jedoch schwierig gestalten, so Suelves. Er verweist auf Alkohol und Tabak, die Jugendlichen ebenso verboten seien, aber im Alltag auch von unter 18-Jährigen ausprobiert werden. Und möglicherweise gebe es noch eine weitere Analogie zum Zigarettenkonsum: Der Reiz des Verbotenen, der mitunter einen gegenteiligen Effekt bewirkt und das Interesse noch steigert.

Weil der von Premier Sánchez angekündigte Maßnahmenkatalog neben der Altersfreigabe auch eine Kategorisierung sozialer Medien gemäß ihrem Gehalt an Hass und Falschinformation vorsieht, warnen politische Gegner davor, das Netz womöglich nach ideologischen Kriterien zu beschneiden. Letztlich könne eine Regierung nicht definieren, was als Hass oder Desinformation zu brandmarken sei, sagte Borja Adsuara, ehemaliger Generaldirektor der spanischen staatlichen Agentur für Digitalisierung gegenüber der Tageszeitung ABC.

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