Schwimmverein verliert Trainingsplatz: Krise im Main-Taunus-Kreis | ABC-Z

Wer eine Wohnung kündigt oder einen Mitarbeiter entlässt, dem werden strenge Kündigungsfristen vorgegeben. Nur zwei Monate Vorwarnung bekamen dagegen mehrere Schwimmvereine aus dem Main-Taunus-Kreis, um sich mit der Tatsache abzufinden, dass sie künftig nicht mehr samstags im Schulschwimmbecken der Hofheimer Rhein-Main-Therme trainieren können. Zur Begründung hieß es, man plane eine betriebliche Neuausrichtung zugunsten des öffentlichen Angebots. Man verdiente – so lässt es sich zwischen den Zeilen lesen – lieber Geld mit gut zahlenden Gästen und eigenen Angeboten.
Das ist gleich mehrfach ärgerlich. Zum einen die kurzfristige, lapidare Kündigung nach 20 Jahren Zusammenarbeit mit den Vereinen. Zwar ist die Therme nicht verpflichtet, die Bahnen auch samstags zu vermieten, doch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sieht anders aus. Dass die Vereine nun juristischen Beistand suchen und sich an die Stadtpolitik wenden, ist verständlich.
Zum anderen kommt die Kündigung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn die Kapazitäten in den Schwimmbädern der Umgebung sind knapp. Das genossenschaftlich verwaltete Hallenbad in Hochheim ist voll belegt. Das lange ersehnte Kreishallenbad in Kriftel ist entgegen früherer Planungen noch immer nicht eröffnet.
Pfusch am Bau verzögerte zuletzt die Fertigstellung, und günstiger ist das Gebäude seitdem auch nicht geworden. Nach neuestem Stand soll es nun nach den Sommerferien 2026 eröffnen, aber auch der Oktober 2025 wurde schon einmal genannt, zuvor war der Schuljahresbeginn 2023/24 vorgesehen, und die Älteren erinnern sich noch an einen Fertigstellungstermin im Oktober 2022. Die meisten Schwimmer dürften daher erst an ein eigenes Vereinsbad mit sechs 25-Meter-Bahnen und Lehrbecken glauben, wenn sie es sehen.
Auch ein zweites Bad, in dem Vereine trainieren, ist derzeit eine Baustelle. Das fünfzig Jahre alte Eschborner Wiesenbad wird um eine neue Schwimmhalle mit 50-Meter-Bahnen und neuartiger Heizung aus Rechenzentrum-Abwärme erweitert. Das riesige Dach sorgte für Verzögerungen, in diesem November feierte man Richtfest. Auf einen Eröffnungstermin möchte sich die Stadt derzeit aber noch nicht festlegen. Die Lage für die Vereine ist also prekär. Dass eine betriebliche Neuausrichtung der Therme ausgerechnet jetzt und derart kurzfristig nötig sein soll, ist fatal – und hätte unbedingt anders kommuniziert werden müssen.





















