Berlin

Sexuelle Übergriffe seit über einem Jahr | ABC-Z

Hildburg Bruns

Neukölln – Immer neue Enthüllungen um die Vergewaltigungs-Vorwürfe im Jugendzentrum Wutzkyallee (Gropiusstadt). Schon im Februar 2025 berichteten Mädchen von sexuellen Übergriffen. Dabei ging es um unerwünschtes Küssen und Berührungen der Brust.

Die Reaktion des Jugendzentrums: Damit die Mitarbeiter die Probleme in den Griff bekommen, sollte es eine Fortbildung („Sexuelle Gewalt erkennen und handeln“) durch Experten vom Träger „Hilfe für Jungs“ geben. Der Termin wurde allerdings kurzfristig abgesagt – wegen Krankheit.

Nur zeitweise Hausverbote

Aus Sicht des Jugendsenats waren die Maßnahmen zu „den Vorfällen über einen so langen Zeitraum nicht ausreichend“, heißt es auf eine parlamentarische AfD-Anfrage. Lediglich eine Tür sei ausgehängt worden, damit das Personal alle Räume einsehen konnte. Bei einzelnen männlichen Besuchern wurde zeitweise ein Hausverbot verhängt.

Trotzdem kam es im November 2025 zur mutmaßlichen Vergewaltigung einer türkisch-kurdischen Schülerin (16) und im Januar 2026 stürzte sich in einem Hinterzimmer ein ganzer Pulk meist arabischer Jugendlicher auf dieselbe Jugendliche. Einige der muslimischen Jugendlichen waren bereits im Visier der Polizei. Die beteiligten Betreuer sahen von einer Anzeige ab. Der schlimme Verdacht: Mutmaßliche Vergewaltiger und Sexualstraftäter seien von Amts wegen nicht angezeigt worden, weil muslimische Jungen bereits genug unter Beobachtung der Polizei stünden, so die eidesstattliche Versicherung von Mitarbeitern einer benachbarten Einrichtung.

Für die CDU ist klar, dass die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (40, Linke) gehen muss. „Nicht ohne Grund wird mittlerweile wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt gegen sie ermittelt“, sagt CDU-Fraktionschef Markus Oegel (62). SPD und Grüne verhalten sich noch abwartend. Die Abstimmung gegen Nagel könnte damit erst im Mai erfolgen – in dem Monat würde sie nach B.Z.-Informationen ohnehin in Mutterschutz gehen.

Jugendstadträtin Sarah Nagel muss harsche Kritik einstecken. Die CDU fordert, dass sie geht
Jugendstadträtin Sarah Nagel muss harsche Kritik einstecken. Die CDU fordert, dass sie geht Foto: Gunnar Bernskötter/BA Neukölln

Schwester wechselte die Schule

Aus Sicht des Abgeordneten Tommy Tabor (AfD) muss mehr Druck gemacht werden. „Dass das Jugendamt trotz des ausdrücklichen Wunsches des Opfers bewusst keine Anzeige erstattete, straft nicht nur die bisherigen Ausflüchte der Jugendstadträtin Lügen. Es erweitert den Skandal von Nachlässigkeit zu Vorsatz. Sarah Nagel ist spätestens jetzt nicht mehr zu halten.“ Bürgermeister Martin Hikel (39, SPD) müsse sie umgehend suspendieren.

Die Familie des Opfers leidet unter den Vorfällen. Die kleine Schwester (14) hat auf Wunsch der Eltern die Schule gewechselt. Die Tätergruppe hatte versucht, sie zu Treffen zu bewegen, heißt es in einem Protokoll.

Weiteres Jugendzentrum dicht

Neben dem Jugendzentrum in der Wutzkyallee ist in Neukölln inzwischen auch das Jugendzentrum Wildhüterweg geschlossen worden. Begründung: Der Einrichtungsleiter sei versetzt worden, es habe sich kein dauerhafter Ersatz gefunden. Näheres sagt der Bezirk nicht. Allerdings wird bestätigt, dass es kein vorgeschriebenes Kinderschutz-Konzept gegeben habe. Es habe aber keine sexuellen Vorfälle gegen oder unter Jugendlichen gegeben, heißt es.

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