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Seeminen, Spritschock, Übernahmefantasien: Der Kampf um die Straße von Hormus – Politik | ABC-Z

Inzwischen dürften auch amerikanische Autofahrer erkannt haben, welche Bedeutung die Straße von Hormus hat. Dort stehen sie zwar nicht im Stau wie zum Beispiel nach Feierabend auf der chronisch verstopften Interstate 495 um Washington. Aber der gegenwärtige Benzinpreis hat wesentlich mit diesem fernen Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman zu tun, deshalb ist diese „Strait of Hormuz“ seit dem Beginn des Krieges gegen Iran Dauerthema in den US-Nachrichten.

Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Verbindungen der Weltwirtschaft, ein Fünftel der Transporte von Öl und Gas muss dort hindurch. Als Israel und die Vereinigten Staaten Ende Februar  begannen, das Reich der Mullahs anzugreifen, reagierte Teheran mit einer Art Seeblockade – entsprechend stieg der Ölpreis, eine Menge Rohöl von der arabischen Halbinsel wird vorsichtshalber nicht mehr verschifft. Tanker und andere Schiffe laufen Gefahr, von iranischen Drohnen getroffen zu werden, auch ist da plötzlich von einer weiteren Gefahr die Rede.

So berichtete CNN am Dienstag, dass Iran in der Straße von Hormus Seeminen deponiere. Weite Teile der iranischen Marine wurden von den USA zwar versenkt, doch ein Großteil der kleinen Boote und Minenleger der Revolutionsgarden sind laut Informationen des Senders noch intakt. Das Land, so heißt es, könne solche verstreuten Minenleger, mit Sprengstoff beladene Boote und landgestützte Raketenbatterien einsetzen. „Death Valley“ wird die Passage mittlerweile genannt, in Anspielung auf die bis zu 50 Grad heiße Wüste zwischen Kalifornien und Nevada.

Der Sender CBS schätzt, dass Iran bis zu 6000 Seeminen besitzt, aus eigener Produktion, China oder Russland. „Sollten aus irgendeinem Grund Minen verlegt worden sein und diese nicht unverzüglich entfernt werden, werden die militärischen Konsequenzen für den Iran ein noch nie dagewesenes Ausmaß annehmen“, schrieb Donald Trump in seinem Netzwerk Truth Social. „Sollten sie hingegen die möglicherweise verlegten Minen entfernen, wäre das ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung!“

Kurz danach gab der US-Präsident bekannt, man habe „zehn inaktive Minenlegerschiffe vollständig zerstört“. Weitere würden folgen, so kam es auch. Tags zuvor hatte er dies angekündigt: „Sollte Iran etwas unternehmen, das den Ölfluss in der Straße von Hormus unterbricht, werden die Vereinigten Staaten von Amerika sie zwanzigmal härter treffen als bisher.“

Ein Projektil trifft auf ein Schiff, das das US-Zentralkommando (CENTCOM) als iranisches Marineschiff bezeichnet, bei Angriffen auf Minenleger in der Nähe der Straße von Hormus. CENTCOM/via REUTERS

In einem weiteren Beitrag in der Nacht zum Dienstag drohte er, die USA würden „leicht zerstörbare Ziele ausschalten, die es Iran praktisch unmöglich machen werden, sich jemals wieder als Nation zu erholen – Tod, Feuer und Zorn werden über sie hereinbrechen – aber ich hoffe und bete, dass es nicht so weit kommt! Dies ist ein Geschenk der Vereinigten Staaten von Amerika an China und all jene Nationen, die die Straße von Hormus intensiv nutzen. Hoffentlich ist es eine Geste, die sehr geschätzt wird.“

Aber was genau kann das mächtigste Militär der Erde tun, um diesen Engpass zu sichern und zu verhindern, dass sich die Energiekrise im Zuge des Krieges ausweitet? Einer CBS-Reporterin sagte Trump am Montag, dass er darüber nachdenke, die Straße von Hormus „zu übernehmen“. Das klang so ähnlich wie zu Beginn seiner Amtszeit im vergangenen Jahr, als der Mann im Weißen Haus verkündete, dass die USA den Panama-Kanal wieder kontrollieren wollten.

