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Skisprung-Disqualifikation von Norwegerin Anna Ström wegen Socke | ABC-Z

Wie der Weltverband FIS mitteilte, sei die Weltcup-Dritte nach dem Wettkampf, in dem sie Platz elf belegt hatte, kontrolliert worden. Die Untersuchung dauerte Medienberichten zufolge mit 40 Minuten ungewöhnlich lange. Eine zusätzliche Sohle im Sprungschuh ist laut FIS-Regularien verboten. Dass Ström diese nicht offen im Schuh getragen, sondern in ihrem Socken untergebracht hatte, wirft durchaus Fragen auf.

Norwegens Team liefert ein Attest nach

Diese versuchten die Norweger anschließend zu beantworten. Demnach habe Ström nach eigenen Angaben ihre Ausrüstung wegen einer medizinischen Notwendigkeit modifiziert. Wie Norwegens Cheftrainer Christian Mayer dem TV-Sender NRK sagte, leide Ström unter einer Schiefstellung der Hüfte, weswegen sie am rechten Bein durch eine Sohle einen Höhenunterschied von einem Zentimeter ausgleicht.

„Anna Odine hat sich 2023 in Engelberg verletzt, die Verletzung war auf diese Hüftproblematik zurückzuführen. Deshalb haben wir begonnen, das auszugleichen“, sagte Mayer. Allerdings ist für eine solche Maßnahme ein Attest nötig, wie Weltverbands-Renndirektor Sandro Pertile erläuterte. Ohne diese führt eine Modifikation wie in Ströms Falls zur Disqualifikation. Norwegens Team reichte ein solches Attest am Mittwoch allerdings erst nach der Kontrolle ein, der Weltverband FIS prüfe dies nun.

Der frühere norwegische Topskispringer Johan Remen Evensen nannte als NRK-Experte das Vorgehen von Norwegens Verband und Ström „einfach nur schwach“. Der Vorfall sei keine Lappalie: „Je höher man auf dem Schuh steht, desto tiefer kann man den Anzug tragen und desto tiefer sitzt der Schritt. Ein Zentimeter weniger Schritt als üblich ist ein großer Vorteil“, sagte der frühere Skiflug-Weltrekordler.

In der Männer-Qualifikation in Garmisch-Partenkirchen war zudem am Mittwoch ein norwegischer Topathlet disqualifiziert worden. Bei Halvor Egner Graneruds Anzug war das Hosenbein zwei Millimeter zu lang. Am Anzugskandal von Trondheim, als die Norweger den Dress mehrerer Springer irregulär umgenäht hatten, war Granerud nicht beteiligt – er fehlte verletzt. Auch Norwegens Frauen blieben damals unbelastet.

Karl Geiger: „Das gehört sich einfach nicht“

Deutschlands Skispringer Karl Geiger reagierte genervt auf die jüngsten Betrugsvorwürfe von norwegischen Medien bei der Vierschanzentournee. „Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man selbst betrogen hat und das dann anderen unterstellt. Das ist nicht unbedingt die beste menschliche Art. Das gehört sich einfach nicht“, sagte Geiger an Silvester nach der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Norwegische Medien hatten zwischen dem ersten und zweiten Wettbewerb bei dem Traditionsevent an der Legalität der Bindung von Österreichs Springer Manuel Fettner gezweifelt. Der Weltverband reagierte noch vor der Qualifikation in Garmisch auf die Vorwürfe und entkräftete diese: „Die Bindung ist seit etwa zehn Jahren in Nutzung und wurde genehmigt.“

DSGVO Platzhalter

Auch Deutschlands Topathlet Philipp Raimund hält nichts von den medial erhobenen Anschuldigungen. „Das sind die ganzen Mind Games (Psychospiele, d. Red.), die während der Tournee gespielt werden. Ich persönlich denke, da ist nichts dahinter. Ich persönlich habe das schon abgehakt – ich will jetzt nicht sagen im Klo runtergespült, aber abgehakt“, sagte Raimund. Fettner sagte: „Es ist ein bisschen traurig, wenn die Medien das nicht prüfen, sondern direkt publizieren. Mich belastet es nicht, weil ich weiß ja, dass das bei mir passt.“

Die deutschen Hoffnungen Raimund und Felix Hoffmann meisterten die Qualifikation zum Neujahrsspringen unterdessen souverän. Raimund (135 Meter) landete auf Rang fünf, für den Oberstdorf-Dritten Hoffmann (134 Meter) ging es auf Platz acht. Den Sieg in der Vorausscheidung holte sich wieder einmal Domen Prevc aus Slowenien. Der souveräne Gewinner von Oberstdorf sprang 139,5 Meter weit.

Stephan Embacher gelingt ein Schanzenrekord

Für einen Höhepunkt sorgte an Silvester der Österreicher Stephan Embacher, dem mit 145,5 Metern ein Schanzenrekord auf der Großen Olympiaschanze gelang. Danach verkürzte die Jury den Anlauf um zwei Luken. Embacher verpasste den Sieg in der Qualifikation auch, weil er den Sprung in diesem Weitenbereich nicht mehr sauber landen konnte und deshalb große Abzüge bei den Haltungsnoten bekam.

Problemlos die Qualifikation für den Wettbewerb an Neujahr (14.00 Uhr im ZDF und bei Eurosport) geschafft haben die Routiniers Andreas Wellinger (124,5 Meter) und Karl Geiger (125 Meter). Sie belegten damit die Plätze 27 und 31. „Es war definitiv besser. Die Skiführung war besser. Das war ein wertvoller Sprung für mich und ein schöner Jahresabschluss“, sagte Wellinger nach seinem Versuch im ZDF.

Beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf hatte das Duo noch ein sportliches Debakel erlebt. Geiger verpasste als 53. die Qualifikation für den Wettbewerb am Schattenberg. Wellinger belegte in dem Springen Platz 48. Neben Hoffmann, Raimund, Wellinger und Geiger qualifizierten sich aus deutscher Sicht auch Pius Paschke und Ben Bayer für den Wettbewerb an Neujahr.

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