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Saarland: Kulinarische Spezialitäten und Wasserspatzen Rezept – Stil | ABC-Z

Das Saarland ist außerhalb des Saarlands vor allem als Größeneinheit bekannt. Das kleinste Flächenland Deutschlands misst 2569 Quadratkilometer. Menschen haben für Flächen kein Sinnesorgan, deshalb können sie sich darunter wenig vorstellen. Aber Vergleiche funktionieren: In Portugal ist diesen Sommer eine Waldfläche verbrannt, die größer ist als das Saarland. Vor der Küste der Antarktis driftet eine Eisfläche, so groß wie das Saarland. Ein Ölteppich so groß wie das Saarland.

Noch weniger als eine solche Fläche können sich Nicht-Saarländer etwas unter saarländischer Lebensart vorstellen. Der Leitspruch der Menschen, die in diesem charmanten Zipfel Deutschlands leben, der übrigens so groß ist wie 359 000 Fußballfelder, lautet: „Hauptsach, gudd gess!“ Die Sinnesorgane für Genuss sind im Saarland, wohl wegen der Nähe zu Frankreich (246-mal so groß), bestens ausgebildet. Dibbelabbes, Hoorische, Gefillde, Schwenkbroode, Wasserspatzen: Saarländische Spezialitäten klingen für Auswärtige erst mal exotisch, es handelt sich aber um deftige Gerichte.

Dibbelabbes ist ein Kartoffelauflauf mit Speck und Lauch, Hoorische sind Kartoffelklöße, Gefillde sind gefüllte Klöße, Schwenkbroode ist gegrillter Schweinenacken. Grumbeeren (Kartoffeln) gelten als Grundnahrungsmittel, Fleisch, Speck, Wurst, Sahne, Butter, Mehl und Eier werden in großen Mengen verwendet. Die Lyoner ist das inoffizielle Wappen-Emblem des Bundeslandes. Bei Familienfesten wird ungefähr eine Torte, eine Lyoner, eine Schüssel Kartoffelsalat und ein Schwenkbroode pro Person kalkuliert, sodass das Buffet so groß ist wie ein Achtel Fußballfeld, also ein Zweimillionstel Saarland.

Wasserspatzen, das klingt verdächtig nach gekochten Singvögeln, ist aber eine harmlose Mehlspeise. In Schwaben gibt es Spätzle, in der Schweiz Chnöpfli, im Salzburger Land Nockerln, in Ungarn Nokedli – im Saarland eben Wasserspatzen. Form und Zubereitung sind jeweils leicht unterschiedlich, aber das Prinzip ist einfach und überall das gleiche: Mehl und Eier werden zu einem Teig verrührt und in Salzwasser gekocht, fertig. Ein billiges Essen, mit dem man die Familie schnell satt bekommt und dabei das Lebensmotto „Hauptsach, gudd gess“ nicht aus den Augen verliert.

Wasserspatzen sind größer als Spätzle, sie werden nicht ins Wasser gehobelt oder geschabt, sondern mit dem Esslöffel hineingegeben. Jede Familie hat ihr Spezialrezept, manche geben einen Löffel Quark in den Teig, andere Backpulver, einige schwören auf Mineralwasser, andere auf Milch im Teig. Meine Mutter, die aus dem Saarland stammt, serviert Wasserspatzen immer zusammen mit Bratkartoffeln und Salat, über die fertigen Spatzen kommt eine Soße aus Sahne und angebratenen Speckwürfeln. Wer will, kann die Mehlspeise aber auch mit Apfelmus, Zimt und Zucker essen. Hauptsach, gudd gess!

Pro Person ein Ei, 100 Gramm Mehl, eine Prise Salz und 50 ml Wasser nehmen, alle Zutaten zu einem glatten, zähflüssigen Teig verrühren. 30 Minuten ruhen lassen. Salzwasser zum Kochen bringen und vom Teig jeweils einen Esslöffel ins Wasser geben. So lange kochen, bis die Spatzen oben schwimmen. Speckwürfel in einer Pfanne anbraten, mit Sahne ablöschen und über die fertigen Spatzen geben. Oder für die süße Variante etwas Butter in einer Pfanne erhitzen und Semmelbrösel darin goldgelb anbraten, mit Apfelmus oder Apfelkompott servieren. Wasserspatzen-Fans wünschen sich dafür einen Teller, der ungefähr so groß ist wie ein Zehntausendstel des Saarlandes.

Das braucht man dazu (4 Personen):

400 g Mehl

4 Eier

200 ml Wasser

1 TL Salz

100 ml Sahne

100 g Speckwürfel

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