Serie über Entführung: Kind verloren | ABC-Z

„All Her Fault“ ist spannend bis zur letzten Sekunde. Hohe Schauspielkunst inklusive und mit viel Dunkelheit in den Biographien der Verdächtigen.
Marissa klopft an eine Tür, sie will ihren Sohn Milo von einem Treffen mit einem Schulfreund abholen. Eine ältere Frau öffnet. Milo? Von dem Jungen habe sie noch nie etwas gehört.
Der Thriller „All Her Fault“ beginnt unmittelbar, denn dass es sich hier nicht um ein Missverständnis, sondern um ein Verbrechen handelt, ist nach wenigen Minuten klar.
Das Playdate war erfunden, der Sechsjährige wurde entführt. Und eine Tatverdächtige ist auch schnell ausgemacht: Carrie, die Nanny des Schulfreundes.
Eine klassische Geschichte einer Kindesentführung könnte man denken, doch wieso entführt eine junge Frau aufwändig das Kind einer anderen Familie? Und wieso fordert sie dann nicht einmal Lösegeld?
Trotz allem überrascht
Einige Cliffhanger später offenbart sich: die Auswahl an Verdächtigen ist groß. Jede_r könnte etwas mit dem Verschwinden zu tun haben: Der Vater mit Helferkomplex, die suchterkrankte Tante oder der spielsüchtige beste Freund der Mutter.
Und so nähert man sich bei der verzweifelten Suche nicht nur dem verschwundenen Kind, sondern auch kaputten Figuren und ihren dunklen Vergangenheiten. Und ist von der Auflösung trotz allem überrascht.
Der Plot basiert auf dem Roman der irischen Autorin Andrea Mara. Für die Serie wurde die Handlung unnötigerweise von der Mittelschicht in Dublin zur obersten Oberschicht nach Chicago verlegt. Dabei gab es in den vergangenen Jahren wahrlich genügend popkulturelle Abhandlungen über anstrengende Superreiche („Succession“, „Triangle of Sadness“, „White Lotus“).
Die Redundanz verzeiht man dem Thriller jedoch, weil die Figuren dank der schauspielerischen Leistung mehr sind als Karikaturen. Sarah Snook („Succession) überzeugt als verzweifelte Mutter. Schauspieler Jake Lacy („White Lotus“) ist als sabotierender und helfender Vater so nervig, dass man sich wünscht, er wäre statt des Kindes verschwunden.
Am Ende bleibt man bei dem Thriller „All Her Fault“ nicht nur wegen der klassischen Spannungselemente acht Stunden am Ball, sondern auch wegen der liebevollen und akkuraten Zeichnung von Mutterschaft und Frauenfreundschaften.
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