Politik

Skisprung-Abbruch bei Olympia 2026: Deutsche Wut ist verständlich | ABC-Z

Wie viele Apps haben Sie auf Ihrem Smartphone? Das ist eine indiskrete Frage. Auch ohne Verstoß gegen den Datenschutz darf an dieser Stelle behauptet werden: Eine häufig benutzte Wetter-App wird darunter sein. Die meisten sagen ziemlich präzise voraus, ob und wann es zum Beispiel in diesen Tagen schneit.

Der App-Nutzer könnte die Uhr danach stellen, sich überlegen, wann er das Haus verlässt, den Bürgersteig räumen muss, oder – gehörte er zu einer Jury im Skispringen – frühzeitig abschätzen, wann ein Wettkampf zu unterbrechen und wieder aufzunehmen ist.

Moderne Zeiten, sollte man meinen. Der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, Horst Hüttel, stellte am späten Montagabend allerdings zwischen den Zeilen seiner von einer gewissen Erregung geprägten Attacke eine rhetorische Frage an Skisprung-Juroren des Ski-Weltverbands FIS: Haben sie in „diese Wetter-Apps, die auch die FIS haben muss“, nicht reingeschaut?

Die Wut ist verständlich. Im dritten und letzten Durchgang des Super-Team-Wettbewerbs war Philipp Raimund gerade ein sehr weitreichender Sprung durch den Schneefall gelungen, das deutsche Team hoffte wieder, doch noch Dritter werden zu können.

Auch durch die deutsche Brille betrachtet, verstieß die Jury nicht gegen die Regeln. Abbrüche sind üblich, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht oder die Integrität des Wettkampfs nicht aufrechterhalten werden kann. Aber diesmal würgten die Juroren einen olympischen Moment ab, auf den Athleten mindestens vier, manche zehn und mehr Jahre hingearbeitet haben, verzichtend auf das, was das Leben angenehm erscheinen lässt.

Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.

Die meisten bekommen nur eine Chance, bei Winterspielen ihr Können zu zeigen. Andere suchen fieberhaft nach der alten Klasse wie Wellinger, der im allerletzten Sprung seine Qualität aufblitzen ließ. Was also sind 30 Minuten abwarten gegen zehn Jahre? Sie hätten gereicht, um recht schnell das Schöne der Natur zu entdecken. Ihre Laune: Zur Siegerehrung herrschte wieder bestes Fliegerwetter.

In anderen Sportarten haben Juroren wohl die Ruhe weg, Hüttel nannte es „Besonnenheit“. Beim spektakulären Big Air, ebenfalls am Montagabend, schossen die Frauen auf ihren kurzen Ski zu atemraubenden Verwirbelungen in den Nachthimmel, nachdem die Jury den Wettkampf wegen eines Schneestürmchens um eine Stunde verschoben hatte. Und draußen im profanen Alltag der Spitzensportler weit weg vom Olympischen drehen Formel-1-Piloten schon mal den ganzen Nachmittag Däumchen, bis der Regen nachlässt und die Startampel verlöscht.

Aber ja, nach dem Wettkampf, das ließ der Renndirektor der FIS, Sandro Pertile, wissen, „sei es einfach zu sagen, man hätte warten sollen“. Goldspringer Raimund kam beim Nachdenken über das Erlebte und dazu Erklärte allerdings auf den K-Gedanken. Der kommt, wenn sich vor Entrüstung der Magen hebt. Denn Pertile deutete an, dass es nicht nur um das Vertrauen in eine Wetter-App und die Würde des Wettbewerbs ging: „Wir wissen alle, dass wir begrenzte TV-Zeit haben.“

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