Doch der Panama-Kanal gehört seit der Jahrtausendwende Panama, und die Eskalation an der Straße von Hormus hatte Trump eventuell unterschätzt. Ebenfalls am Dienstag setzte dann der US-Energieminister Chris Wrights folgenden Hinweis auf X ab: „Präsident Trump sichert die Stabilität der globalen Energieversorgung während der Militäroperationen gegen Iran. Die US-Marine eskortierte erfolgreich einen Öltanker durch die Straße von Hormus, um die Ölversorgung der Weltmärkte sicherzustellen.“

Sogleich sank der Ölpreis unter 80 Dollar, nachdem er in den vergangenen Tagen auf bis zu 120 Dollar gestiegen war. Auch die Aktienkurse gingen nach oben. Allerdings korrigierte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt rasch, dass das mit der Begleitung eines Öltankers nicht stimme. Man habe „zum jetzigen Zeitpunkt“ keine Schiffe eskortiert, sagte sie nachher bei ihrem Pressebriefing, aber es sei eine Option, die der Präsident „bei Bedarf unbedingt nutzen wird.“ Wright hatte seine Falschmeldung inzwischen gelöscht. Das Öl wurde wieder teurer, die Aktien verloren wieder an Wert.

Das Publikum kommt kaum mehr mit. Ohnehin ist dies ein amerikanischer Krieg ohne eindeutiges Ziel, ohne Debatte und ohne Genehmigung im Kongress. Trumps Leute vermeiden anders als ihr Oberbefehlshaber sogar penetrant das Wort „war“.  Zuletzt schien der US-Präsident weder mit sich selbst noch mit seinem Kriegsminister genannten Verteidigungsminister Pete Hegseth noch mit Israels Premier Benjamin Netanjahu darüber einig zu sein, wie dieser Krieg weitergehen soll.

Es sind auch Wortgefechte zwischen Washington und Teheran, gerne ausgetragen auf X, der Plattform von Elon Musk. „Die Straße von Hormus wird entweder eine Meerenge des Friedens und des Wohlstands für alle sein oder eine Meerenge der Niederlage und des Leidens für die Kriegstreiber“, schrieb dort der iranische Hardliner Ali Laridschani.

Explodierende Spritpreise? Das dürfte auch den Republikanern nicht gefallen

Jedenfalls ist die Straße von Hormus der wohl entscheidende Kampfplatz. Dort sind die USA verwundbar. Der Sprit kostet an amerikanischen Tankstellen deutlich mehr als vor einigen Wochen, was Mineralölfirmen gefallen mag, aber den Kunden und mithin den Republikanern knapp acht Monate vor den Zwischenwahlen gar nicht gefällt. Der republikanische Senator und Trump-Kritiker äußerte bei Fox Business den Verdacht, dass die Midterms für seine Partei ein Desaster werden, wenn dieser Krieg weitergehe.

Trump forderte Reeder und Crews derweil auf, sie sollten „Mut beweisen“ und mit den Tankern durch die Straße von Hormus fahren. Aber der Schiffsverkehr an dieser neuralgischen Stelle ist seit Beginn der „Operation Epic Fury“ um 90 Prozent eingebrochen. Die Tanks an den Lagerstätten der Öl-Exporteure sind deshalb voll, die Förderung wird zwangsläufig gedrosselt. Der saudi-arabische Ölkonzern Aramco warnt vor „katastrophalen Folgen“.

Ungewiss ist auch, ob die USA die Insel Kharg im Persischen Golf attackieren werden, über das Eiland exportiert Iran das Gros seines Öls. Den Einsatz von Bodentruppen will Trump schon aus innenpolitischen Gründen vermeiden. Mindestens sieben Amerikaner wurden bei dieser Offensive bereits getötet und laut Pentagon 140 US-Soldaten verletzt – kein Vergleich jedoch zu den mehr als 1000 toten Iranern, darunter etliche Zivilisten.

Ob und wie Schiffe durch die Straße von Hormus begleitet werden könnten, das wird bei den US-Streitkräften gerade beraten. „Wir prüfen also verschiedene Optionen und werden Lösungen für auftretende Probleme finden“, sagte an diesem wortreichen Dienstag Dan Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs. Die Jagd auf iranische Minenleger gehe weiter. Später am Nachmittag meldete das amerikanische Zentralkommando samt Video eines gesprengten Bootes, man habe am 10. März „mehrere iranische Marineschiffe eliminiert, darunter 16 Minenleger in der Nähe der Straße von Hormus“.

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