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Sieg gegen Kölner Haie in den Eishockey-Playoffs: Die Eisbären sind wieder da – Sport | ABC-Z

Irgendwann gingen auch Andreas Eder die Erklärungsversuche aus. Nein, so etwas habe er tatsächlich bisher nicht erlebt, sagte der Stürmer der Eisbären Berlin bereits im vergangenen November. Es seien so viele unglückliche Vorfälle passiert, „das kommt vielleicht einmal alle 15 Jahre vor“. Eine Verletzungsmisere hatte den Meister der vergangenen zwei Jahre in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in dieser Saison gebeutelt.

Dass Kapitän Kai Wissmann monatelang fehlen würde, war nach dessen Achillessehnenverletzung schon zu Saisonbeginn klar, doch dann erwischte es nach und nach weitere wichtige Spieler. Die Verteidiger Korbinian Geibel und Markus Niemeläinen sowie Blaine Byron verpassten ungefähr die halbe Hauptrunde, Topscorer Ty Ronning 18 Hauptrundenspiele. Das größte Pech ereilte Patrick Khodorenko: Der Stürmer, der aufgrund der zahlreichen Ausfälle während der Saison nachverpflichtet wurde, verletzte sich im Oktober in seinem vierten Eisbären-Einsatz so schwer am Knie, dass da bereits klar war, er würde in dieser Saison nicht mehr auflaufen. Auch Byron und Geibel werden in dieser Spielzeit nicht mehr aufs Eis zurückkehren. Aufgrund der vielen Verletzten mussten die Eisbären, die vier der vergangenen fünf DEL-Titel gewonnen haben, bis zum Schluss der Hauptrunde um die direkte Playoff-Viertelfinalqualifikation zittern. Es schien wie verhext zu sein.

Doch jetzt, in den Playoffs, sind die Eisbären wieder da. Nach dem 4:2-Viertelfinalerfolg über die Straubing Tigers gewannen die Berliner am Mittwochabend Spiel Nummer eins in der Halbfinalserie gegen die Kölner Haie 6:3. Die Haie hatten die Hauptrunde dominiert – und dabei 31 Punkte mehr geholt als die Eisbären –, und sie hatten bis dahin noch kein Spiel in den Playoffs verloren.

Zum Mann des Spiels wurde unerwartet einer aus der Eisbären-Jugend, der in der laufenden Saison wegen der Vielzahl an Verletzten seine Chance bekam und sie nutzte: Moritz Kretzschmar. Der 19-jährige Verteidiger hatte bis zum Mittwoch noch kein DEL-Tor erzielt – und traf dann gleich zweimal. „Ich habe es am Anfang gar nicht realisieren können“, sagte er strahlend zu seinem Premierentreffer, „erst in der Drittelpause“ sei ihm das gelungen. Kurz darauf legte er das zweite Tor nach.

Sechs Playoff-Serien haben Köln und Berlin gegeneinander bestritten, fünfmal hieß der Sieger Berlin

Kretzschmar war anfangs in knapp sechs Saisonmonaten auf lediglich sechs Einsätze für die Eisbären gekommen. In der restlichen Zeit lief er für Berlins Kooperationspartner in der DEL2, die Lausitzer Füchse, auf. Dort erhielt er viel Eiszeit: 34 Spiele bestritt er in der zweiten Liga, außerdem lief er für die deutsche Nationalmannschaft bei der U20-Weltmeisterschaft in den USA auf.

Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer hatte im vergangenen Sommer, vor Moritz Kretzschmars DEL-Debütjahr, betont, der Klub verfolge einen „langfristigen Plan“ mit dem talentierten Verteidiger. Wegen der Verletzungshäufigkeit griff der Plan nun kurzfristig. Weil sich kurz vor dem Ende der Hauptrunde dann auch noch Verteidiger Mitch Reinke verletzte, wurde Kretzschmar, der schon als Kind mit seinen Eltern zu Eisbären-Spielen ging, wieder zum ersten Team beordert und bestreitet seitdem alle Partien. Kretzschmar spiele hart und gut, sagte Trainer Serge Aubin am Mittwochabend: „Er ist jung, aber er strahlt Souveränität auf dem Eis aus.“

Der bis dahin so souveräne Gegner Köln jedenfalls wurde bei der ersten Playoff-Niederlage kalt erwischt.  Niederlagen schnell abzuhaken, gehört zu den Grundanforderungen in der entscheidenden Saisonphase, doch die Eisbären lösen, historisch gesehen, bei den Kölner Haien eher gemischte Gefühle aus: Sechs Playoff-Serien haben beide Klubs gegeneinander bestritten, fünfmal hieß der Sieger Berlin. Besonders festgesetzt hat sich die letztjährige Finalserie – und keineswegs nur deshalb, weil sie gut in Erinnerung ist. Die Berliner demütigten die Konkurrenten aus Köln: Sie gewannen die letzten drei Finalspiele jeweils 7:0.

„Das war natürlich nicht schön“, hatte Kölns Kapitän Moritz Müller vor der Halbfinalserie im Sender Magentasport gesagt: „Aber das war letztes Jahr. Wir schauen gar nicht so sehr zurück.“ Dann setzte es sechs Gegentore, und Kölns Torhüter Janne Juvonen, der erst kürzlich zum DEL-Profi des Jahres gekürt wurde, blieb bereits nach zwei Dritteln in der Kabine. Ob die abermals hohe Playoff-Niederlage gegen Berlin bereits die Gespenster der Vergangenheit geweckt hat, dürfte sich schon an diesem Freitag in Spiel Nummer zwei in Köln zeigen.

Die Berliner bleiben jedenfalls betont gelassen. Aubin, der als Eisbären-Trainer noch keine DEL-Playoffserie verloren hat, sagte vor dem Beginn der Halbfinals, die jeweils erste Playoffserie, also jene im Viertelfinale gegen Straubing, sei immer die schwerste. „Jetzt machen wir uns bereit und haben Spaß“, erklärte er. In Spiel eins hatten die Eisbären jede Menge davon.

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