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Snowboardcross bei Olympia: Wenn ein Deutscher dem anderen aufs Board fährt – Sport | ABC-Z

Die Snowboardcrosser Martin Nörl und Leon Ulbricht hatten sich für Olympia viel vorgenommen. Hier der 32-jährige Nörl, vor vier Jahren als Gesamtweltcupführender und großer Favorit nach Peking gekommen und im Halbfinale ausgeschieden. Dort der 21-jährige Ulbricht, das Talent, zwei Weltcupsiege hat er gesammelt, in dieser Saison ist er Neunter im Gesamtweltcup. Beide reisten sicher nicht als Favoriten zu den Spielen nach Livigno. Doch von Nörl bekam man sogar das Gefühl, die neue Rolle gefalle ihm. Er kündigte an, dass er und Ulbricht alle Medaillenkandidaten ärgern könnten.

Am Ende ärgern sie einander. Es ist ein kleiner Moment im Viertelfinale, ein Fehler von Nörl, der innerhalb von Sekunden alle Underdog-Pläne zunichtemachte.

Die Cross-Wettbewerbe, egal ob auf Skiern oder auf dem Snowboard, sind auf gewisse Weise die natürlichste Art von Rennen. Sie bilden auf Hochleistungssport-Niveau das ab, was Jugendliche auf den Pisten machen. Mit ihren Freunden gleichzeitig von einer Startlinie losfahren und der Erste, der am ausgemachten Ziel ankommt, hat gewonnen. Keine Stoppuhr, keine Sektorenzeiten, pures Racing, mit Körperkontakt.

Das mutet auch mal grob an. Wie am Donnerstag im Schneetreiben von Livigno, wenn sich vier Snowboarder aus ihren Startblöcken schieben und im engen Kurs um eine der beiden ersten Positionen kämpfen, die zum Einzug in die nächste Runde berechtigen. Buckel-Buckel-Sprung-Buckel-Sprung-rechts-Sprung-links-Buckel-Sprung. Und so weiter. Und wenn es zu eng wird, stürzt auch mal jemand. Dann ist der Traum von einer Olympia-Medaille innerhalb von einem Moment vorbei. Besonders bitter ist das, wenn man selbst nichts dafür kann.

So erging es Martin Nörl vor vier Jahren, als er im Halbfinale schuldlos ausschied. Und so erging es am Donnerstag Leon Ulbricht, als er von Teamkollege Nörl in der letzten Linkskurve des Viertelfinales von den Beinen geholt wurde.

In der letzten Linkskurve kommt es zum Crash

Schon im Achtelfinale traten Routinier und Youngster gegeneinander an, um auf den ersten beiden Plätzen ins Ziel zu kommen. Während der startstarke Ulbricht von vorn wegfuhr, überholte Nörl erst vor der letzten Kurve den Australier James Johnstone. Durch den Turniermodus war ihr Schicksal von Beginn an aneinander gekettet, sie hätten in allen Runden auf den ersten beiden Plätzen landen müssen, damit am Ende beide ins Finale einziehen.

Leon Ulbricht schreibt auf seiner Webseite, er möchte Spaß haben an der Weltspitze des Snowboardcross. Dabei „spielen große Titel eher eine nebensächliche Rolle, das kommt dann schon von selbst“. Eine gesunde Einstellung in diesem Sport, der so unberechenbar ist. Spätestens heute musste er erfahren, wie viel Glück auch dazugehören muss für den ganz großen Erfolg im Cross-Sport.

Im Viertelfinale war er wie in der Runde zuvor stark gestartet und hatte lange geführt, erst kurz nach der Hälfte des Rennens wurde er vom Italiener Lorenzo Sommariva eingefangen, als er ihm die Innenbahn zu weit offen ließ. Von hinten hatte das Nörl beobachten können, der sich heran sog und seinem Teamkollegen immer näher kam. In der letzten Linkskurve vor dem Ziel musste Nörl ins Risiko gehen. Sommariva war weit weggezogen, für einen Platz im Halbfinale musste er an Ulbricht vorbei. Also fuhren die beiden Deutschen und der US-Amerikaner Nick Baumgartner beinahe nebeneinander in die Kurve: Nörl trug es zu weit raus, er konnte sein Board nicht mehr kontrollieren. Und fuhr auf das von Ulbricht.

Nörl hatte das Gefühl, zuvor von Baumgartner berührt worden zu sein, sagte ihm aber im Ziel direkt, dass er nicht sauer auf ihn sei. Und die Fernsehbilder legen auch keinen Kontakt des Amerikaners nahe. Trotzdem wunderte sich Nörl, dass sich die Jury den Unfall nicht genauer anschaute: „Für das ganze Team ist das ärgerlich. Wir hatten gutes Material und waren wahnsinnig schnell.“ Es wäre wohl mehr drin gewesen.

Im Snowboardcross kann alles passieren, sogar, dass es am Ende den gleichen Olympiasieger gibt wie vor vier Jahren: Es gewann abermals Alessandro Hämmerle aus Österreich.

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