Sind warme Nächte während der Schwangerschaft schuld? | ABC-Z

Heiße Sommertage gelten als belastend. Doch für Schwangere könnten vor allem warme Nächte eine Rolle spielen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Untersuchung mit fast 300.000 Geburten in Südkalifornien.
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Die Forscher analysierten in der Studie Daten von 294.937 Kindern, die zwischen 2001 und 2014 geboren wurden. Bis zum fünften Lebensjahr erhielten 4.076 von ihnen eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum, das entspricht rund 1,4 Prozent der Gesamtgruppe.

Studie: Zwei sensible Zeitfenster könnten das Autismus-Risiko erhöhen
Im Mittelpunkt der Analyse standen die Temperaturen am Wohnort der Mütter während der Schwangerschaft. Unterschieden wurde zwischen Tageshöchstwerten und nächtlichen Tiefsttemperaturen.
Das zentrale Ergebnis: Nur hohe Nachttemperaturen zeigten statistische Zusammenhänge mit einem erhöhten Autismus-Risiko, und das auch nur in zwei klar abgegrenzten Zeiträumen: in den Schwangerschaftswochen eins bis zehn, sowie in den Wochen 30 bis 37.

Verglichen wurde jeweils das wärmste Prozent der nächtlichen Temperaturen mit durchschnittlichen Bedingungen. In diesen Phasen lag das relative Risiko um 13 bis 15 Prozent höher.
Wichtig ist die Einordnung: Auch unter den Frauen, die besonders warmen Nächten ausgesetzt waren, entwickelte die große Mehrheit der Kinder keinen Autismus. Die Studie zeigt Zusammenhänge – sie beweist keine Ursache. Auffällig ist, dass hohe Tagestemperaturen zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft signifikant mit Autismus-Diagnosen verbunden waren.
Wissenschaftler erklären: Warum gerade die Nacht?
Die Forscher vermuten mehrere Gründe. Zum einen schwankt die tatsächliche Hitzeexposition tagsüber stark: Viele Menschen halten sich in klimatisierten Räumen auf. Nachts hingegen verbringen die meisten ihre Zeit zu Hause – dort spiegeln die gemessenen Außentemperaturen die reale Belastung möglicherweise besser wider.

Zum anderen ist die Nacht biologisch besonders sensibel. Während des Schlafs sinkt die Körperkerntemperatur normalerweise ab. Bleiben die Temperaturen hoch, kann dieser Prozess gestört werden. Schlafqualität leidet, Stresshormone wie Cortisol steigen möglicherweise an. Solche Veränderungen der mütterlichen Physiologie könnten – so die Hypothese – in sensiblen Entwicklungsphasen Einfluss auf das ungeborene Kind nehmen.
Frühe und späte Entwicklungsschritte
Die identifizierten Zeitfenster fallen in entscheidende Phasen der Gehirnentwicklung. In den ersten zehn Wochen bildet sich unter anderem das Neuralrohr – die Grundlage für Gehirn und Rückenmark. In den letzten Schwangerschaftswochen entstehen und vernetzen sich Milliarden Nervenzellen in rasantem Tempo.

Frühere Studien haben bereits Zusammenhänge zwischen Hitze in der Schwangerschaft und Neuralrohrdefekten oder Entwicklungsverzögerungen beschrieben. Die nun veröffentlichte Untersuchung ist jedoch eine der ersten großen Kohortenstudien, die Hitzeexposition wochenweise mit Autismus-Diagnosen in Beziehung setzt.
Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen
Wie in vielen Autismus-Statistiken waren auch in dieser Untersuchung rund 80 Prozent der diagnostizierten Kinder männlich. In geschlechtsspezifischen Analysen zeigten sich die Zusammenhänge vor allem bei Jungen.
Allerdings waren die statistischen Tests auf Interaktionen nicht eindeutig – die geringere Zahl betroffener Mädchen schränkt die Aussagekraft hier ein.
Grenzen der Studie
Die Temperaturdaten basieren auf Außenmessungen an den Wohnadressen der Mütter. Wie warm es tatsächlich in den Schlafzimmern war – ob mit oder ohne Klimaanlage – ließ sich nicht feststellen. Auch wurden ausschließlich termingerechte Geburten ab der 37. Woche berücksichtigt.
Zudem haben sich Diagnosekriterien und Sensibilität für Autismus in den vergangenen Jahren verändert. Steigende Prävalenzraten lassen sich nicht allein auf Umweltfaktoren zurückführen.





















