Wohnen

Schweiz: Behörden halten Kerzen oder Pyrotechnik als Brandursache für wahrscheinlich – Panorama | ABC-Z

Die Schweizer Behörden gehen von Pyrotechnik als Ursache für den Brand in einer Bar im Skiort Crans-Montana aus. „Alles deutet darauf hin, dass das Feuer von glühenden Kerzen oder bengalischen Feuern ausging, die auf Champagnerflaschen gestellt wurden“, sagte die Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud bei einer Pressekonferenz. Diese seien dann vermutlich zu nah an die Decke geführt worden. Pilloud nutzte bei der Pressekonferenz verschiedene Ausdrücke zur Beschreibung der verwendeten Pyrotechnik. Sie sprach später auch von Wunderkerzen, ein Schweizer Experte von „Partyfontänen“.

Diese Hypothese sei wahrscheinlich, aber noch nicht bestätigt. Zur raschen Ausbreitung des Feuers könnte Akustikschaumstoff an der Decke beigetragen ⁠haben. Man untersuche dessen Verwendung, es gebe aber noch keine Gewissheit, fügte ‌Pilloud hinzu. Zu dem Ergebnis seien die Ermittler nach der Auswertung von Videos, der Vernehmung mehrerer Zeuge sowie der Sicherung erster Spuren gekommen. Bei den Zeugenaussagen handele es sich um die französischen Besitzer und Gäste der Bar, die entkommen konnten. „Es wird geprüft, ob eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird“, sagte die Generalstaatsanwältin. Das wäre der Fall, wenn es eine Verantwortung noch lebender Personen gebe. Die Staatsanwaltschaft hat das Besitzer-Paar nach eigenen Angaben als Zeugen verhört. Sie hat bislang keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Aspekte, wie Oberstaatsanwältin Pilloud betonte.

Der Besitzer äußerte sich inzwischen auch in mehreren Medien aus der Schweiz, darunter dem Tages-Anzeiger. Er fühle sich nach dem Unglück „nicht gut“, sagte der Mann, der ein längeres Gespräch mit der Zeitung ablehnte. Sein Lokal sei „dreimal in zehn Jahren“ kontrolliert worden. Und es habe „alles den Vorschriften entsprochen“. Nach Angaben des französischen TV-Senders BFM befand sich der Franzose zum Zeitpunkt des Brandes nicht in der Bar, sondern in einem der beiden anderen Lokale des Besitzer-Paares. Seine Frau, die zum Zeitpunkt des Feuers vor Ort war, erlitt laut einer von Le Figaro zitierten Quelle Verbrennungen am Arm. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagte der Betreiber dem Portal 20 Minuten. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären. Wir tun alles in unserer Macht Stehende“, sagte er weiter.

Am Freitag kursieren Videos und Fotos, die aus der Bar stammen und den Ausbruch des Brandes zeigen sollen. Darauf sind tatsächlich Menschen zu sehen, die Champagnerflaschen mit Wunderkerzen in die Luft strecken. Darüber scheint die Decke zu brennen. Die Aufnahmen in sozialen Medien stimmen nach Angaben von Faktencheckern der BBC mit früheren Bildern aus der Bar überein. So seien etwa die dieselbe Theke und dieselben Rohre an der Decke zu sehen. Auch laufe auf verschiedenen Videos, die den Brandausbruch zeigen sollen, im Hintergrund dieselbe Musik. Die Polizei möchte sich zu den Videos nicht konkret äußern.

Plattform X

Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von X Corp. angereichert

Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von X Corp. angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.

In der Silvesternacht waren bei der Brandkatastrophe mit Hunderten zumeist jungen Feierenden 40 Menschen ums Leben gekommen, 119 weitere wurden verletzt. Etwa 80 von ihnen sollen sich Berichten zufolge im kritischen Zustand befinden. Die meisten Schwerverletzten sind zwischen 16 und 26 Jahre alt. Von ⁠den Verletzten seien 50 in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken im Ausland verlegt worden, sagte der Walliser Staatsratspräsident ‍Mathias Reynard, darunter auch Krankenhäuser in Stuttgart und Ludwigshafen.

Die EU unterstützt die Schweiz auf deren Bitte bei der Versorgung der Opfer. Über den EU-Katastrophenschutz würden Spezialteams entsandt, um Patienten mit schweren Verbrennungen zur Behandlung ins Ausland zu bringen, teilte die EU-Kommission am Freitagabend mit. Mehrere Staaten, darunter Deutschland, boten demnach Transportunterstützung und die Aufnahme von zunächst 24 Patienten an. Die Schweiz selbst gehört nicht zur EU.

Von den 119 Verletzten befinden sich viele in kritischem Zustand. Es gebe eine große Anzahl von Patienten, die intubiert und in ein künstliches Koma versetzt werden mussten, sagte Fredy-Michel Roten, Direktor der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO).

Mittlerweile seien 113 Verletzte identifiziert, sagt Frédéric Gisler, Kommandant der Kantonspolizei Wallis. Der Großteil der Opfer komme aus der Schweiz, etwa ein Dutzend jeweils aus den Nachbarländern Frankreich und Italien. Oberste Priorität habe für die Polizei die Identifikation der 40 Verstorbenen.

Die Bar „Le Constellation“ war nach Angaben von Anwohnern von Crans-Montana besonders bei Teenagern beliebt. Die meisten Opfer dürften deshalb Minderjährige und junge Erwachsene gewesen sein. Frankreich und Italien haben Opfer bestätigt. Ob Deutsche betroffen sind, ist noch offen. Das Auswärtige Amt steht in Kontakt mit den Schweizer Behörden.

Back to top button