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So gut sind die Schlaftracker von Garmin und Amazfit | ABC-Z

Über schlechten Schlaf klagen viele Erwachsene, vor allem ältere sind betroffen. Wer der Sache auf den Grund gehen will, kann seinen Schlaf vermessen. Die Schlafdauer, die Zahl der nächtlichen Unterbrechungen sowie Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität geben wertvolle Einblicke, wenn man nachts eine Sportuhr trägt. Viele dieser Geräte wollen auch die Schlafphasen wie Leicht-, Tief- und REM-Schlaf erfassen, was nach unseren Beobachtungen nur selten zuverlässig gelingt.

Doch schon die Basiswerte zeigen dann zum Beispiel, dass man viel zu wenig schläft oder die Herzfrequenz in der Nacht kaum absinkt. Dafür können abendlicher Alkoholgenuss oder zu viel Sport verantwortlich sein. Eine regelmäßige Beobachtung der wichtigsten Schlafparameter erlaubt es, über längere Zeiträume Trends zu beobachten und Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil und der Nachtruhe aufzudecken.

Die Hardware überrascht

Fast alle Sportuhren sind dafür gut gerüstet. Nur mag nicht jeder nachts eine Uhr tragen. Sei es, dass man durch einen unbeabsichtigten Alarm geweckt werden könnte oder gar die Uhr bei nächtlichen Bewegungen irgendwo anschlägt. Nun haben zwei Unternehmen Schlaftracker auf den Markt gebracht, die in dieser Nische überzeugen wollen. Beide sind Smartwatches ohne Display, die in einem komfortablen, waschbaren Textilarmband verstaut werden. Beide lassen sich wahlweise am Handgelenk oder am Oberarm tragen. Die Uhr ohne Display hat dieselben Sensoren wie eine Smartwatch, sie liegen auf der Haut auf.

Der Helio Strap von Amazfit kommt für einen Preis von 100 Euro auf den Markt und hat ein zweieinhalb Zentimeter in der Breite messendes Armband, in welches die Uhr ohne Display und Tasten mit einem Schnellverschluss eingehängt wird. Auf den ersten Blick sieht man nur das Armband, das auch ein Modeaccessoire sein könnte. Der Helio Strip lässt sich auch tagsüber während des Sports tragen, darauf kommen wir noch zurück. Amazfit gehört zum chinesischen Konzern Zepp Health und entwickelt seit mehr als zehn Jahren vor allem günstige Sportuhren.

Was dahinter steckt: In der Armmanschette ist eine Smartwatch ohne Display eingelegtHersteller

Der in der Schweiz und in Amerika angesiedelte Sportuhrenhersteller Garmin schickte uns seinen Index Sleep Monitor, der aus einem 6,5 Zentimeter breiten Textilarmband besteht. An der Oberseite befindet sich eine Tasche, in welche der Sensor eingelegt wird. Er lässt sich mit den proprietären Ladekabeln von Garmin für Sportuhren laden, während der Helio Strap den Ladepuck der Amazfit-Uhren nutzt. Die Akkulaufzeit beträgt jeweils rund eine Woche.

Welche Rolle die Messung mit Licht spielt

Beide Geräte werden so getragen, dass der Sensor auf der Haut aufliegt. Die Vitalzeichen werden mit Photoplethysmographie gemessen. Dabei wird Licht – oft grünes für die Herzfrequenz, rotes oder infrarotes für die Blutsauerstoffsättigung – in die Haut gesendet und gemessen, wie viel davon reflektiert wird. Da Blut Licht absorbiert, lassen sich aus den Schwankungen der Lichtreflexion Rückschlüsse auf das Blutvolumen ziehen. Daraus leiten die Geräte verschiedene physiologische Parameter ab: die Herzfrequenz, die im Schlaf typischerweise sinkt, aber in bestimmten Phasen schwanken kann.

Ein normaler Ruhepuls im Schlaf liegt bei Erwachsenen zwischen 40 und 60 Schlägen je Minute. Die Herzfrequenzvariabilität, also die Schwankung der Zeitabstände zwischen einzelnen Herzschlägen, gilt als Indikator für das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems. Mit ihr werden besagte Schlafphasen identifiziert. Die Blutsauerstoffsättigung gibt den Anteil des sauerstoffgesättigten Hämoglobins an. Werte unter 95 Prozent können auf eine Hypoxämie hindeuten, die bei Schlafapnoe auftreten kann, worauf der Helio Strap ausdrücklich hinweist. Zusätzlich erfassen die Geräte die Atemfrequenz. Der Index Sleep Monitor misst zudem die Hauttemperatur.

Erfasst auch Sport: Der Helio Strap von Amazfit
Erfasst auch Sport: Der Helio Strap von AmazfitHersteller

Der Pluspunkt beider Schlafmesser liegt darin, dass sie sich in das Sportuhren-Ökosystem integrieren und die entsprechenden Metriken unterstützen. Garmin erfasst zum Beispiel mit seinen Sportuhren einen Parameter namens „Body Battery“, der quasi die Energiereserven des Körpers widerspiegelt. Dieser Wert wird nachts mit dem Index Sleep Monitor ebenfalls erstellt. Man übernimmt also die gewohnten Daten und Datenauswertungen.

Zwei Geräte gleichzeitig nachts getragen

Bei Amazfit gibt es ähnliche Metriken unter anderen Namen. Beiden Anbietern gemeinsam ist, dass sie versuchen, aus den nackten Messwerten eine Beurteilung des Schlafes und eine Prognose des Fitnesslevels für den Tag abzuleiten. Was davon zu halten ist, sei dahingestellt. Wir finden einen Blick auf die Basisdaten erhellender und interpretieren sie lieber selbst.

Beide Geräte wurden über viele Tage hinweg gleichzeitig nachts getragen, als drittes Messgerät kam noch eine Apple Watch Ultra hinzu. Die Angaben aller drei Datensammler hinsichtlich Schlafdauer, Herzfrequenz im Schlaf und weitere Details waren nahezu identisch, was für ihre Konsistenz und Güte spricht. Die Erkennung von Schlafphasen bei Garmin und Amazfit war hingegen inkonsistent, man verspreche sich davon nicht zu viel.

Insgesamt meinen wir, dass ein solcher Schlafmonitor seine Berechtigung hat, aber ein Nischenprodukt bleibt. Deshalb hat Amazfit seinem Helio Strap noch die Möglichkeit mitgegeben, 27 Sportarten im Sportuhrenmodus zu erfassen. Vor allem Indoor-Work-outs und verschiedene Formen des Krafttrainings werden unterstützt. Die Datenerfassung startet man nicht am Gerät, das ja weder Tasten noch Display hat, sondern in der App. Bei Aktivitäten draußen sollte das Smartphone mit dabei sein, weil der Sensor des Helio Strap kein GPS eingebaut hat.

Wie genau die Messung ist

Leider ist die Herzfrequenzmessung bei Work-outs etwas ungenau. Die Trainingserfassung über das Band kann sinnvoll sein für Wettbewerbe, in denen das Tragen oder die Nutzung einer Sportuhr untersagt ist. Wer intensiv Sport treibt, wird jedoch tagsüber eher eine Sportuhr von Amazfit tragen, wie bei Garmin profitiert man dann davon, dass alle Daten in einer App zusammenfließen. Im Unterschied zu Garmin fehlt leider ein Web-Zugriff am Rechner auf die eigenen Daten und Trainings. Indes kann man selbige mit einigen Drittanbieterdiensten synchronisieren.

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